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Donnerstag, 24. Mai 2018



Dienstag, 13. März 2018


Montag, 30. April 2018 um 16:02:39 von Kulturpool Redaktion

Phaidra, die Strahlende

Anlass
Über Phaidra, die mythologische Figur als auch über das Open Access Projekt und digitale Sammlung der Universität Wien

“Phaedra_Portrait“
Phaedra, aus der Porträtsammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Phaidra ist in der griechischen Mythologie die zweite Gattin Theseus, des Königs von Theben. Die Enkelin des Sonnengottes Helios trägt nicht nur dadurch, sondern auch durch die sprachliche Bedeutung im Griechischen die Strahlkraft im Namen (Φαίδρα, griechisch: Die Strahlende!). Auch ihr mythologisches Schicksal lässt sich als ein Klassisches in die Erzählwelt der Antike einordnen mit all den Verstrickungen, die eine viel erzählte jahrtausendealte Geschichte mit sich bringt. Die Folge einer so viele Generationen überdauernden Erzählung und Überlieferung bleibt auch nicht vor dem künstlerischen Ausdruck stehen, sondern eröffnet eine Vielzahl an Verarbeitungsmöglichkeiten dieses antiken Stoffes. Von Euripides über Ovid bis Seneca wurde der Stoff in verschiedenen literarischen Fassungen aufgearbeitet und weiterentwickelt. Senecas Werk wiederum lieferte die Grundlage für nachfolgende Auseinandersetzungen mit Phaidra im 16. und 17. Jahrhundert. Racine, Schiller, d’Annunzio sowie viele andere widmeten sich dem Stoff literarisch.

Musikalische Bearbeitungen finden sich von Jean Philipp Rameau über Benjamin Britten bis zu den Vorreitern elektronischer Musik der Band Tangerine Dream mit ihrem Album „Phaedra“. Damit lässt sich aufzeigen, dass ein Thema aus der Antike nach 2000 Jahren Eingang ins elektronische Zeitalter finden kann. Die Band gilt als Wegbereiter der Berliner Schule, die sich Mitte der 70er Jahre als eine Stilrichtung Elektronischer Musik in Deutschland entwickelte. 30 Jahre später kam es zu der Berliner Erklärung, welche in Folge näher erläutert werden wird.

“Phaidra_Relief“
Relief vom Sarkophag der Phädra und des Hippolythos, aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Der Urstoff der Erzählung Phaidra verbunden mit ihrer Tradierung und Weiterbearbeitung über die Jahrhunderte von Euripides bis Tangerine Dream veranschaulicht die Relevanz, Sichtbarkeit und Wirkung eines kulturellen Erbes der Menschheit. Zugang zu einem Weltkulturerbe zu schaffen, es zu archivieren, zu sammeln, um es in Folge im Sinne eines allgemeinen Bildungsauftrages einer breiten Öffentlichkeit nahe zu bringen, bedarf eines öffentlichen Auftrags und Willens, der die Schaffung von Plattformen und Archiven veranlasst, sowie einen dahingehenden öffentlichen Zugang erarbeiten zu können, die eine weitere Säule des Weltkulturerbes darstellt.


Diese Idee und die darauf bauenden Bemühungen finden sich als Grundsatzerklärung in der Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen.

»Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen«


Vorwort

Das Internet hat die praktischen und wirtschaftlichen Bedingungen für die Verbreitung von wissenschaftlichem Wissen und kulturellem Erbe grundlegend verändert. Mit dem Internet ist zum ersten Mal die Möglichkeit einer umfassenden und interaktiven Repräsentation des menschlichen Wissens, einschließlich des kulturellen Erbes, bei gleichzeitiger Gewährleistung eines weltweiten Zugangs gegeben.

Wir, die Unterzeichner, fühlen uns verpflichtet, die Herausforderungen des Internets als dem zunehmend an Bedeutung gewinnenden Medium der Wissensverbreitung aufzugreifen. Die damit verbundenen Entwicklungen werden zwangsläufig zu erheblichen Veränderungen im Wesen des wissenschaftlichen Publizierens führen und einen Wandel der bestehenden Systeme wissenschaftlicher Qualitätssicherung einleiten.

Im Sinne der Budapester Initiative (Budapest Open Access Initiative), der ECHO-Charta und der Bethesda Erklärung (Bethesda Statement on Open Access Publishing) haben wir diese Berliner Erklärung mit dem Ziel aufgesetzt, das Internet als Instrument für eine weltweite Basis wissenschaftlicher Kenntnisse und menschlicher Reflektion zu fördern und die erforderlichen Maßnahmen zu formulieren, die von Entscheidungsträgern, Forschungsorganisationen, Förderinstitutionen, Bibliotheken, Archiven und Museen zu bedenken sind.



OPEN ACCESS Link zur Berliner Erklärung auf der Website der Max Planck Gesellschaft: https://openaccess.mpg.de/Berliner-Erklaerung https://openaccess.mpg.de/68053/Berliner_Erklaerung_dt_Version_07-2006.pdf
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Auf Basis dieser Ideen konnten sich vor zehn Jahren wesentliche Plattformen entwickeln, wie die von der Universität Wien errichteten Plattform Phaidra.

Anlass
DIE PLATTFORM PHAIDRA:

Phaidra ist seit 2008 ein gesamtuniversitäres Digital Asset Management System
zur dauerhaften Sicherung von digitalen Beständen, welches die Open Acces Policy
der Universität Wien, gemäß der »Berliner Erklärung über den offenen Zugang
zu wissenschaftlichem Wissen« sichern soll.

Dabei dokumentiert das zentrale digitale Langzeitarchiv alte Bestände
der Universitätsbibliothek, und neue Objekte, welche fortlaufend
von aktiven UserInnen eingebettet (archiviert) werden.

Phaidra stellt unterschiedliche digitale Formate im Internet
als persistenten Link weltweit verfügbar und macht diese - wenn gewünscht -
weltweit nutzbar.
(Beschreibung einer externen Redakteurin)

Auch die Plattform Kulturpool entstand aufgrund ähnlicher Überlegungen und bildet eine Schnittstelle unter verschiedenen Archiven und Sammlungen österreichischer Bestände sowie auf europäischer Ebene gebunden an die Europeana.

Alle drei Plattformen feiern heuer ihr 10–jähriges Bestehen.
Eine kurze Veranschaulichung aus dem digitalen Archiv Phaidras, aufrufbar auch auf Kulturpool,
geht einem Interview zu diesem Anlass mit Frau Dr. Blumesberger,
der Leiterin der Abteilung Phaidra des Bibliotheks- und Archivwesens der Universität Wiens voran:

“Kirche von Bojana“
Kirche von Bojana, aus der Sammlung der Universität Wien, DiFab - Neue Fotografien

Die am Fuße des Vitoschagebirges gelegene Kirche von Bojana besteht eigentlich aus drei Kirchen,
die einen zusammenhängenden Komplex bilden, jedoch unterschiedlichen Jahrhunderten entstammen.
Der im 19. Jh. entstandene Bau ist von geringem künstlerischen Interesse,
im Zentrum der Aufmerksamkeit von Kunstexperten und Historikern stehen die beiden anderen Kirchen.
Die ältere von beiden wurde im 10 Jh. als Ziegelsteinbau errichtet, ihre einst Decken und Wände
zierenden Wandmalereien sind nur in Teilen erhalten geblieben.

Der regionale Feudalherrscher Sebastokrator Kalojan ließ im 13. Jh. die alte Kapelle vergrößern,
indem er eine zweistöckige Kirche anfügen ließ. Geschickt wurden beide Gotteshäuser miteinander verbunden,
ein Zeugnis für den Respekt des Stifters für die vorhergehenden Traditionen.
Wie eine Inschrift belegt, wurde das Gotteshaus im Jahre 1259 vollständig ausgemalt und geweiht.
Und vor allem diese Wandmalereien sind es, die die außerordentliche kulturgeschichtliche Bedeutung
der Kirche von Bojana begründen.
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Fragen zu Phaidra an Frau Dr. Blumesberger:
Was für Bilder würden sich anbieten?

Redaktion:
Anlässlich des 10 - jährigen Bestehens der Plattform Phaidra – gibt es ein Resümee über den Entwicklungsbogen von Phaidra?

Dr. Blumesberger:
Ja, das gibt es. Die Aufgaben von Repositorien haben sich geändert, weil sich auch die Anforderungen der NutzerInnen heute anders darstellen als vor 10 Jahren. Forschende arbeiten kaum noch mehr vor PC’s, es ist alles mobiler geworden, deshalb muss sich auch das System anpassen. Wir haben es aber aufgrund der Anforderungen der Fördergeber hinsichtlich Datenmanagement und Datenmanagementpläne mit anderen Fragen zu tun. Forschende müssen heute schon in der Antragsphase wissen, welche Daten sie mit welchen Lizenzen wie lange wo speichern. Deshalb haben sich auch unsere Services angepasst. Siehe auch https://datamanagement.univie.ac.at

Die Grundidee ein einziges Repositorium, das alle Anforderungen berücksichtigen kann, hat sich nicht wirklich durchgesetzt, das Thema Archivierung ist zu komplex. Auch das Speichern aller Daten bis in alle Ewigkeit stimmt so nicht. Teilweise müssen Forschungsdaten zum Beispiel nach einer bestimmten Zeit wieder gelöscht werden.

Was sind die aktuellen Herausforderungen inhaltlich und technisch, bzw. in der öffentlichen Wahrnehmung?

Eine große Herausforderung ist nach wie vor zu wissen, was die NutzerInnen wirklich benötigen und wie sie gerne arbeiten. Wir sind eben dabei den Hochladevorgang in Phaidra zu vereinfachen und damit den Forschenden Zeit zu sparen. Technisch gesehen muss man immer am neuesten Stand bleiben, wir haben seit einiger Zeit eine neue Suche, die den Gewohnheiten von heute besser angepasst ist, als früher. Inhaltlich stellt sich immer wieder die Frage: Bieten wir mehrere Fachrepositorien an oder ein institutionelles Repositorium? Welche Tools/features sind außerdem noch wichtig und was soll aufbewahrt werden?
Forschende sind in der heutigen Zeit mit so vielen Herausforderungen konfrontiert, dass wir von den forschungsunterstützenden Service auf die zugehen müssen um unsere Dienste anzubieten. Dann stellt sich natürlich auch die Frage nach dem kulturellen Erbe der Uni Wien. Wie können/dürfen wir dieses zur Verfügung stellen. Rechtliche Fragen spielen hier immer wieder eine große Rolle.

Haben sich etwaige Schwerpunkte inhaltlicher Themen bzw. Angebote auf der Plattform Hinblick auf User und Zielgruppe bzw. die Zielgruppen auch für sich, geändert und falls ja, in welcher Weise?

Es gibt Fachbereiche, die Phaidra sehr intensiv nutzen, zum Beispiel die Geisteswissenschaften und andere, die kaum Daten archivieren, bzw. wenn, dann in fachspezifischen Systemen.

Was wird nicht erfasst von Phaidra?

Grundsätzlich ist Phaidra für alle Uni Wien-Angehörige offen, für MitarbeiterInnen und Studierende und für alle Inhalte. Nicht geeignet ist Phaidra nach heutigen Stand dann, wenn auch die Metadaten, also die Beschreibungen der Objekte aus ethischen oder rechtlichen Gründen nicht sichtbar sein dürfen, wenn die Rechte nicht geklärt sind oder wenn es sich um Objekte handelt, die noch verändert werden sollen. Dafür bieten wir andere Lösungen an.

Wie unterscheidet sich Phaidra von weiteren Open Data/ Open Access Plattformen? Inwieweit gibt es hier Austausch, Kooperation und Konkurrenz?

Wir haben im Vorjahr das RepositorienmanagerInnennetzwerk gegründet, das allen BetreiberInnen in Österreich offensteht und einen regen Austausch ermöglicht. Daher gibt es sehr viel Austausch, eine rege Kooperation - Phaidra hat ja inzwischen bereits 17 Partner in Österreich und außerhalb. Siehe http://phaidra.org Konkurrenz wäre für alle kontraproduktiv.

Was sind derzeit die Vorstellungen und Wünsche für die nächsten 10 Jahre, bzw. laufende oder geplante Projekte mit Entwicklungsschritten

Der größte Wunsch wäre mehr Ressourcen - finanziell und personell um rascher auf Veränderungen reagieren zu können und das Angebot ausweiten und optimieren zu können. Es wäre auch wünschenswert mehr Kontakt zu den Forschenden zu haben, wir haben vor einiger Zeit damit begonnen ganz eng mit ForscherInnen, Archivaren und Sammlungsbeauftragten zusammenzuarbeiten, dies sollte intensiviert werden. Geplant ist heuer die Fertigstellung von Phaidra Temp, damit können Daten auch wieder gelöscht werden oder eben in die LZA geschickt werden und vor allem das vereinfachte Hochladen der Dokumente.

Die Redaktion Kulturpool dankt für das Interview und wünscht Phaidra, sowie weiteren in diesem Sinne entstandenen und gepflegten Sammlungen, Archiven und Beständen zum Zwecke einer Wissensvermittlung im Rahmen einer Open Access Philosophie im Sinne der Berliner Erklärung Alles Gute zum 10–jährigen Bestehen.