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Samstag, 29. September 2018



Freitag, 31. August 2018


Dienstag, 18. September 2018 um 10:28:25 von Kulturpool Redaktion

IMAREAL

Anlass
Wiederanbindung Institut für mittelalterliche Realienkunde Österreich (IMAREAL)

Das Institut für mittelalterliche Realienkunde Österreich (IMAREAL) wurde 1969 in Krems an der Donau gegründet und war über 40 Jahre bis 2012 eine Forschungsstätte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Seit 2012 ist die Trägerorganisation die Universität Salzburg.

Harry Kühnel, Initiator und erster Institutsleiter erklärt in seinem Vorwort des Buches und Bildbandes „Alltag im Mittelalter“, das bis dato die Intention der Forschung darin gelegen sei, vorwiegend zu sammeln, mit einer auf Pragmatismus beruhenden Bestandsaufnahme, die sich de facto bloß auf Zustandsschilderungen beschränkte. Bei dem Versuch, über das Leben im Mittelalter ein verständliches Bild zu vermitteln, seien früher viele Forscher zu unkritisch vorgegangen.

Bei der Heranziehung von Chroniken, Dichtungen oder auch Predigten, bei Schilderungen extremer Zustände oder der Bewertung und Interpretation von Inhalten bildlicher Darstellungen ist die Forschung häufig dem Fehler verfallen, diese Quellen und Darstellungen als Realität und als das tatsächliche Leben anzusehen. Die Folge war eine häufig verzerrte Auffassung und Sichtweise dieses zweifelsohne sehr spannungsgeladenen Zeitabschnittes.

Aufgabe dieses Instituts war und ist laut Institutstext zunächst „die systematische Sammlung und Dokumentation, der auf mittelalterlichen Bildquellen in ganz Österreich überlieferten „Realien“.


Tischzucht, Holzschnitt aus der Sammlung REALonline


Essen mit Gauklern, Buchmalerei aus der Bilddatenbank der Sammlung REALonline

Kühnel prägt den Begriff „Sachkultur“ und beschreibt ihn wie folgt:
„Die Tatsache, dass das reiche schriftliche Quellenmaterial bislang nur sporadisch für die systematische Erforschung der „Sachkultur“ ediert und interpretiert worden ist, schließt auch zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine Fehlbeurteilung nicht aus, im Besonderen, wenn Einzelmittelungen oder Quellenbestände mit einseitigen Inhalten generalisiert werden.

Das Aufdecken von Lebens- und Funktionszusammenhängen, das Ineinandergreifen kultureller Äußerungen und gesellschaftlicher Formen bedarf jedoch der Heranziehung einer breiten Quellenbasis, seien es schriftliche und bildliche Quellen oder überlieferte Originalgegenstände.“

Mit „Sachkultur“ meint Kühnel jedoch nicht eine „materielle Kultur“ im direkten Gegensatz zu einer „geistigen Kultur“, sondern versteht darunter die „Vielfalt der Lebensäußerungen und Lebensausformungen in ihrem unmittelbaren Konnex mit den wirtschaftlichen und sozialen Strukturen, mit den geltenden Wert- und Normensystemen.“

Themen der Bearbeitung sind gleichsam die Grundfragen menschlichen Verhaltens im Hinblick einer sich ständig wandelnden Umwelt. Diese Fragen gilt es unter Anwendung wissenschaftlicher Methodik zu beantworten, um die wesentlichen Faktoren aufspüren zu können, die Anstoß und Ausgangspunkt für Wandel oder Stillstand, Bewahren oder Dynamik der Sachkultur waren.

Die Vielzahl der entstandenen Innovationen, einschließlich sogenannter „Prestigeinnovationen“ bestimmten die Dynamik der Entwicklung in Wechselwirkung zu den Traditionen dieses Zeitabschnittes.

„Tradition und Wandel schließen einander nicht aus, sondern sie sind in den verschiedenen kulturellen Phasen nebeneinander anzutreffen. Alle Traditionen waren einmal Innovationen und wurden erst im Laufe des historischen Prozesses zu Traditionen.“ so Kühnel.

Ein weiterer wichtiger Punkt in der historischen Bewertung ist die Frage nach den Produktionsstätten bestimmter Kulturgüter, nach deren Austausch und den Wechselbeziehungen von Objekten.

Die Sachkultur bedient sich somit methodisch auch sozial- und gesellschaftsgeschichtlicher Kriterien, um längerfristige Veränderungen und Verschiebungen mit entsprechenden Theorien verständlich zu machen.


Bergung des goldenen Tisches, Federzeichnung aus der Sammlung REALonline


Wen dürstet, der komme zu mir und trinke, Kolorierte Federzeichnung aus der Bilddatenbank der Sammlung REALonline

Über die Jahre wurde der Forschungsrahmen sowohl zeitlich als auch örtlich ausgedehnt und führte in Folge auch zu einer Anpassung des Institutsnamen auf dessen jetzigen Titel: „Institut für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit“.

Die besondere Bedeutung des Instituts liegt auch in seiner interdisziplinären Qualifikation durch besonders geschultes Personal, sowie einem dementsprechend aufgebauten Bibliotheksbestand.

Durch Veranstaltungen von Kongressen, also auch einer laufenden Herausgabe von Schriftreihen, etablierte sich das „IMAREAL“ auch nachhaltig im außeruniversitären und interdisziplinären Bereich.


Trinkbecher, Töpferarbeit-Keramik aus der Sammlung REALonline


Trinkbecher, Töpferarbeit-Keramik aus der Sammlung REALonline


Elischa macht das Wasser von Jericho trinkbar, Kolorierte Federzeichnung aus der Bilddatenbank der Sammlung REALonline

-> LINK zur Website IMAREAL: https://realonline.imareal.sbg.ac.at/