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Mittwoch, 11. November 2020


Mittwoch, 16. Dezember 2020 um 10:05:15 von Kulturpool Redaktion

Der Skipionier Matthias Zdarsky

Anlass
Europeana / Kulturpool Fokus Sports - outdoor

Der Skipionier Matthias Zdarsky

Zdarsky
Der Skipionier Mathias Zdarsky
23.04.1940, Franz Blaha
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Lange bevor Skifahren ab den späten 50er Jahren, spätestens mit dem Olympia-Gold von Franz Klammer 1976 zu einem Massenphänomen wurde, organisierte ein Lehrer und Maler am 19. März 1905 am Muckenkogel bei Lilienfeld unter der Bezeichnung Wettfahrt den ersten Torlauf der Skigeschichte, mit mehr als 20 TeilnehmerInnen. Ein Motiv dieser Veranstaltung war das Vorzeigen einer neu entwickelten Technik für den Skilauf. Matthias Zdarskys Erfindung der „Lilienfelder Stahlsohlen-Skibindung“ sowie der Entwicklung der Stemmbogen Technik hat das Skifahren nachhaltig verändert und über Jahre geprägt. Erstmals gab es eine feste Verbindung zwischen Schuh und Ski und somit konnten auch neue und schnellere Schwünge gesetzt werden.


Die Lilienfelder Stahlsohlen-Skibindung
Aus dem Zdarsky Museum Lilienfeld

http://www.zdarsky-ski-museum.at/

Matthias Zdarsky veröffentlichte 1896 sein Buch über seine neue Technik: Die „Alpine Lilienfelder Skifahrtechnik“, die im Gegensatz zu den flacheren norwegischen Techniken sich mit Lösungen für Steilhänge und schnelleres Fahren auseinandersetzte. Es löste Begeisterung aus, entfachte ein großes Interesse für das Skifahren und wurde in vielen Auflagen in viele Sprachen übersetzt.

Von den Einnahmen aus dem angemeldeten Patent der geschützten Skibindung konnte er leben und verlangte in Folge auch kein Geld für seine zahlreichen SchülerInnen jedweden Alters.
Der Muckenkogel ist mit seinen ca. 1300 Metern am Traisental bei Lilienfeld gelegen, und bis heute ein beliebtes Wander- und Skiziel. Immer noch finden jährlich an dem Jubiläumstag im März ein Nostalgie-Skirennen statt, das weltweit einzigartig ist, da es nur historische Ausrüstung und die damals gängige Einstocktechnik erlaubt. Selbst die Fahnen sind originalgetreu und die Zeitmessung läuft per Hand. Die Kurssetzung würde einem heutigen Riesentorlauf entsprechen, zumal Schnelligkeit und auch sturzfreies Fahren bewertet wurden. Um sich ein Bild zu machen, am besten als Live-Nostalgie Erlebnis ansehen.

Zdarsky
Matthias Zdarsky
1925, Der Skipionier als Kletterer im steilen Hang der Kalkvoralpen.
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Zdarsky wirkte auch als Lawinenexperte und blieb selbst nicht verschont. Während eines Einsatzes im Niedergailtal erwischte Zdarsky im Februar 1916 eine Nachlawine und bescherte ihm zahlreiche Knochenbrüche. Mit viel Disziplin und starkem Willen ging er selbst danach wieder das Skifahren an und stand bis in das für damalige Verhältnisse hohe Alter von achtzig Jahren noch auf Skibrettern.

EUROPEANA GALLERIE Links

Europeana Galleries zum Thema Skifahren und Pisten: https://www.europeana.eu/de/galleries/skiing-and-ski-slopes

Im Rahmen der Europeana Sports Collection https://pro.europeana.eu/project/europeana-sport

„Wissenschaft ist gesammelte Erfahrung.
Erfahrung ist logisch geordnete Erinnerung.
Erinnerung ist festgehaltene Beobachtung.“
Matthias Zdarsky

Zitat aus der 2012 entstanden Diplomarbeit mit dem Titel:
Konzept eines virtuellen Museums am Beispiel von Leben und Werk von Mathias Zdarsky
von Martina Mühlbauer
Magisterarbeit, Universität Wien. Zentrum für Sportwissenschaft und Universitätssport
BetreuerIn: Müllner, Rudolf

In der vorliegenden Diplomarbeit werden die Inhalte für ein virtuelles Museum über Mathias Zdarsky hermeneutisch erarbeitet. Mit Hilfe von Literaturrecherchen werden die Biografie Zdarskys und dessen Bedeutung für die Entwicklung des Alpinen Skilaufes dargestellt und hinterfragt. Dabei wurde aufgezeigt, dass Mathias Zdarsky maßgeblich für dessen Entstehung und Weiterentwicklung verantwortlich war. Da die Arlbergschule durch die Ausbildung von Lehrer und Lehrerinnen, sowie Skilehrer und Skilehrerinnen in Österreich immer mehr an Bedeutung gewann, konnte sich seine Alpine (Lilienfelder) Skifahr-Technik auf lange Sicht nicht durchsetzen und verschwand beinahe vollständig. (Abstract Diplomarbeit Mühlbauer)

http://othes.univie.ac.at/20440/


Zdarsky Hut
aus grauem Wollfilz mit 4 eingestanzten Löchern in der Krempe
Aus der Sammlung der Europeana, Beitragende Institution: Wien Museum https://classic.europeana.eu/portal/de/record/2048206/europeana_fashion_M_18970.html?utm_source=new-website&utm_medium=button

Zdarsky gilt außerdem als Erfinder des Biwacksacks.


Wohnhaus Zdarsky
Wohnhaus von Mathias Zdarsky bei Lilienfeld
Von ihm selbst entworfen und gebaut.
Blaha, Franz
Aus der Sammlung der Europeana, Beitragende Institution: Österreichische Nationalbibliothek https://classic.europeana.eu/portal/de/record/92064/bildarchivaustria_Preview_1496340.html?utm_source=new-website&utm_medium=button

1931 wurde ihm das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen, 1936 das Offizierskreuz des österreichischen Verdienstordens. 1951 wurde der Zdarskyweg in Wien-Hietzing und 1977 die Zdarskystraße in St. Pölten-Spratzern nach ihm benannt. In Lilienfeld erinnert ein Denkmal an ihn.

1981 wurden im Bezirksheimatmuseum in Lilienfeld Zdarsky-Schauräume eingerichtet, 1996 wurden sie zum „Zdarsky-Skimuseum“ vereinigt. Ebenfalls 1981 wurde zwischen Lilienfeld und der japanischen Stadt Jōetsu eine Städtepartnerschaft begründet, die auf Zdarskys Wirken zurückgeht: Theodor Edler von Lerch, ein Schüler Zdarskys, brachte das Skifahren als Austauschoffizier nach Jōetsu, von wo aus es sich auch in Japan verbreitete. Am 26. Oktober 1991 wurde auch mit Třebíč, zu der der Geburtsort damals gehörte, eine Städtepartnerschaft abgeschlossen. (Wikipedia Einträge)

Mount Zdarsky
Auf der Antarktischen Halbinsel im sogenannten Grahamland erinnert der Mount Zdarsky an sein Lebenswerk. Der Berg ist mit seinen 1.200 Metern in etwa so hoch wie der Muckenkogel im Traisental. Ob er auch für Skifahrten befahrbar ist, ließ sich leider trotz dahingehender Recherche bis dato nicht herausfinden. Man darf aber davon ausgehen, dass die Namensgeber sich bei der Nennung etwas gedacht haben.

Es finden sich beide Schreibweisen zu Matthias bzw. Mathias in den diversen Artikeln, Biographien, Online-Stellen.

In diesem Sinne wünscht die Redaktion erholsame Feiertage, ein gutes und inspirierendes neues Jahr und für die skifahrenden Leserinnen und Leser gute Schneetage. Naturgemäß schöne Schneetage auch an die nicht-skifahrenden Leserinnen und Leser.

Zwei Drittel der Bevölkerung gaben in Umfragen aus den 90er Jahren noch an, zumindest manchmal skizufahren, heutzutage geben zwei Drittel der Bevölkerung an, an Skifahren nicht interessiert zu sein. Alles ist und bleibt im Wandel und im Lauf der Zeit.

Alles Gute wünscht die Redaktion!