(Suche nach Tags: z.B. <Highlight>)

Vorheriger Monat May 2018 Nächster Monat
So Mo Di Mi Do Fr Sa
    1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30 31    


Freitag, 15. Juni 2018



Montag, 30. April 2018


Donnerstag, 24. Mai 2018 um 17:21:12 von Kulturpool Redaktion

Byzantinische Ikonen und der Bilderstreit

Anlass
Byzantinische Ikonen und der Bilderstreit

“Christus_Pantokrator“
Christus Pantokrator, aus der Sammlung der Universität Wien, DiFab

“VisionDesEzechiel“
Ikone Vision des Ezechiel, aus der Sammlung der Universität Wien, DiFab - Neue Fotografien

Das Wort „Ikone“ kommt aus dem altgriechischen εἰκών (eikṓn) und bedeutet „Ebenbild“ oder „bildliche Darstellung“. Das heutige „Icon“ , aus dem sich des Weiteren auch das derzeit sehr geläufige Wort „Emoticon“ ableiten lässt, entstammt diesem Wortursprung.

Vom Totenbild bis zum Heiligenporträt verwendete man bis ins 5. Jahrhundert den Begriff eikon. Danach war der Begriff graphis für säkulare Porträts gebräuchlich und eikon ausschließlich für religiöse Gemälde. Das Urbild des Ikons ist der Volto Santo – das Grabtuch von Turin. Daher lässt sich auch der Name Veronika begreifen, der vom Schweißtuch der Veronika erzählt, als „Vera Icona“ nach „vera“ für lateinisch echt, wahr und dem Begriff eikon.

Die Ikone entwickelte sich aus der Tradition antiker Kultbilder, manche sehen auch einen direkten Zusammenhang in der Entwicklung aus dem griechisch antiken Maskentheater. Die wesentlichen Formen waren das Totenbildnis, das Kaiserbildnis oder das Götterbildnis, wobei das Totenbildnis anfangs die zentrale Form der Heiligenikone war und sich viel des Kultes um das Grab und den Tod drehte. Im 6. Jahrhundert entwickelte sich in Byzanz ein staatlicher Kult von Ikonen, wobei sich der byzantinische Kaiser immer mehr selbst als Gegenstand ritueller Verehrung begriff und ein zeremonieller fester Ablauf seine Huldigung dirigierte. Er setzte sich statuenhaft hinter einem Vorhang auf seinen Thron und nachdem dieser enthüllt wurde, nahm er die Proskynese entgegen.

Der Begriff Proskynese bezeichnet (altgriechisch προσκύνησις proskýnēsis „Kuss auf etwas zu“) die vor allem in den Reichen des Alten Orients geübte Geste der Anbetung, Ehrerbietung und Unterwerfung.

“Muttergottes von Kykkos“
Ikone:Muttergottes von Kykkos, Detail, aus der Sammlung der Universität Wien, DiFab - Neue Fotografien

Die ältesten erhaltenen Ikonen stammen aus dem 6. Jahrhundert und nur sehr wenige Exemplare sind in Folge des Bilderstreites noch aus der Zeit vor den Zerstörungen erhalten, wenn doch, dann meist aus abgelegenen Gegenden. Aus literarischen Quellen sind Ikonen sogar seit dem 4. Jahrhundert nachweisbar.

Die zumeist auf Holz gemalten Bilder, als Kultus und Heiligenbilder der vorwiegend orthodoxen Kirchen (oströmisch, Ostkirche), wurden im byzantinischen Ritus kirchlich geweiht und stellten eine Verbindung her zwischen dem Betrachter und dem dargestellten Gott. Die Ikonen sind hierbei als Fenster zur himmlischen Wirklichkeit, der direkten Gegenwart Gottes zu verstehen, die als Offenbarung gleich dem Wort der Bibel galten.

“Hl_Basilios“

Ikone: hl. Basilios, aus der Sammlung der Universität Wien, DiFab - Neue Fotografien

In einer Phase, in der die größte Ausdehnung des byzantinischen Reiches schon wieder vorüber war, entstand ein Streit, ob es nach den Grundsätzen des Glaubens und der Doktrin erlaubt sei, sich ein Bildnis des Göttlichen zu machen und somit auf künstlerische Art eine Abbildung Gottes oder Christus, sowie von Heiligen darstellen zu dürfen. Dieser Glaubensstreit zwischen dem byzantinischen Kaiser und den christlichen Kirchen wird der Ikonoklasmus (Bilderzerstörung) oder auch der Bilderstreit genannt und trug sich durch das 8. bis in das 9. Jahrhundert.

Diejenigen, die die Meinung vertraten, es dürfe unter keinen Umständen zu Verbildlichungen kommen, da es unmöglich sei, ein Bildnis des Göttlichen zu erdenken oder gar darzustellen, nannte man die Ikonoklasten (Ikonenzerstörer) im Gegensatz zu der Gruppe an Gläubigen, die der Bilderverehrung zugetan waren und die Ikonodulen (Ikonenverehrer) genannt wurden.

Das 2. Konzil von Nicäa im 787 n. Chr. hat die Ikonenverehrung legitimiert, das Bilderverbot wurde aufgehoben und nach dem Ende des Ikonoklasmus, um 843 n. Chr. wurden die Ikonen integraler Bestandteil der Orthodoxie und beeinflussten in der spätbyzantinischen Zeit auch weit über den orthodoxen Wirkungskreis hinaus ihre Anhängerschaft. Es begann eine Phase des Handels mit Ikonen und eine zuvor nicht gekannte Herstellungsmenge entstand, da die Nachfrage danach exponentiell gestiegen ist. Gleichzeitig war auch eine Zunahme der Dimensionierung bemerkbar. Teils waren große Ikonen über 1,50 Meter groß, was schon fast Überlebensgröße bedeutete und fanden schnell ihren besonderen Status und den Nerv der Zeit. Die älteren Holzikonen waren meist kleiner. Privatikonen findet man aus kostbaren Materialien wie Gold, Elfenbein, Edelsteinen oder Email. Die Figuren auf Einzelikonen, die allerdings nur einen geringen Teil aller Ikonen ausmachen, sind meist axial und frontal dargestellt, um zwischen Betrachter und Bild eine unmittelbare direkte Beziehung herstellen zu können. Der Hintergrund ist meist goldfarben und meist mittels Blattgold oder auch Ockerfarbe erzeugt. Der goldfarbene Hintergrund stellt den Himmel dar und bedeutet das „göttliche Licht“ als die höchste Lichtqualität.

Ikonen sind meist Christusikonen, Marienikonen, sogenannte Theotokos-Darstellungen, Apostel- oder Heiligenikonen. Den Vorlagen mit fest deklariertem Bilderkanon galt es zu folgen in Motiv- und Typenwahl in der byzantinisch mittelalterlichen Ikonographie.


Anlass
DIE HAGIA EIRENE:

Ein einzigartiges Beispiel einer ikonoklastischen Darstellung ist die Hagia Irene (Heilige des Göttlichen Friedens), auch als Irenenkirche bekannt. Sie wurde unter dem römischen Kaiser Konstantin I. im 4. Jhdt. n. Chr. als erste Kirche Konstantinopels erbaut, in der 381 n.Chr. das zweite ökumenische Konzil (Erstes Konzil von Konstantinopel) tagte (von griechisch „Oikumene“, „ganze bewohnte Erde“; und lateinisch „concilium“, „gemeinsame Beratung“). Sie war vor Errichtung der Hagia Sophia die Kirche des Patriarchats.

“Hagia_Eirene“
Sent Iren Kilisesi (Hagia Eirene),
aus der Sammlung der Universität Wien, DiFab - Neue Fotografien

Die Hagia Irene ist ein frühes Beispiel für den Übergang vom Basilikalgrundriss zum Zentralbau in Form eines griechischen Kreuzes. In seiner heutigen Gestalt stammt das Bauwerk aus dem 8. Jahrhundert. Die Hagia Irene ist die einzige byzantinische Kirche mit einem original erhaltenen Atrium. Die Emporenbasilika, die von zwei Kuppeln überwölbt wird, endet im Osten in einer polygonalen, von drei großen Rundbogenfenstern durchbrochenen Apsis. Das große Kreuz über dem Hauptnarthex – (Narthex ist eine eingeschossige schmale Vorhalle am Haupteingang byzantinischer Kirchen) gilt als einzigartiges Zeugnis der ikonoklastischen Kunst, da es ein anschauliches Beispiel der Überlagerung von Ikonen durch ein Kreuz ist, wo eigentlich der byzantinischen Tradition nach ein Bild der Theotokos (der Gottesgebärerin) platziert wurde.

Die Hagia Irene befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Hagia Sophie und im ersten großen Hof des Topkapi Palastes. Sie war viele Jahre lang Waffenlager der Osmanen und ist heute ein Museum und wird wegen seiner hervorragenden Akustik für viele Konzerte als Veranstaltungsort genutzt.

“SentIrenKilisesi_Sued“
Sent Iren Kilisesi (Hagia Eirene),
aus der Sammlung der Universität Wien, DiFab - Neue Fotografien