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Sonntag, 27. Februar 2022


Mittwoch, 30. November 2022 um 09:43:36 von Kulturpool Redaktion

Die Salzburger Regionalmuseen

Anlass
Die Salzburger Regionalmuseen - Einbindung in den Kulturpool

"Salzburgs Regionalmuseen haben die Aufgabe, materielles und immaterielles Kulturerbe zu sammeln, zu bewahren, auszustellen und zielgruppenorientiert zu vermitteln. Derzeit sind 99 Sammlungen, Museen, Freilichtensembles und Schaubergwerke aus allen Bezirken Mitglied im Landesverband Salzburger Museen und Sammlungen. Sie alle bieten vielfältige Einblicke in Geschichte und Gegenwart, Raritäten aus Kunst und Kultur, Kleinodien aus Handwerk und Technik sowie Kostbarkeiten aus Alltagsleben und Gesellschaft."

Der Landesverband Salzburger Museen und Sammlungen hat sich in seinen Statuten folgende Ziele gesetzt:

Materielles und immaterielles Kulturerbe sammeln, bewahren, ausstellen und zielgruppenorientiert vermitteln.
Museen, Schaubergwerke und Sammlungen einem breiten Publikum, insbesondere der Jugend, durch gezielte Maßnahmen näher bringen.
Verstärkte Kooperationen von Museen bei regionalen Ausstellungen und Veranstaltungen.
Förderung der Attraktivität und Besucherfreundlichkeit der Regionalmuseen
Verstärkung des Leihverkehrs zwischen den Museen.
Kooperationen mit vergleichbaren Museumsvereinigungen im In- und Ausland.

In diesem Zusammenhang sei auch die Neuanbindung und Eingliederung vieler Digitalisate, digitaler Objekte und Sammlungen der Salzburger Regionalmuseen in den Kulturpool erwähnt. Einen vertiefenden Einblick in den Facettenreichtum der Sammlungen lässt sich dank der semantischen Suchformeln innerhalb des Kulturpools gewinnen, weiters wird ein Besuch des digitalen Schauraums der Salzburger Regionalmuseen empfohlen: die dort aufbereiteten Digitalisate, nach kreativ gelösten, graphisch speziell gestalteten Suchvorlagen, bieten eine spannende Zeitreise in mehr als 60 Sammlungen. https://www.salzburgerregionalmuseen.at/


.https://www.salzburgermuseen.at/qualitaet-im-museum/digitales-museum

Erfreulich sind die gut ausgearbeiteten Kommentare und Erzählungen zu den meisten Digitalisaten.

"Haus in der Stille"

Haus
Haus in der Stille
Georg Rendl
Öl auf Holzfaserplatte
Datierung um 1932
Aus den Sammlungen der Salzburger Regionalmuseen
Dieses Gemälde zählt zu den Frühwerken des Salzburger Dichters und Malers Georg Rendl. Es stellt das ehemalige Brechelbad in St. Georgen/Au dar. Als Georg Rendl es auf einem Spaziergang von Salzburg nach St. Georgen entdeckte, war es bereits außer Betrieb und in kärglichem Zustand.

"Glashütte Bürmoos"
Glashütte
Glashütte Bürmoos
Georg Rendl
Öl auf Leinwand
Datierung um 1935
Aus den Sammlungen der Salzburger Regionalmuseen
Die „Glashütte Bürmoos“ mag wohl das bedeutendste bildnerische Werk von Georg Rendl sein. Nicht auf Grund seiner Mal- oder Zustandsqualität, aber doch, weil es das Zentrum der Salzburger Glasindustrie im ausgehenden 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts darstellt.

"Imkerpfeife"
Imker
Imkerpfeife
Die Imkerpfeife wird mit Kräutern gefüllt und entzündet. In der Pfeife wird ein Luftstrom über das glosende Rauchmaterial geblasen. Der Rauch dient zur Beruhigung der Bienen, wenn der Imker mit ihnen arbeitet. Diese Imkerpfeife stammt aus dem Nachlass von Georg Rendl.
Datierung um 1900
Aus der Sammlung St. Georgen bei Salzburg, Museum SIGL HAUS, Imker-Räuchergeräte

"Salzburger Lokalbahn"
Salzburger Lokalbahn
Salzburger Lokalbahn
Die „Rote Elektrische“
Datierung 1950
Aus der Sammlung Grödig, Untersbergmuseum Fürstenbrunn, Geschichte des Ortes und Umgebung, Eisenbahnwesen (inkl. Straßenbahnwesen)
Beschreibung
Die „Rote Elektrische“ Im Jahr 1860 hatte das Zeitalter der Eisenbahn auch im Herzogtum Salzburg Einzug gehalten. Die Westbahn wurde gebaut und eine Verbindung zu München hergestellt. Nun galt es, die umliegenden Ortschaften miteinander und mit der Landeshauptstadt zu verbinden. Dieses Vorhaben gelang, als Grödig 1886 erstmals durch eine Dampftramway-Bahn mit dem Salzburger Bahnhof verbunden wurde.

"Von der Karteikarte zur Online-Kulturgüterdatenbank"

Museen haben einen Bildungsauftrag. Ihnen obliegt u.a. die Dokumentation der Kulturgüter, deren Bewahrung und die Weitergabe des Wissens an die kommenden Generationen.

„Sammeln – Bewahren – Forschen – Ausstellen – Vermitteln“ sind die grundlegenden Aufgaben eines Museums. Dazu gehört die professionelle Dokumentation der Sammlungsbestände. Der internationale Museumsrat ICOM erläutert dazu in den ethischen Richtlinien unter 2.20: „… Museumssammlungen sollen nach allgemein anerkannten professionellen Standards dokumentiert werden. Diese Dokumentation soll eine vollständige Kennzeichnung und Beschreibung jedes Stückes beinhalten, über sein Umfeld, seine Herkunft, seinen Zustand, seine Behandlung sowie seinen gegenwärtigen Standort Auskunft geben. Diese Sammlungsdaten sollen sicher verwahrt und so katalogisiert werden, dass ein Zugriff durch das Museumspersonal und andere Berechtigte gewährleistet ist.“
(Siehe https://www.salzburgermuseen.at/service/edv-inventarisierung-digitalisierung)

"Brotgärkorb Bürmoos"
Brotkorb
Brotgärkorb Bürmoos
Peddingrohr Holz, Metall
Datierung um 1940
Aus den Sammlungen der Salzburger Regionalmuseen
Ovaler Brotgärkorb aus Peddingrohr mit eingefräster spiegelverkehrter Inschrift „BÜRMOOS “ im Holzboden. Der Gärkorb kommt vor dem Backen zum Einsatz. Er fördert den optimalen Gärprozess des Brotteiges und gibt dem Brot das Muster und die Form. Das fertige Brot zeichnet sich durch eine „Bürmoos“-Inschrift an der Oberseite aus

Diesen Brotgärkorb lässt sich auch auf der Kulturgüter-Datenbank der Salzburger Regionalmuseen finden, einer Datenbank, die durch die Kartographierung und Auflistung der beteiligten und integrierten Museen einen umfassenden inhaltlichen und regionalen Überblick verschafft. http://www.kulturgueterdatenbank.at/

Ein Beispiel aus der Kulturgüterdatenbank von den Sammlungen des Untersbergmuseums, Grödig:

"Rosenkranz aus Mäusewirbelknochen"
Das Grödiger Kriegsgefangenenlager
Ein Rosenkranz aus Mäusewirbeln, Kreuze aus einem Knochensplitter – Dinge, die von einem traurigen Kapitel der Grödiger Geschichte erzählen: dem Kriegsgefangenenlager im 1. Weltkrieg.
Da Grödig in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch die „Rote Elektrische“ eine gute logistische Anbindung an die Stadt Salzburg besaß, wurde hier von 1915 bis 1919 ein Kriegsgefangenenlager, das sogenannte Russenlager, eingerichtet. Das Lager bestand aus drei Teilen, das Hauptlager befand sich in Grödig, die Nebenlager in St. Leonhard und Neu Anif.
In der ersten Kriegshälfte handelte es sich bei den Lagerbewohnern um Kriegsgefangene, gegen Ende des 1. Weltkriegs waren es zunehmend Flüchtlinge. Bis zu 40.000 Personen, Beschäftigte als auch Kriegsgefangene und Flüchtlinge, waren im Lager untergebracht – eine Zahl, die sogar die damalige Einwohnerzahl der Stadt Salzburg übertraf. Untergebracht waren die Leute in ca. 300 Holz-Baracken. Sie waren beim Straßenbau beschäftigt (z.B. „Russenstraße“ zwischen Thalgau und Hof), in der Industrie (Eisenfabrik Steiner in Grödig) oder bei Bauern als Landarbeiter.
Bezahlt wurde mit dem sogenannten Lagergeld, eine Währung, die eigens für das Kriegsgefangenenlager eingerichtet wurde. So konnte Fluchtversuchen vorgebeugt werden, da das Geld außerhalb des Lagers keinen Wert besaß. Wasser wurde sowohl vom Almkanal als auch von einer Hochquelle oberhalb von St. Leonhard bezogen, Lebensmittel konnten mit der Bahn geliefert werden. Die für das Lager hergestellte Infrastruktur für Wasser und Kanalisation bildete die Grundlage für die heutige Versorgung bzw. Entsorgung des Wassers der Ortsteile Grödig und St. Leonhard.
Wie unzählige andere Orte wurde auch das Grödiger Lager gegen Kriegsende von Infektionskrankheiten wie Cholera oder Typhus nicht verschont; der schlechte Ernährungs- und Hygienezustand forderte bis zu 40 Tote am Tag. Diese fanden am sogenannten Russenfriedhof ihre letzte Ruhestätte.
Nach dem Krieg wurde das Lager rasch aufgelöst, die Baracken wurden verkauft und abgetragen. Eine Baracke wurde zur Bühne und Zuschauertribüne umgewandelt, die bei den ersten Jedermann-Aufführungen am Domplatz zum Einsatz kamen. Eine andere Baracke diente als Volksschule in Fürstenbrunn.
Quelle: Grödig, Untersbergmuseum
(Link zu allen Exponaten des Museums)

Begleitend für weitere Informationen mit einem Angebot von über 600 Veranstaltungen pro Jahr, bietet Salzburgs größte Kulturinstitution, die Salzburger Volkskultur mit ihren sechs Landesverbänden, wobei einer davon der Landesverband Salzburger Museen und Sammlungen ist, über die Seite und Plattform der Salzburgervolkskultur viel über Brauchtum und Geschichte, Musik und weitere Veranstaltungsinhalte. https://www.salzburgervolkskultur.at/salzburger-volkskultur

Durch laufendes Recherchieren zu den unterschiedlichsten Begriffen, gewinnt man die Erkenntnis, dass einzig zu dem Begriff "Anif" sich nichts in den Salzburger Kulturdatenbank noch in deren Online Sammlungen finden. Dafür listet der Kulturpool zu "Anif" einiges von der Albertina, der Österreichischen Nationalbibliothek, den Vorarlberger Landesmuseen, dem MAK, der Karl-Franzens Universtität Graz sowie dem Wien Museum auf

"Schloss Anif"
Schloss Anif
Schloss Anif
Buberl, Paul
Datierung 1911
Gesamtansicht über den Teich (von Nordwesten)
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Anif mit der Besonderheit, dass diese Gemeinde heuer 1234 Jahre alt ist. Immerhin! Der Kulturpool gratuliert.

Freitag, 30. September 2022 um 10:12:53 von Kulturpool Redaktion

Der Hagenbund und Gumpendorf

Anlass
Der Hagenbund und Gumpendorf

In Gumpendorf drunt auf ein Eck Numm’ro zwa
steht a dreistöckig’s Haus und das g’hört dem Papa,
in ein’ Zimmer da drinn’ steht a Kassa allan,
den Schlüssel dazu den hat die Frau Mama.
Drum fehlt uns a ’s ganze Jahr niemals an Geld,
um dös zu verputzen san mir auf der Welt;
wann von arbeiten g’redt wird, da kieg’n ma an Grant,
denn unser Vater is’ a Hausherr und a Seidenfabrikant,
denn unser Vater is’ a Hausherr und a Seidenfabrikant.

Den Text zu den D' Hausherrnsöhnl'n schrieb Wilhelm Wiesberg, die Musik stammt von dem berühmten Wienerlied Komponisten Johann Sioly, der gesamte Text ist Teil der Sammlung des Wiener Volksliedwerkes und unter diesem Link abrufbar:

https://www.wienervolksliedwerk.at/VMAW/VMAW/Liedtexte/dhausherrnsoehnln.htm

D' Hausherrnsöhnl'n
(wienervolksliedwerk.at)

D' Hausherrnsöhnl'n interpretiert und gesungen von Insingizi

Insingizi
https://youtu.be/AydikSxLU1U
Jubiläumsproduktion im Rahmen der 120 Jahre Casino Baumgarten und 60 Jahre Preiser Records
konzipiert und kuratiert von Martin Pusch und Dominik Nostitz
2012
Aus den Sammlungen von Preiser Records

Gumpendorf scheint in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine lebendige und gesellige Gegend gewesen zu sein. Außerhalb der Inneren Stadt gelegen, dennoch relativ zentral, zwischen Wien Fluss und Mariahilf und nah an den vielen zentralen und sozialen Treffpunkten der Stadt. Ein Spaziergang durch die Gumpendorfer Straße als Hauptachse und - ader der Gegend lässt noch heute diesen Eindruck erwecken. Gumpendorf war zu dieser Zeit schon eingemeindet in die Stadt Wien als fünfter Bezirk, neben den Vorstädten Mariahilf, Windmühl, Magdalenengrund und Laimgrube. So hat jedes Haus in der Gasse seine besondere Geschichte. Ein Stück Weltgeschichte hat das Haus "Zum blauen Freihaus" als Namensgeber und Dreh- und Angelpunkt einer sich dort regelmäßig einfindenden losen Gruppe an KünstlerInnen, deren Bezeichnung sich vom Wirten ihres Stammtisches ableitete: Josef Haagen, der dieses Gasthaus 1881 eröffnete und nach ihm sich später der "Hagenbund", der dort als Haagengesellschaft seinen Sitz hatte, formierte und nannte.


Zum Blauen Freihaus
Gumpendorferstraße 7
(heute auf Stelle Nr. 9, Orignalhaus wurde abgerissen)
or 1902
Aus Geschichte.Wiki.Wien

Im sogenannten "Blauen Haus" waren auf Befehl Karls VI. sämtliche in Wien anwesenden Spielkarten- Erzeuger und Kartenmaler samt ihren Familien untergebracht. Sie durften nirgends anders als in diesem magistratischen Freihaus wohnen, da der Kaiser streng gegen die in Wien "eingerissene Spielwuth" vorging und daher viele einschränkende Verordnungen erließ. Das Haus kam später in den Besitz von Privaten. 1881 eröffnete der Gastwirt Josef Haagen das Gasthaus "Zum blauen Freihaus".
(GeschichteWiki.Wien)

"6., Gumpendorfer Straße 9 - "Zum blauen Freihaus" (Anfang des 20. Jhdt. demoliert), Ansichtskarte"
Freihaus
Zum blauen Freihaus
Datierung 1906
Aus der Grafik- und Fotosammlung des Wien Museums

Die Haagengesellschaft könnte man einen künstlerischen Stammtisch nennen, bestehend aus jungen Künstlern, Architekten, Malern und Bildhauern, die sich regelmäßig ab den 1870er Jahren in Josef Haagens Gasthaus einfanden, dort diskutierten, Erfahrungen austauschten und neue Ideen kennenlernten. Aus vielen dieser Protagonisten wurden dann Künstler der Wiener Secession beziehungsweise des Hagenbundes.

Der Hagenbund wurde im Jahr 1900 gegründet und versteht sich als Abspaltung aus der Gesellschaft der bildenden Künstler Wiens, kurz auch das Künstlerhaus genannt. In dieser Zeit war es für Bildende Künstler ausschlaggebend, Teil einer Vereinigung zu sein. Das damals durchgesetzte Vereins- und Versammlungsrecht ermöglichte das Bilden von Vereinigungen und Gesellschaften, die für die weiteren Erfolgschancen damals wirkender junger KünstlerInnen wesentlich und auschlaggebend waren. Das Künstlerhaus wurde 1865 - 1868 errichtet und ist als Gesellschaft bildender Künstlerinnen und Künstler die älteste noch bestehende Künstlervereinigung Österreichs. Sie galt vor Abspaltung der Wiener Secession und des Hagenbundes als die maßgebliche Interessensvertretung aller Wiener Künstler.

Hagenbund
Hagenbund
Urban, Joseph (Entwurf)
Hagenbund (Auftraggeber)
Christoph Reisser's Söhne <Wien> (Druckerei)
1904
Aus der Bibliothek und Kunstblättersammlung des Museum für angewandte Kunst, Wiens (MAK)

Viele progressivere jüngere Kräfte waren unzufrieden mit den Umgängen und Gepflogenheiten der Gesellschaft der bildenden Künstler und formierten eine neue Vereinigung im Jahr 1887, die Wiener Secession. (lat: secessionem = Abspaltung, Trennung). Unter den ca. 20 Künstlern befanden sich unter anderem Gustav Klimt (in Folge 1. Präsident der Wiener Secession), Koloman Moser, Josef Hoffmann und Joseph Maria Olbrich. Drei Jahre später, gründeten eine Reihe von weiteren Künstlern, darunter maßgeblich beteiligt die Künstler Joseph Urban und Heinrich Lefler, den Hagenbund am 3. Februar 1900. Diese blieben kurze Zeit noch räumlich im Künstlerhaus, quasi als Club mit Ausstellungsrecht, sehr bald kam es aber zu Streitigkeiten und die Suche nach einem eigenen Sitz war die Folge.

Berühmt und bezeichnend wurden die Ausstellungen in der Zedlitzgasse und an weiteren Orten. Eine Blütezeit des Hagenbundes als Plattform der Moderne, war die Zwischenkriegszeit.

"Mit dem Einmarsch deutscher Truppen, war auch das Ende des Hagenbundes besiegelt. Noch im Jahr 1938 wurde die Vereinigung aus politischen, rassischen und künstlerischen Gründen aufgelöst. Viele Mitglieder mussten Österreich verlassen, da sie rassisch nicht den neuen Machthabern entsprachen (z. B. Georg Merkel, Georg Ehrlich, Albert Reuss, Viktor Tischler, Georg Mayer-Marton). Andere Mitglieder verließen Österreich aus politischen Gründen (Carry Hauser, Otto Rudolf Schatz), einige, die blieben, erhielten Ausstellungsverbot. Zwei weitere Künstler, die nicht oder nicht weit genug fliehen konnten, wurden in Konzentrationslagern ermordet (Fritz Schwarz-Waldegg, Robert Kohl)". (wikipedia)

Das Gasthaus "Zum Blauen Freihaus" in Gumpendorf ist keine 400 Meter entfernt von den ehemaligen Hofstallungen, dem späteren Messepalast und nun dem Museumsquartier mit dem Leopold Museum, das derzeit eine sehenswerte Ausstellung des Hagenbundes zeigt:

AUSSTELLUNG "HAGENBUND" im Leopold Museum
Von der gemäßigten zur radikalen Moderne
16.09.2022 bis 06.02.2023


Terzetta
Robert Kloss
1922
Foto: Graphisches Atelier Neumann
Aus der Sammlung Oesterreichische Nationalbank

"Der Künstlerbund Hagen wurde im Jahr 1900 als Reaktion auf den Konservativismus des Künstlerhauses gegründet und etablierte sich spätestens in den 1920er-Jahren als „heute radikalste Gruppe“ (Robert Musil, 1922) innerhalb der Wiener Künstlervereinigungen. Das 1902 erstmals bespielte Ausstellungshaus Zedlitzhalle im 1. Wiener Bezirk diente nicht nur als identitätsstiftender Präsentationsort für die Mitglieder, sondern auch als Halle für innovative Ausstellungskonzepte und internationale Kunstpräsentationen.

Nach Präsentationen bei der Kunstschau Wien 1908 und 1909 erreichte der Hagenbund in den 1910er-Jahren einen bedeutenden Status als Plattform für junge, zeitgenössische Kunst. Legendär ist die Sonderausstellung Malerei und Plastik 1911 mit Werken von Oskar Kokoschka, Anton Faistauer, Anton Kolig oder etwa Albert Paris Gütersloh, ebenso wie jene mit den eben genannten Protagonisten des Umfeldes der Neukunstgruppe und zahlreichen Werken Egon Schieles. Insbesondere die 1920er-Jahre gelten als die Blütezeit des Hagenbundes, wo letztendlich der Schritt von einer gemäßigten hin zu einer radikalen Moderne gesetzt wurde. Wenngleich weder ein einheitliches Stilwollen noch ein künstlerisches Manifest seitens des Hagenbundes existierte, so ist doch eine Betonung auf Ausformungen der Neuen Sachlichkeit sowie post-expressionistische Tendenzen mit kubistischen Versatzstücken charakteristisch.

Der Hagenbund erlebte in seiner fast vier Jahrzehnte währenden Existenz eine äußerst wechselvolle Geschichte, die von der Monarchie über die Ausrufung der Ersten Republik, vom austrofaschistischen Ständestaat bis hin zur Machtübernahme der Nationalsozialisten führte. Letztere veranlassten schließlich – wegen zu moderner und liberaler künstlerischer Ansichten, der hohen Anzahl von Künstler*innen mit jüdischen Wurzeln und eines linken Flügels unter den Mitgliedern – im September 1938 die Auflösung der Künstlervereinigung. Eine große Anzahl der Mitglieder wie Georg und Bettina Ehrlich-Bauer, Josef Floch, Carry Hauser, Lilly Steiner, Otto Rudolf Schatz oder Felix Albrecht Harta mussten emigrieren oder wurden – wie Robert Kohl oder Fritz Schwarz-Waldegg – im Konzentrationslager ermordet."
Ausstellungstext Leopold Museum


Hagenbund - 12. Ausstellung
#PredmetAutor:3617749
Museum of Decorative Arts in Prague
Europeana /Narodni Museum
Alfred Keller
1904


Herbsausstelung Hagenbund
#PredmetAutor:3616449
Museum of Decorative Arts in Prague
Europeana /Narodni Museum

Parallel zu der Ausstellung im Leopold Museum gibt es immer wieder auch in diversen Galerien Ausstellungen von KünstlerInnen aus dem Hagenbund, so derzeit in der Galerie Wienerroither & Kohlbacher.

JOSEF FLOCH – AN ARTIST OF THE HAGENBUND

Maternité
Josef Floch
Öl auf Leinwand, 60,3 x 73,6 cm
um 1928-30

Laufzeit der Ausstellung
Freitag 23.9.2022 - Freitag 25.11.2022
W&K - WIENERROITHER & KOHLBACHER
Strauchgasse 2
1010 Wien

Montag, 22. August 2022 um 16:35:54 von Kulturpool Redaktion

Die Sammlungen des Wien Museums auf Kulturpool

Anlass
Die Sammlungen des Wien Museums

Eine digitale Wanderung durch die neu abrufbaren Sammlungen des Wien Museums.
Von den mehr als 80.000 digitalisierten Datensätzen des Wien Museums sind auf Kulturpool nun etwas mehr als 67.000 Objekte neu verfügbar. Das Wien Museum begreift sich als Universalmuseum mit seinen mehr als eine Million Objekte umfassenden Sammlungen aus Stadtgeschichte über Alltagsleben bis zur bedeutenden Kunstsammlung. Darüber hinaus bietet es auch sehr spezielle Sammlungen aus Numismatik, der Uhrensammlung oder aus der Welt der Mode sowie viele weitere Sammlungsgegenstände etwa aus der Stadt-Archäologie sowie weiteren Bereichen.
Die Objekte und Digitalisate sind so aufbereitet, dass sie zum einfachen „digitalen Wandern“ erstöbert werden können als auch für jegliche Recherche im Zusammenhang mit den Sammlungen Ansatz und Information liefern.
Sehr viele Objekte können kostenlos als „open content“ weiterverwendet werden. Über 130.000 Bilder lassen sich in den Sammlungen finden und erforschen.

Objekte aus der Sammlung der Gebrauchsgegenstände:

"WC-Aufhängung mit Halterung für eine Kerze und Fächern für Zündhölzer und WC-Papier"
WC
Datierung 1900
Objektklasse Toilettenartikel
Aus der Sammlung Gebrauchsgegenstände

Geht man um 200 Jahre zurück, findet man einen "Armsünderstuhl"

Armsünderstuhl
Armsünderstuhl
Datierung 1700
Objektklasse Todesstrafe, Hinrichtung
Inventarnummer 167972
Strafvollzugsgeräte
Aus der Sammlung Gebrauchsgegenstände

Und vom frühen 18. Jahrhundert ein Sprung in die Ausläufer des Biedermeiers mit inspirierenden Exponaten

"Neueste Geduld-Spiele" (Puzzle): "Der kleine Gefangene"
puzzle
Datierung 1850
Objektklasse Gesellschaftsspiele, Partyspiele
Kind, Spielen, Erholung und Freizeit
Biedermeier
Kindheit
Aus der Sammlung Gebrauchsgegenstände

Um die gleiche Zeit, ein Siegelabdruck aus dem Revolutionsjahr 1848

Siegelabdruck "AUSSCHUSS DER STUDENTEN WIENS 1848" vom 13. März 1848
"Neueste Geduld-Spiele" (Puzzle): "Der kleine Gefangene"
Siegel
Datierung 1848
Revolution 1848/1849
Objektklasse Siegel
Aus der Sammlung Gebrauchsgegenstände

Ein weiteres spezielles Objekt ist ein Sprachrohr des Türmers von St. Stephan

Sprachrohr des Türmers von St. Stephan
Sprachrohr
Datierung 1600
Stephansdom
Sicherheit und Kriminalität
Aus der Sammlung Gebrauchsgegenstände

Die Gemäldesammlung allein ist eine Sichtung wert. Über 1239 Objekte, vorwiegend Porträts über mehrere Jahrhunderte Wiener Persönlichkeiten, lassen sich in den Sammlungen finden. Viele Bekannte Namen der Wiener Stadtgeschichte als auch Kurioses und Unbekannteres.

Fanny Elßler, Tanzkünstlerin
fanny
Datierung 1852
Objektklasse Porträt
Aus der Gemäldesammlung

Ballonfahrt über Wien (Blick auf Wien von Südwesten mit einem Ballon über der Stadt)
Ballonfahrt
Jakob Alt (Künstler)
Stadtansicht
Datierung 1847
Aus der Grafik und Fotosammlung, Aquarelle

Eine physische Wanderung auf den Kahlenberg lässt das Sammlungsgebiet des Wien Museums aus der Vogel-, bzw.-Bergperspektive erahnen...

Blick auf Wien vom Kahlenberg
BlickWien
Karl d. Ä. Schweninger (Künstler)
Datierung 1850
Objektklasse/Objektname Stadtansicht
Aus der Gemäldesammlung

Und vom Ausblick auf Wien, einen Einblick in die Umbauten des Wien Museums, via offiziellem Trailer und Infovideo:

https://www.wienmuseumneu.at/

Sonntag, 29. Mai 2022 um 19:54:47 von Kulturpool Redaktion

Über die Myrthe

Anlass
Eine kleine Kulturgeschichte der Myrthe

Myrte
Myrtus lalifolia Romana [Myrte] (Originaltitel)
Anonym (Entwurf) (Wien, 1801-1850)
Zweig mit spitz zulaufenden Laubblättern, an den Blattachseln sitzen weiße Blüten
Aus der Sammlung des MAK – Museum für angewandte Kunst, Wien

Die Myrthe, inzwischen meist ohne „h“ Myrte geschrieben, mit lateinischem Namen „myrtus communis“, auch die Gemeine Myrte, ist ein immergrüner Strauch aus der Familie der Myrtengewächse. (Myrtaceae). Die Myrte ist als einzige Vertreterin dieser Familie im Mittelmeergebiet von den Kanaren im Westen bis nach Vorderasien im Osten anzutreffen. Seit der Antike kultiviert, findet man sie am ehesten in Macchien und Wäldern auf kalkfreiem, feuchterem Boden.
Zwischen Mai und August treibt die Myrthe weiß und duftend ihre zahlreichen Blüten aus. In reichlichen Verzweigungen kann die Myrthe als immergrüner Strauch bis zu fünf Meter hoch werden. Die Oberseite ihrer Blätter ist grüner als die leicht hellere Unterseite. Die Früchte sind erbsengroß und schmecken leicht säuerlich. Die Beeren reifen zwischen November und Dezember und entfalten dann einen sehr guten Geruch.
Man kann ihre Blüten, Blätter und Beeren für die unterschiedlichsten Anwendungsformen verwenden. Die Myrte ist appetitanregend, antibakteriell, lindert Nervosität und hilft bei Lungenproblemen. Aus ihren Blättern lässt sich Tee zubereiten und ähnlich dem Lorbeer findet sie in der Küche viele Verwendbarkeiten.
Aus der Heilpflanze lässt sich wirkungsvolles Öl gewinnen. Das darin enthaltene Geraniol beruhigt und entspannt während das belebende Ciniol als Wachmacher fungiert. Myrten Öl macht gelassen und frisch, wirkt desinfizierend und entzündungshemmend. Ein paar Tropfen Myrten Öl als Inhalation hilft bei Lungenkrankheiten.
Die Myrte wird seit jeher auch als „Welsche Heidelbeere“ bezeichnet.

Ein wenig Kulturgeschichtliches:
Die Myrte steht symbolisch für Liebe und Schönheit.
Als Heilpflanze seit der Antike bekannt, hat die Myrte viele kulturgeschichtliche und rituelle Rollen übernommen. Neben dem Apfel kommt in der Erzählung von Adams Vertreibung aus dem Paradies auch ein Myrtenzweig vor, den dieser als Erinnerungsstück an das Paradies mitgenommen haben sollte.

Myrthenkranz
Myrthenkranz
Brautschleier aus einem rechteckigem Stück Tüll, an drei Seiten mit Blumen in Kurbelstickerei bestickt. Oberkante breit umgeschlagen und durchgeheftet, wo der Kranz befestigt war. Myrthenkranz aus Wachs-/Papierblumen mit geflochtenem Organzaband.
1940
Aus der Sammlung Landessammlungen Niederösterreich

In der Zeit der Babylonischen Gefangenschaft trugen junge Jüdinnen einen Myrtenkranz als Zeichen ihres Brautstandes.
Die alten Griechen haben die Myrthe der Aphrodite geweiht, die Römer der Venus. Zu bestimmten Anlässen wurden Myrtenzweige auf einen zu beschreitenden Weg gestreut, während Weihrauch verbrannt wurde.

Ein Myrtenkranz wurde der jungfräulichen Braut geflochten, in der Renaissance kam dieser Brauch auch in Mitteleuropa zur Geltung, wobei auch Bräutigam und Trauzeugen Myrtenzweige angesteckt bekamen.
Das Ritual sah vor, dass die junge Ehefrau einen bei ihrer Vermählung getragenen Zweig aus dem Myrtenkranz in die Erde setzte und wartete bis dieser Wurzeln schlug. Der weitere Verlauf des Wachsens wurde als Vorhersage eines beständigen Eheglücks angesehen und laufend gepflegt. Die Myrte wurde später dann auch mit in die Wohnstuben genommen und wurde so zu einer der ältesten Zimmerpflanzen.
Noch heute tragen griechische Brautleute einen Myrtenkranz auf dem Kopf, sobald sie sich das Ja-Wort gegeben haben.
Die Myrte gilt als Schutzpflanze der Liebenden und wird deshalb auch häufig „Brautmyrthe“ genannt werden.

Überliefert ist auch der Glaube, dass die Myrte die bösen Geister aus dem Hause fernhält.

Was erinnert in Österreich noch an die Myrte?

Im 7. Bezirk in Wien verläuft die Myrthengasse, zur Hälfte als romantische Fussgängerzone, von oben an die Burggasse grenzend bis hinunter zur Lerchenfelderstraße:

Myrthengasse 7
Myrthengasse 7
Die Myrthengasse in Wien 1070
1962-02-15
Wien 7, Myrthengasse 7
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Myrthengasse10
Myrthengasse 10
August Stauda, 1905
'Zum blauen Löwen'. Aufnahme von rechts gegen die Neustiftgasse.
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Myrthengasse
Die Myrthengasse
August Stauda, 1903
Wien 7, Burggasse 66
Aufnahme über Eck mit Front Myrthengasse 2.
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

MyrthengasseLöwe
Myrthengasse Zum Blauen Löwen
Wien 8, Myrthengasse 10
Hans Siegenfeld,
Datierung 1962-07-30
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Im Semmeringgebiet erinnert der Myrthengraben an den immergrünen Strauch und seine jahrhunderte-alte Verwendung in der europäischen Kulturgeschichte:

Der Myrthengraben

Myrthengraben
Myrthengraben
Aussicht von der Brücke über den Myrthengraben
Friedrich Würthle, (Konstanz 1820 - 1902 Salzburg)
ca. 1881
Aus der Fotosammlung der Albertina

Die Myrthenbrücke

Myrthenbrücke
Leander Russ - Eröffnung der Semmeringstrecke durch Kaiser Ferdinand - 1841
Austria Wiki https://austria-forum.org/af/AustriaWiki/Semmering-Passstraße

In der Musik finden sich wunderbare Werke, die der Myrte gewidmet wurden, so der Myrthenblüten-Walzer von Johann Strauß Sohn bis zu einem Liederzyklus von Robert Schumann.

Neben den in Natur und Stadt verorteten Erinnerungen an die frühere Strahlkraft der Myrte erinnert der Myrthenblütenwalzer von Johann Strauß Sohn op. 395
Link: Zu finden auf diversen musikalischen Plattformen oder diversen sozialen Medien.
Myrthenblüthe
Myrthenblüthe
Myrthenblüthen, Walzer für Männerchor und Orchester; op. 395
Strauss, Johann (1825 - 1899)
Datierung [1881-1882]
Aus der Musiksammlung der Wienbibliothek im Rathaus

Robert Schumann widmete sein Opus 25 „Myrthen“ mit Untertitel „Liederkreis von Goethe“ seiner Frau Clara Wieck zu deren Hochzeit am 12. September 1840. Ein Liederzyklus in vier Bänden.

Modernes Kulturgeschichtliches: *Die Maulende Myrte!
Ähnlich der Pflanze, die als nicht winterfest und sehr anspruchsvoll gilt, wurde die Figur "die Maulende Myrte", die in allen geradzahligen Büchern von Harry Potteranzutreffen ist (Band II, IV, und VI) von Joanne Kathleen Rowling als nicht sehr anspruchsloses Wesen aus Hogwarts konzipiert. Immerhin trägt sie zum Fortbestandes der "myrthe" durch den Erfolg des Buches und der Verfilmungen nachhaltig bei.