(Suche nach Tags: z.B. <Highlight>)

Vorheriger Monat June 2019 Nächster Monat
So Mo Di Mi Do Fr Sa
            1
2 3 4 5 6 7 8
9 10 11 12 13 14 15
16 17 18 19 20 21 22
23 24 25 26 27 28 29
30            


Donnerstag, 29. August 2019



Dienstag, 28. Mai 2019


Freitag, 28. Juni 2019 um 23:39:04 von Kulturpool Redaktion

Der Mensch und die Olive

Anlass
Der Mensch und die Olive

Kurze Geschichte über die Beziehung des Menschen zur Olive

Olivenbäume, eine Studie
Graphische Sammlung der Albertina, Wien

Eine kurze Jungsommerkulturgeschichte zur Olive. Für alle, die sich in dieser Phase des Jahres mit der Olive und dem Geschmack ihrer Kulturgeschichte befassen mögen.

Die Halbinsel Attika wurde einst zum Zankapfel zweier Götter. Pallas Athena, die allbekannte Göttin der Weisheit stritt mit Poseidon, dem Gott des Meeres um die Gunst der BewohnerInnen Attikas, der zu dieser Zeit mächtigsten, einflussreichsten und größten Stadt der hellenistischen Welt.

Der Streit spitzte sich zu, sodass der Göttervater Zeus mit einem Vorschlag einschreiten musste: Wer von den beiden den BewohnerInnen der Stadt das nutzvollere Geschenk erbringen kann, soll der Sieger der Auseinandersetzung sein.

Poseidon zögerte nicht lange und setzte seinen Dreizack ein, stieß ihn tief in den Felsen der Akropolis und bewirkte, dass aus einem so entstehenden Brunnen eine riesige Fontäne hervorstieß. Der Nutzen für die Menschen blieb allerdings beschränkt, da das Brunnenwasser salzig war!

Athena stieß daraufhin eine Lanze in den Boden, auf dem in Folge ein Olivenbaum wuchs. Der Olivenbaum, die kleine immergrüne Pflanze, die in heißen Sommertagen mit sehr wenig Niederschlag überleben kann, daher auch ihr Nimbus der Unsterblichkeit, spendet den Menschen Nahrung, Kraft, Gesundheit und Schönheit! Der Nutzen war nicht von der Hand zu weisen.

Mit dieser Aktion hat Athene den göttlichen Wettstreit eindeutig für sich entscheiden können und die StadtbewohnerInnen zollten diesem Resultat ihren Tribut und nannten die Stadt von nun an Athene. An diesem historisch-mythischen Ort soll immer noch der Olivenbaum stehen und alle weiteren Olivenbäume sich von dem Athenischen herleiten lassen. So die Sage. Das Heiligtum auf der Akropolis ist jedenfalls Athene geweiht. Poseidon muss im Südosten am Kap Sunion mit einem ihm geweihten Tempel vorliebnehmen.


Olivenpflanzungen auf Terrassen in Pirano
Europeana Travel; Österreichische Nationalbibliothek

In diesen Tagen ist es eine andere Stadt, die durch einen Olivenbaum einen Streit eher auslöst als löst! Basel. (Anm. der Redaktion: Es ist der Redaktion nicht bekannt, ob der deutsche Maler Baselitz einen göttlichen Wettstreit gewann und die Schweizer Kulturstadt daher seinen Namen angenommen hat..)


Enzo Enea, Martin Rütsch
“Use/Abuse Bondages”
Unlimited, Art Basel, 2019
„Olivenbaum Unlimited Art Basel” Enzo Eneas

Der Schweizer Landschaftsarchitekt Enzo Enea hat mit seinem Projekt „use/abuse“ in der Eingangshalle zur Unlimited an der heurigen Art Basel acht uralte Olivenbäume aufgestellt, die für mehr Achtsamkeit und Nachhaltigkeit stehen sollen. Naturgemäß entfachte diese Installation einiges an kontroversieller Auseinandersetzung, mit der Frage, ob derartiges Verhalten und Umgang mit der Natur erlaubt sein darf und wirklich für mehr Achtsamkeit und Nachhaltigkeit einsteht oder ob nicht doch etwa das Gegenteil durch derartige Aktionen erreicht wird? Als eine Missachtung der Natur und der Bedürfnisse dieser alten Pflanzen sieht es jedenfalls eine Vielzahl der BesucherInnen.

Der Landschaftsarchitekt selbst meint jedenfalls, dass er niemals einer Pflanze ein Leid zufügen wolle, sondern diese bewusst als Zeichen der Übermacht des Betons in den Städten und als Aufruf zu mehr Grün in den Großstädten zu verstehen sei. Für die Bäume sei es lediglich erträglicher Stress.
Ein Olivenbaum steht jedenfalls im Zentrum der Diskussion um Grenzen der Kunst und des Umgangs mit Pflanzen.

MYTHOLOGIE und SYMBOLISCHE BEDEUTUNG

Tatsächlich spielt der Olivenbaum im ganzen Mittelmeerraum seit mehreren Jahrtausenden eine große Rolle.
Neben dem Getreide und dem Wein stellt die Olive eine weitere elementare Pflanze der Antike dar, die bis jetzt gepflanzt, entwickelt, geerntet und gehandelt wird. Wie das Getreide und wahrscheinlich auch der Wein ist die Olive von Beginn der menschlichen Zivilisation an auch als Begleiter und stummer Zeitzeuge zu betrachten, die den Werdegang der Sesshaftigkeit als prominentes Mitglied unter den Pflanzen begleitete und dem Menschen stets von Nutzen war, wie aus der oben erwähnten Sage schon zu lernen war. Die Forschung geht davon aus, dass über den Nahen Osten die Pflanze in den Mittelmeerraum gelangte.


2. Viertel 5. Jh. v. Chr.
"Olivenhändler"
Kunsthistorisches Museum Wien, Antikensammlung

Wenn die Botanik davon ausgeht, dass bestimmte Olivenbäume über 1000 Jahre alt werden, kann man sich der Vorstellung hingeben, dass wir uns nur drei Baumgenerationen zurückgedacht, mitten in der Antike befinden. In der Zeit der Phönizier, Griechen und Römer. Die Handelsrouten der Phönizier bestimmten sicher auch mit, an welche Orte Pflanzen und Waren verstärkt gelangten.

Um die 1000 vor Chr. war sicher eine Blütezeit der Kultivierung der Olive. Händlervölker wie die Phönizier trugen auch dazu bei, dass im Mittelmeerraum die Olive eine rasche Verbreitung und Anerkennung fand. Die Phönizier als phasenweise vorherrschende Handelsmacht im Mittelmeerraum waren wichtige Förderer bestimmter Waren sowie von Pflanzen und Früchten. Sie segelten fast alle Inseln des Mittelmeeres an, die Küsten des heutigen Italiens und Griechenlands sowie die der Iberischen Halbinsel.


Olivenpflanzungen auf Terrassen in Pirano
Europeana Travel, Österreichische Nationalbibliothek

Auch die Römer pflanzten den Olivenbaum in fast allen ihrer Provinzen an und kultivierten diese Entwicklung nicht nur durch gezielte Saat, sondern auch mittels Verbreitung ihrer Früchte bzw. verarbeitenden Formen wie das Olivenöl. Als Nahrungsmittel oder als Öl für kosmetische Nutzung bzw. als heilende Funktion war die Olive mit den vielen guten Eigenschaften eben auch deshalb so beliebt, weil so vielseitig einsetzbar.

Viele antike Zeugnisse wie Vasen oder Amphoren tragen Abbildungen von Oliven an sich und bezeugen die Funktion, Präsenz und Prominenz der Olive. Mit der Ausbreitung des Römischen Reiches wuchs parallel dazu auch die Verbreitung des Olivenbaumes mit.

KULTIVIERUNG

Die Erwähnung der Olive findet sich in fast allen Kulturen rund um das Mittelmeer. Die ersten Aufzeichnungen, die über Oliven berichten oder eingemeißelt auf Tontafeln zu entdecken sind, werden der mykenischen Kultur zugerechnet, dem Reich des sagenhaften König Minos (ca. 2.500 v.Chr.). Sie deuten auf die Etablierung der Olive in dieser Zeit sowohl als beliebte Frucht als auch als bereits ein wesentlich treibender Wirtschaftsfaktor hin.

Im alten Ägypten finden sich auf Hieroglyphen Abbildungen von Olivenbäumen oder Zweigen. Man geht davon aus, dass der Baum ursprünglich aus Syrien und Palästina in den Mittelmeerraum gelangte und sich seit dann an der Seite der jeweiligen Völker ausbreitete.


442 - 438 v. Chr.
Fragment vom Nordfries des Parthenon, Alte Männer
Kunsthistorisches Museum Wien, Antikensammlung

Mit der Kultivierung der einzelnen mitteleuropäischen Völker fand auch die Olive ihren unaufhaltsamen Vormarsch in die Küchen Europas. Phönizisch, assyrisch, jüdisch, ägyptisch, griechisch überall begegnet man der Olive in Abbildungen, als Teil der Küche oder als Bestandteil religiöser Zeremonien im Hinblick auf die Heilkraft ihres Öles. Das aus der christlichen Liturgie bekannte „Kyrie Eleyson“ erzählt auch von der Heilkraft des Öls, welches als Wortbestandteil in „Eleison“ bereits die Nähe in der Wortentstehungsgeschichte aufzeigt.


Maria Anna Angelika Catharina Kauffmann (Chur 1741 - 1807 Rom)
Die Verwandlung des apulischen Hirten, der über den Reigen der Nymphen spottete, in einen Olivenbaum
Graphische Sammlung der Albertina, Wien

Über die Jahrhunderte blieb die Olive ein zentraler Bestandteil in Erzählungen und Mythen. In Stillleben, auf Vasen, Amphoren und Hieroglyphen, überall konnte sie sich verewigen und sich, vielseitig eingesetzt, als Bestandteil diverser Rituale in verschiedenen Religionen etablieren.

Reich an Erzählungen und „Legenden“ ist die Olive, die ihren Platz und Erwähnung schon in den vorschriftlichen Erzählungen in vielen Göttermythen findet, als Zweig, Blätter, als Öl oder als Olivenfrucht, bzw. immer wieder auch als Baum.
Olympische Spiele haben den Olivenzweig als Symbol erkoren, den sich der Gewinner eines Wettkampfes auf sein Haupt heben lassen darf.

Die Taube, die einen Olivenzweig im Schnabel hält.

Die Taube hat in der Genesis eine wichtige Aufgabe, spielt sie doch eine Vermittlerin zwischen dem erzürnten Gott und der Menschheit.

Die Sintflut-Erzählung in der Bibel erzählt von einer Art Kriegserklärung Gottes an die Menschheit:

Gen 6,5
Der Herr sah, dass auf der Erde die Schlechtigkeit des Menschen zunahm und dass alles Sinnen und Trachten seines Herzens immer nur böse war.

Gen 6,6
Da reute es den Herrn, auf der Erde den Menschen gemacht zu haben, und es tat seinem Herzen weh.

Gen 6,7
Der Herr sagte: Ich will den Menschen, den ich erschaffen habe, vom Erdboden vertilgen, mit ihm auch das Vieh, die Kriechtiere und die Vögel des Himmels, denn es reut mich, sie gemacht zu haben.

Gen 6,8
Nur Noach fand Gnade in den Augen des Herrn.

Gen 6,13
Da sprach Gott zu Noach: Ich sehe, das Ende aller Wesen aus Fleisch ist da; denn durch sie ist die Erde voller Gewalttat. Nun will ich sie zugleich mit der Erde verderben.
Die Rückkehr der Taube mit dem Olivenzweig im Schnabel wird als Zeichen des Friedensschlusses zwischen Gott und der Menschheit verstanden. So entwickelte sich der Olivenzweig im Schnabel einer Taube als ein weltweites Symbol für Frieden.

Gen 8,11
Gegen Abend kam die Taube zu ihm zurück, und siehe da: In ihrem Schnabel hatte sie einen frischen Olivenzweig. Jetzt wusste Noach, dass nur noch wenig Wasser auf der Erde stand.

Ob als Zweig, Frucht, Baum oder als Öl, die Olive kommt in unzähligen weiteren Stellen in der Bibel vor. Das Olivenöl war die Grundlage des Balsams für die Salbung und für das Licht, das die Dunkelheit der Tempel und Häuser durchleuchtete. Auch die Rede Jesus vom Ölberg, sprich Olivenberg, sind Zeugnis der wesentlichen Rolle, die die Olive in der Mythologie als auch in den Religionen wahrnahm.

In den christlichen Riten spiegelt die Kraft und Energie der Olive auch die Anerkennung der Macht Gottes über die Menschen wider.
Die Lampen in den Kirchen der Christen, auch in der jüdischen Liturgie wurden mit Olivenöl befüllt, da dieses die Anwesenheit Gottes bezeugte.


Olivenbaum
REALonline, Institut für Realienkunde - Universität Salzburg

Der Olivenbaum als „Geschenk der Götter“ zeichnet sich durch die unterschiedlichen Epochen und historischen Episoden als immer wiederkehrender Hort von kraftvoller Symbolik aus.

Im alten Testament und den frühbiblischen Aufzeichnungen, von den griechischen Erzählungen und Göttergeschichten.
Im neuen Testament heißt es das Kreuz Jesu sei aus Olivenholz mit einem Gemisch aus Zedernholz.
Das Römische Reich kam auch nicht ohne Oliven aus und im Mittelalter waren es vor allem die mitteleuropäischen Klöster, die auf die Olive vertrauten und bauten.

In Kulturen, die aus klimatischen und geographischen Gründen nicht über Olivenbäume verfügten, galt das symbolische Bild, dass eine Olive, bzw. ein Olivenzweig immer etwas Positives mit sich bringt. Bis nach China reicht der symbolische Arm und hat dort eine Bedeutung, dass die Olive gut gegen Gifte sei. In Japan symbolisiert die Olive unter anderem auch "Sieg".

KUNSTGESCHICHTE:


Pseudo-Panathenäische Preisamphora mit Athena
Das Gefäß war - mit Öl von den heiligen Olivenbäumen gefüllt - der Siegespreis bei den panathenäischen Spielen in Athen.
Kunsthistorisches Museum Wien, Antikensammlung

Um das Öl auch zu transportieren, zu schöpfen und zu horten, schufen die Menschen über die Jahrhunderte immer wieder neue Formen und Materialien, die mit, jeweils für ihre Zeiten typischen Ornamenten und Verzierungen, geschmückt wurden. Antike Ton- und Keramikvasen für Olivenöl oder für aromatische Düfte genossen einen hohen Stellenwert, sowohl in der griechischen als auch in der römischen Gesellschaft.
Dabei blieben die symbolischen Funktionen über die Jahrhunderte in Liturgien und ähnlichen Ritualen erhalten.

ERNTE:


Hugo Charlemont
Olivenernte bei Ragusa
Europeana Travel, Österreichische Nationalbibliothek

Eine mühselige Prozedur durchwandert ein Ernteverfahren. Die Oliven werden entweder händisch gepflückt oder die Erntenden schlagen mit einer Stange auf die Äste ein und sammeln die herabfallenden Oliven mittels am Boden aufliegender Netze.
Innerhalb von ein bis zwei Tagen müssen die Oliven zur Mühle gebracht werden, die dort gereinigt und in Folge zwischen Mahlsteine aus entweder Marmor, Stein oder Granit gesetzt werden, um zu Brei gemahlen zu werden.
Heutzutage ersetzen hydraulische Pressen die Arbeit der Olivenbauern. Ohne Hitzezufuhr und chemischen Beigaben wird das gepresste Öl in eine Zentrifuge gebracht, die aus der Emulsion aus Öl und hervorkommendem Wasser, die jeweiligen Bestandteile trennt. Ungefiltertes, leicht trübes und kaltgepresstes Olivenöl entsteht.
Danach wird es gefiltert.

Das gewonnen Öl sollte in dunklen Flaschen aufbewahrt werden, da es sehr lichtempfindlich ist. Goldgelb ist die optimale Farbe. Hingegen deuten grüne Öle darauf hin, dass beim Pressen wahrscheinlich Blätter beigemengt wurden oder dass die Früchte noch unreif waren zur Zeit der Ernte. Der Geschmack ist dann meist ein bitterer.
Im Mittelmeerraum gibt es ca. 150 verschiedene Olivenbaumsorten. Es kann ein paar Jahrzehnte dauern bis ein Olivenbaum seine ersten Früchte hervorbringt, meist sind es so zwanzig Jahre.

Die Bäume werden bis zu 16 Meter hoch und können 1000 Jahre alt werden. Es ist denkbar, dass Karl der Große einst an einem jungen Olivenbaum vorbeiritt, der heute immer noch lebt und seit damals vom Mittelalter über die Neuzeit und Renaissance, Barock bis Biedermeier und das gesamte 20. Jahrhundert als stummer Zeitzeuge die Menschheit vorbeigehen sieht.

Die Frucht enthält etwa 15 – 35% Öl und ist reich an ungesättigten Fettsäuren, Vitaminen, Spurenelementen und Mineralstoffen. Das wirkt sich positiv auf unseren Organismus aus in dem es den Cholesterinspiegel im Blut senkt, was einer Reduktion des Herzinfarktrisikos gleichkommt und gleichzeitig auch eine Funktion als Entkalker der Arterien wahrnimmt. Auch kosmetisch ist die Olive häufig in Verwendung, da sie eine glättende und schützende Wirkung für empfindliche Haut entfaltet. Nicht zuletzt soll auch das Gedächtnisvermögen gestärkt werden!

Eine römische Weisheit lautete:
Zur Bereitung eines Salates gehören vier Personen:

Ein Verschwender für das Öl,
ein Geizkragen für den Essig,
ein Weiser für das Salz und
ein Narr, der den Salat mischt.

_