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Samstag, 2. November 2019


Mittwoch, 6. Mai 2020 um 20:12:31 von Kulturpool Redaktion

Europatag - 9. Mai 2020

Anlass
Europatag 2020

Der Europatag 2020 am 9. Mai wurde heuer im Rahmen mittels eines online Live Stream mehrerer Jubiläen gedacht:

250 Jahre Beethoven Geburtstag
215 Jahre Schiller Todestag (9. Mai 1805)
75 Jahre UN – Vereinte Nationen
70 Jahre Schuman Erklärung und
25 Jahre Österreich bei der EU

Die Veranstaltung ist nachsehbar via Live Stream: https://www.youtube.com/watch?v=iZqwebyXC7g&t=990s

Eine einstündige Feier mit einer eigens arrangierten Version der Ode an die Freude aus Beethovens 9. Symphonie mit 9 aus diversen europäischen Ländern stammenden MusikerInnen, die mehrere musikalische Genres betreffen. Von Klassik über Balkan Jazz bis Elektronik soll der Facettenreichtum Europas sich auch musikalisch widerspiegeln.

Neben der musikalischen Uraufführung werden die MusikerInnen im Live Stream über Eindrücke und Lebenssituationen aus ihren Heimatländern erzählen und wie die Phase der Einschränkungen und Quarantäne sie beeinflusste.

Mit Gratulationen und Botschaften von UN Generalsekretär Guterres, HVRP Borell, BM Schallenberg, FSTS Lunacek sowie weiteren Gästen wurde versucht, eine besondere Mischung und Verbindung aus diplomatischen Statements, künstlerischen Positionen und Impulsen dieser Zeit aufzuzeigen und die anstehenden Jubiläen aus vielschichtigen Sichtweisen zu präsentieren.

Vereinte Nationen „Besichtigung der Baustelle der Wiener UNO-City“
Tag der Vereinten Nationen in Wien
Franz Blaha, Fotografie 26. Juni 1946
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Besichtigung der Baustelle der Wiener UNO-City
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

“Eröffnung mit Kardinal König" Generalversammlung der UNO

Eröffnung mit Kardinal König
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Generalversammlung der UNO
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Celebrating Birthdays of People & Institutions

SATURDAY MORNING LIVE
09. MAY 2020 – 11AM (CEST/VIENNA)

TOGETHER as ONE
9th May – 9 Artists – 9th Symphony

Celebrating the Europe Day

25 years of Austria in the European Union
70 years of Schuman Declaration
75 years of United Nations
250th birthday of Beethoven

“Die feindlichen Gewalten" Beethoven

Beethoven-Fries: Detail aus "Die feindlichen Gewalten"
Klimt, Gustav 1902
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Ferdinand Georg Waldmüller (Zugeschrieben an), 1793 Wien - 1865 Hinterbrühl bei Wien
Portrait Ludwig van Beethoven
Kunsthistorisches Museum Wien, Sammlung alter Musikinstrumente

  1. Live Stream – LIVING ROOM CELEBRATION & Cultural Orchestration

The artistic content of the event is an orchestration and a mix of artistic relay race & special arrangement performing the Ode to Joy of the 9th Symphony by 9 Artists in changing circles. Every artist, from different EU Member States, is coming from another genre in music from classic to pop, jazz, electronic etc. The production is a unique piece of performing the European Anthem which is brought for the first time as an artistic relay race, symbolizing the circulation, solidarity, creativity within the European Union. Also, part of this performance is a signed language interpreter.

– Official statements from

UN Secretary General Antonio Guterres
EU High Representative for Foreign Affairs and Security Policy/Vice-President of the European Commission Josep Borrell
Austrian Federal Minister for European and International Affairs Alexander Schallenberg
State Secretary for Arts and Culture Ulrike Lunacek

– Short Live Talks with artists originally from all over the EU about the European Solidarity and life in difficult times during confinement. Short insight in people’s special experiences, inspirations, changes in the day-to-day lives and how it feels to be a European.

The Arrangement for the Ode to Joy Performance is made from Konstantin Wladigeroff.
We thank following artists for their contribution, spirit, and time:

Konstantin Wladigeroff, Piano & Arrangement (Bulgaria)
Alexander Wladigeroff – Trumpet, Percussions Balkan Jazz (Bulgaria)
Anna Veselova – Violoncello/Classic (Latvia)
Floris Willem – Violin /Classic (Belgium)
Karin Waldburger – Tenor Saxophone /Jazz (Germany)
Hannah Debono – Flute /Classic (Malta)
Alice Schneider – Voice /Pop (France/Autriche)
Paul Schweinester – Tenor /Opera (Austria)
Christian Reiner – Word/Poetry/Performance (Germany)
Matthias Schönauer – Electronics/Electronic Music (Sweden/Austria)
Hanna Boesch – Sign Language Interpretation of the Ode to Joy
Sofia Taliani – Music Cookbook Instructions

See more about the Live Stream:

http://europa.eu/!ht88BD

have a look into it and bring yourself Europe at home, prepare your personal MATINÈE with Italien Prosecco, French Wine & Cheese, Greek and Spanish Olives, Swedish Snaks & Danish Cookies, German Car Keys in the Days of Confinement, Latvian Tea, Belgium Chocolate, Finish Boots, and Irish sense for the music and arts, Croatian Weather..

Zum Werdegang des Europatages:

Die Schuman-Erklärung – 9. Mai 1950

Am 9. Mai 1950 schlug der französische Außenminister Robert Schuman in einer Rede die Schaffung einer Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) vor, deren Mitglieder ihre Kohle- und Stahlproduktion zusammenlegen sollten.

Die EGKS (Gründungsmitglieder: Frankreich, Deutschland, Italien, Niederlande, Belgien und Luxemburg) war die erste einer Reihe supranationaler europäischer Institutionen, die schließlich zur heutigen Europäischen Union wurden.

Historischer Hintergrund

Im Jahr der Schuman-Erklärung kämpften sich die europäischen Nationen noch mühsam aus den Trümmern des Zweiten Weltkriegs hervor, der erst fünf Jahre zuvor zu Ende gegangen war.

Um weiteren Kriegen vorzubeugen, einigten sich die Regierungen einiger europäischer Länder darauf, ihre Kohle- und Stahlproduktion zusammenzulegen. Auf diese Weise wollten sie einen weiteren Krieg zwischen den Erzrivalen Frankreich und Deutschland nach dem Wortlaut der Schuman-Erklärung „nicht nur undenkbar, sondern materiell unmöglich“ machen.

Sie gingen zu Recht davon aus, dass ein Zusammenschluss ihrer wirtschaftlichen Interessen eine Erhöhung des Lebensstandards zur Folge haben würde. Der erste Schritt zu einem geeinten Europa war getan. Die Mitgliedschaft in der EGKS stand auch anderen Ländern offen.
________________________________________

Vollständiger Wortlaut der Schuman-Erklärung

Der Friede der Welt kann nicht gewahrt werden ohne schöpferische Anstrengungen, die der Größe der Bedrohung entsprechen.
Der Beitrag, den ein organisiertes und lebendiges Europa für die Zivilisation leisten kann, ist unerläßlich für die Aufrechterhaltung friedlicher Beziehungen. Frankreich, das sich seit mehr als zwanzig Jahren zum Vorkämpfer eines Vereinten Europas macht, hat immer als wesentliches Ziel gehabt, dem Frieden zu dienen. Europa ist nicht zustande gekommen, wir haben den Krieg gehabt.

Europa läßt sich nicht mit einem Schlage herstellen und auch nicht durch eine einfache Zusammenfassung: Es wird durch konkrete Tatsachen entstehen, die zunächst eine Solidarität der Tat schaffen. Die Vereinigung der europäischen Nationen erfordert, daß der Jahrhunderte alte Gegensatz zwischen Frankreich und Deutschland ausgelöscht wird. Das begonnene Werk muß in erster Linie Deutschland und Frankreich erfassen.

Zu diesem Zweck schlägt die französische Regierung vor, in einem begrenzten, doch entscheidenden Punkt sofort zur Tat zu schreiten.
Die französische Regierung schlägt vor, die Gesamtheit der französisch-deutschen Kohle- und Stahlproduktion einer gemeinsamen Hohen Behörde zu unterstellen, in einer Organisation, die den anderen europäischen Ländern zum Beitritt offensteht. Die Zusammenlegung der Kohle- und Stahlproduktion wird sofort die Schaffung gemeinsamer Grundlagen für die wirtschaftliche Entwicklung sichern - die erste Etappe der europäischen Föderation - und die Bestimmung jener Gebiete ändern, die lange Zeit der Herstellung von Waffen gewidmet waren, deren sicherste Opfer sie gewesen sind.

Die Solidarität der Produktion, die so geschaffen wird, wird bekunden, daß jeder Krieg zwischen Frankreich und Deutschland nicht nur undenkbar, sondern materiell unmöglich ist. Die Schaffung dieser mächtigen Produktionsgemeinschaft, die allen Ländern offensteht, die daran teilnehmen wollen, mit dem Zweck, allen Ländern, die sie umfaßt, die notwendigen Grundstoffe für ihre industrielle Produktion zu gleichen Bedingungen zu liefern, wird die realen Fundamente zu ihrer wirtschaftlichen Vereinigung legen.
Diese Produktion wird der gesamten Welt ohne Unterschied und Ausnahme zur Verfügung gestellt werden, um zur Hebung des Lebensstandards und zur Förderung der Werke des Friedens beizutragen. Europa wird dann mit vermehrten Mitteln die Verwirklichung einer seiner wesentlichsten Aufgaben verfolgen können: die Entwicklung des afrikanischen Erdteils. So wird einfach und rasch die Zusammenfassung der Interessen verwirklicht, die für die Schaffung einer Wirtschaftsgemeinschaft unerläßlich ist und das Ferment einer weiteren und tieferen Gemeinschaft der Länder einschließt, die lange Zeit durch blutige Fehden getrennt waren.

Durch die Zusammenlegung der Grundindustrien und die Errichtung einer neuen Hohen Behörde, deren Entscheidungen für Frankreich, Deutschland und die anderen teilnehmenden Länder bindend sein werden, wird dieser Vorschlag den ersten Grundstein einer europäischen Föderation bilden, die zur Bewahrung des Friedens unerläßlich ist.
Um die Verwirklichung der so umrissenen Ziele zu betreiben, ist die französische Regierung bereit, Verhandlungen auf den folgenden Grundlagen aufzunehmen.

Die der gemeinsamen Hohen Behörde übertragene Aufgabe wird sein, in kürzester Frist sicherzustellen: die Modernisierung der Produktion und die Verbesserung der Qualität, die Lieferung von Stahl und Kohle auf dem französischen und deutschen Markt sowie auf dem aller beteiligten Länder zu den gleichen Bedingungen, die Entwicklung der gemeinsamen Ausfuhr nach den anderen Ländern, den Ausgleich im Fortschritt der Lebensbedingungen der Arbeiterschaft dieser Industrien.

Um diese Ziele zu erreichen, müssen in Anbetracht der sehr verschiedenen Produktionsbedingungen, in denen sich die beteiligten Länder tatsächlich befinden, vorübergehend gewisse Vorkehrungen getroffen werden, und zwar: die Anwendung eines Produktions- und Investitionsplanes, die Einrichtung von Preisausgleichsmechanismen und die Bildung eines Konvertierbarkeits-Fonds, der die Rationalisierung der Produktion erleichtert. Die Ein- und Ausfuhr von Kohle und Stahl zwischen den Teilnehmerländern wird sofort von aller Zollpflicht befreit und darf nicht nach verschiedenen Frachttarifen behandelt werden. Nach und nach werden sich so die Bedingungen herausbilden, die dann von selbst die rationellste Verteilung der Produktion auf dem höchsten Leistungsniveau gewährleisten.

Im Gegensatz zu einem internationalen Kartell, das nach einer Aufteilung und Ausbeutung der nationalen Märkte durch einschränkende Praktiken und die Aufrechterhaltung hoher Profite strebt, wird die geplante Organisation die Verschmelzung der Märkte und die Ausdehnung der Produktion gewährleisten.
Die Grundsätze und wesentlichen Vertragspunkte, die hiermit umrissen sind, sollen Gegenstand eines Vertrages werden, der von den Staaten unterzeichnet und durch die Parlamente ratifiziert wird. Die Verhandlungen, die zur Ausarbeitung der Ausführungsbestimmungen unerläßlich sind, werden mit Hilfe eines Schiedsrichters geführt werden, der durch ein gemeinsames Abkommen ernannt wird. Dieser Schiedsrichter wird darüber zu wachen haben, daß die Abkommen den Grundsätzen entsprechen, und hat im Falle eines unausgleichbaren Gegensatzes die endgültige Lösung zu bestimmen, die dann angenommen werden wird.

Die gemeinsame Hohe Behörde, die mit der Funktion der ganzen Verwaltung betraut ist, wird sich aus unabhängigen Persönlichkeiten zusammensetzen, die auf paritätischer Grundlage von den Regierungen ernannt werden. Durch ein gemeinsames Abkommen wird von den Regierungen ein Präsident gewählt, dessen Entscheidungen in Frankreich, in Deutschland und den anderen Teilnehmerländern bindend sind. Geeignete Vorkehrungen werden Einspruchsmöglichkeiten gegen die Entscheidungen der Hohen Behörde gewährleisten.
Ein Vertreter der Vereinten Nationen bei dieser Behörde wird damit beauftragt, zweimal jährlich einen öffentlichen Bericht an die Organisation der Vereinten Nationen zu erstatten, der über die Tätigkeit des neuen Organismus, besonders was die Wahrung seiner friedlichen Ziele betrifft, Rechenschaft gibt.

Die Einrichtung einer Hohen Behörde präjudiziert in keiner Weise die Frage des Eigentums an den Betrieben. In Erfüllung ihrer Aufgabe wird die gemeinsame Hohe Behörde die Vollmachten berücksichtigen, die der Internationalen Ruhrbehörde übertragen sind, ebenso wie die Verpflichtungen jeder Art, die Deutschland auferlegt sind, so lange diese bestehen.

https://europa.eu/european-union/about-eu/symbols/europe-day/schuman-declaration_de

Sonntag, 29. März 2020 um 11:55:01 von Kulturpool Redaktion

Digitales Biedermeier

Anlass
Quarantanien oder das digitale Biedermeier

Es mag an die Vorstellungen über die Zeit des Biedermeier erinnern, wenn das Häusliche und das Zu-Hause-Bleiben unseren Alltag bestimmt und wir uns auf neue Formen des Alltagslebens einlassen und Ideen zu dessen Bewältigung hervorbringen.
Die Epoche des Biedermeier umfasste die Zeitspanne 1815 bis 1848, mögen die derzeitigen Beschränkungen uns für eine kürzere Phase betreffen und mögen wir eventuell entsprechende Entwicklungen in dieser Zeit aufnehmen und weiterentwickeln.

Einmal mehr nahm etwas seinen Anfang auf dem Wiener Kongress.


"Empfang der verbündeten Monarchen in Wien 1814 anlässlich des Wiener Kongresses""
Lithographie von Franz Wolf nach einer Vorlage von Johann Nepomuk Hoechle,
aus der Serie „Hauptmomente aus dem Leben Sr. Majestät Franz I.“; 1833
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek


"Wiener Kongress, Gruppenbild der leitenden Staatsmänner"
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Vor 200 Jahren wurde während des Wiener Kongresses die Bundesakte beschlossen, der völkerrechtliche Vertrag zur Errichtung des Deutschen Bundes, der nach den napoleonischen Kriegen den Kaiser von Österreich, den König von Preußen und die souveränen Fürsten und freien Städte Deutschlands vereinigte und unter Heranziehung von Garantiemächten als langfristiger Bund Bestandteil einer neuen europäischen Wirtschafts- und Friedensordnung sein und Schutz bieten sollte.

Im August 1819 hielten in Karlsbad die wichtigsten Bündnispartner Ministerialkonferenzen, auf denen Maßnahmen zur Überwachung der Studentenschaft und letztens auch des Bürgertums und zur Unterdrückung gängiger liberaler und nationaler Bestrebungen, die in den deutschen Ländern kursierten, festgesetzt wurden. Die Karlsbader Beschlüsse. Offizieller Anlassfall war die Ermordung des reaktionären Schriftstellers Kotzebue durch studentische Burschenschafter.


"Der Tod August Kotzebues""
Druckgrafik aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Die Karslbader Beschlüsse

§1) Es soll bei jeder Universität ein mit zweckmäßigen Instruktionen und ausgedehnten Befugnissen versehener, […] landesherrlicher Bevollmächtiger […] von der Regierung angestellt werden. Das Amt dieses Bevollmächtigen soll sein, über die strengste Vollziehung der bestehenden Gesetze und Disziplinarvorschriften zu wachen, den Geist, in welchem die akademischen Lehrer bei ihren öffentlichen und Privatvorträgen verfahren, sorgfältig zu beobachten […].

§2) Die Bundesregierungen verpflichten sich gegeneinander, Universitäts- oder andere öffentliche Lehrer, die durch erweisliche Abweichung von ihrer Pflicht oder Überschreitung der Grenzen ihres Berufes, durch Missbrauch ihres rechtmäßigen Einflusses auf die Gemüter der Jugend, durch Verbreitung verderblicher, der öffentlichen Ordnung und Ruhe feindseliger oder die Grundlagen der bestehenden Staatseinrichtungen untergrabender Lehren, ihre Unfähigkeit zur Verwaltung des ihnen anvertrauten wichtigen Amtes unverkennbar an den Tag gelegt haben, von den Universitäten und sonstigen Lehranstalten zu entfernen […].

§3) Solange der gegenwärtige Beschluss in Kraft bleiben wird, dürfen Schriften, die in der Form täglicher Blätter oder heftweise erscheinen, desgleichen solche, die nicht über 20 Bogen im Druck stark sind, in keinem deutschen Bundesstaate ohne Vorwissen und vorgängige Genehmhaltung der Landesbehörden zum Druck befördert werden […].

§4) Kein Studierender, der […] von einer Universität verwiesen worden ist, […] soll auf einer anderen Universität zugelassen, auch überhaupt kein Studierender ohne ein befriedigendes Zeugnis seines Wohlverhaltens auf der von ihm verlassenen Universität von irgendeiner anderen Universität aufgenommen werden.

Die Karlsbader Beschlüsse waren eine politische Reaktion, die einer Vielzahl von Anhängern liberaler Bewegungen, vorwiegend Studenten, deren erhoffte Freiheiten im neugeordneten Europa verwehrten und stattdessen mittels Zensur und Überwachung eine staatliche Ordnung wiederherstellten („restaurierten“, aus diesem Wortstamm übrigens auch das Wort „Restaurant“ (Die Wiederherstellung….nach dem Hunger! Anm. der. Red.!)), daher auch der Begriff der „Restauration“ für diese Phase von dem Wiener Kongress 1815 bis zur Revolution 1848. Grundlegend waren das Verbot der schriftlichen und öffentlichen Meinungsfreiheit, die Überwachung der Universitäten, die Schließung der Turnplätze (Turnsperre von 1820 bis 1842), das Berufsverbot für liberal gesinnte Professoren bis zum Eingriff in die seit Jahrhunderten unabhängige akademische Gerichtsbarkeit.


"1820 wurde der Student Carl Ludwig Sand wegen des Mordes an dem deutschen Dichter und russischen Staatsrat August von Kotzebue (1819) durch Enthauptung hingerichtet""
Aus der Sammlung des Instituts für Österreichische Rechtsgeschichte und Europäische Rechtsentwicklung, Karl-Franzens-Universität Graz Zentrum für Informationsmodellierung

Aus einer anderen Perspektive nennt man diese Epoche auch den „Vormärz“. Hier sind die revolutionären Ideen im Vordergrund der sich entwickelnden Spannungen und Literaten wie Georg Büchner oder Heinrich Heine.


"Heinrich Heine"
Anonym, Fotopapier auf Karton, SW
Aus der Sammlung des Theatermuseums Wien

BIEDERMEIER und die Flucht ins Private

Diese Einschränkungen an der Teilnahme am allgemeinen öffentlichen Leben führten zu einem Rückzug, ja zu einer Flucht ins Private. Das Bürgertum suchte und fand in der „Häuslichkeit“ entsprechende Erfahrungsmomente und bewirkte neue kulturelle Lebensformen.
Es entstand eine große Nachfrage an Miniaturmalerei sowie Einzel- oder Familienporträts, die prägend für diese Epoche waren und gleichzeitig auch für eine größere Gruppe an Malern eine wichtige und nachhaltige Einkommensmöglichkeit darstellte.

Friedrich von Amerling, Leopold Kupelwieser, Ferdinand Georg Waldmüller
waren Protagonisten dieser Zeit und Szene.


"Fotografie eines Selbstporträts des Malers Ferdinand Georg Waldmüller"
Selbstporträts des Malers Ferdinand Georg Waldmüller, von 1833-34
Fotografie von Wilhelm Gmeiner, Wien 1905
Aus der Sammlung des Museum für angewandte Kunst, MAK Wien


"Fotografie einer Porträtmalerei einer Frau"
Fotografie einer Porträtmalerei einer Frau, eventuell Amalie Waldmüller, von Ferdinand Georg Waldmüller
Anonym, Wien um 1900
Aus der Sammlung des Museum für angewandte Kunst, MAK Wien


"Friedrich von Amerling, Selbstporträt"
Aus der Sammlung der Gemäldegalerie Belvedere


"Leopold Kupelwieser"
Leopold Kupelwieser
Druckgrafik aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek


"Dame in blauem Kleid"
Leopold Kupelwieser, 1827
Aus der Sammlung der Gemäldegalerie Belvedere


"Josef Mayer Freiherr von und zu Gravenegg"
Leopold Kupelwieser, 1827
Aus der Sammlung der Gemäldegalerie Belvedere

Entstehung der Salonkulturen

Die Musik brachte die Hauskonzerte hervor, da eine Vielzahl an Menschen es bevorzugten in die eigenen vier Wände zu laden und dort im kleinen Rahmen Musik zu genießen und eventuell Allgemeines zu kommentieren. Ab einer gewissen Regelmäßigkeit an Konzertaufführungen in kleineren oder größeren Wohnzimmern nannte man die musikalische Reihen und die Zusammenkunft einen Wiener Salon. Die Salons waren in unterschiedlichsten Rahmen gesellschaftliche Zentren und versorgten viele Ensembles und Musikgruppen mit laufenden Auftrittsmöglichkeiten und trugen dazu bei vielen vorwiegend Musikern, aber auch Musikerinnen ihren Bekanntheitsgrad zu steigern. Musikaffine Gastgeberinnen und Gastgeber spielten oftmals auch selbst eigene Werke oder trugen aus dem reichen Schatz der Wiener Klassik oder aus Werken anderer Epochen vor.


"Franz Schubert, Landpartie der Schubertianer"
Lichtdruck von Max Jaffé nach Leopold Kupelwieser
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Der ursprünglich aufkommende Begriff des Biedermeiers stammt aus der Feder der Schriftsteller Adolf Kußmaul und Ludwig Eichrodt. Die beiden Studienfreunde erfanden zwischen 1855 und 1857 die Figur des schwäbischen Dorflehrers Gottlieb Biedermeier, dem nach ihrer Diktion „seine kleine Stube, sein enger Garten, sein unansehnlicher Flecken und das dürftige Los eines verachteten Dorfschulmeisters zu irdischer Glückseligkeit verhelfen“. Diese Spottbezeichnung bezeichnet einen biederen, spießigen und in sich zurückgezogenen Menschen als bissige Darstellung und Abbild eines Stereotypen der Vormärz‘schen Epoche.


"Porträt Adolf Kussmaul"
Druckgrafik aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Insgesamt erreichten diese Jahrzehnte sowohl eine Rückbesinnung auf persönliche Werte wie Familie, das Häusliche, das Bescheidene mit all ihren Entsprechungen in der Kunst als auch in Folge eine Suche nach Spaß und Genuss, die das Entstehen von Tanzlokalen, Heuriger, Kaffeehäuser und Casinos hervorbrachte und in der Ablenkung und Zerstreuung von den herrschenden Gewalten und des fordernden Alltags ein neues öffentliches Leben im Dienste des Vergnügens zelebrierte.

Die momentane Situation spiegelt in Ansätzen die damaligen Zeiten wider, da zum ersten Mal seit mehreren Generationen Ausgangsbeschränkungen und Einschränkungen der Bewegungsfreiheit, wenn auch aus gänzlich anderen Gründen, einen neuen Alltag fordern und formen. Das Bestehen einer inzwischen auch virtuellen Welt ermöglicht trotz Quarantäne die Teilnahme an einem in bestimmten Bereichen weitergehenden öffentlichen Leben auf digitaler Ebene. Viele Antworten bietet wie schon im Biedermeier die Kunst und Kultur, die mittels Live – Streams, aufbereiteter digitaler Archive, Online-Abrufbarkeit und -Aufbereitung diverser Aufzeichnungen eine Vielzahl an kulturellem Angebot abbildet auch in der Hoffnung weiterhin aufgebaute Fangemeinden und Zielgruppen in Zeiten des Stillstands nicht ganz zu verlieren und vielleicht auch neue Sehergruppen zu gewinnen.

So öffnet sich der digitale Schatz vieler österreichischer Kulturinstitutionen und bietet Einblicke in Ausstellungen, Erklärungen zu einzelnen Objekten, ermöglicht Downloads von Bildern, lässt Ansichtskarten aus alten Zeiten hervorheben und vieles mehr.

In den nächsten Wochen möge sich hier eine Serie an Vorstellungen und Links ergeben, die auf diverse besondere digitale Angebote hinweisen will.

https://www.europeana.eu

Wer eine Reise geplant oder schon gebucht hat und sich zum Beispiel in Gedanken in die Gegenden versetzen will, die anvisiert waren, hat zum Beispiel in der Ansichtskartensammlung der Nationalbibliothek die Möglichkeit Postkarten runterzuladen, auszudrucken oder als Link zu versenden, eventuell mit ein paar Grüßen und Wünschen aus den vermeintlichen Orten und Stätten versehen..

AKON ist das Ansichtskartenportal der Österreichischen Nationalbibliothek. 75.000 digitalisierte Postkarten mit topographischen Bildmotiven können sowohl über die Namen der abgebildeten Orte, als auch über eine digitale Weltkarte gefunden werden.
Das Portal beinhaltet Ansichtskarten aus allen Teilen der Welt, von den Anfängen der illustrierten Postkarte Ende des 19. Jahrhunderts bis in die frühen 1940er Jahre.

https://akon.onb.ac.at/

Karthago!

"Ansichtskarte Karthago"
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Diverse Hashtags listen bis zu 2.500 internationale Museen auf, die auf ihre digitalen Archive verweisen.

#MuseumMomentofZen
#MuseumFromHome

Anbei auch ein Link zur Seite eines 17-jährigen Schülers aus Seattle, der eine Informationsseite mit all den aufbereiteten Länderdaten an Infizierungen, Genesungen und weiteren Infos aufgebaut hat, die den meisten behördlichen Websites aufgrund automatisierter Wartungen um einiges voraus ist.

https://ncov2019.live/

Mittwoch, 26. Februar 2020 um 17:40:41 von Kulturpool Redaktion

Fasching, Fasten und andere Traditionen

Anlass
EUROPEANA Celebrations in Europe

Wie während eines Turniers treten im Vordergrund die beiden allegorischen Hauptfiguren gegeneinander an: links reitet der feiste Karneval auf einem Fass und führt einen Bratspieß als Waffe. Rechts rollt die magere Fastenzeit, zwei Fische ins Treffen führend, heran. So ist man in Fastnachtspielen und Faschingsumzügen des 15. u. 16. Jhs. tatsächlich aufgetreten. Alle szenischen Details entsprechen damaliger Wirklichkeit und sind volkskundlich identifiziert. Erfunden dagegen ist die räumlich-zeitliche Gleichzeitigkeit des Geschehens.


"Kampf zwischen Fasching und Fasten"
Pieter Bruegel d. Ä., (um 1525/30 Breugel oder Antwerpen - 1569 Brüssel)
Aus der Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museums Wien

Viele Traditionen in ganz Europa haben ihren Ursprung in religiösen Anlässen und Ritualen wie die Fasten- und Besinnungszeit, die meist Zeiten des Überflusses wie der Fastnacht oder des Faschings folgen.

Die digitale Plattform Europeana hat zu diesen Themen eine Reihe von Beiträgen aus unterschiedlichen europäischen Ländern und Kulturen gesammelt und im Rahmen der Europeana Exhibition "Celebrations in Europe" dieser Tage veröffentlicht.

(https://www.europeana.eu/portal/en/exhibitions/celebrations-in-europe)

Europeana Collections bietet Zugang zu mehr als 50 Millionen Objekten in digitalisierter Form – Büchern, Musik, Kunstwerken und mehr.

Das Fasten ist eine Form der religiösen Verehrung, wobei die Traditionen um das Fasten herum auch einen praktischen Zweck haben - das Essen vor dem Fasten zu verbrauchen oder das Essen für eine andere Zeit aufzubewahren.

The Pancake Day

Die irisch-englische Tradition des Pancake Days lässt sich bis ins Jahr 1439 zurückverfolgen. „Shrove Tuesday“ – Faschingsdienstag war die letzte Möglichkeit Eier, Fette, Mehl, Milch und andere Zutaten zu verbrauchen und Palatschinken, Pfannkuchen oder eben Pancakes daraus zu machen. Den Zutaten wurden dabei jeweils besondere symbolische Bedeutung zugeschrieben:

Milch: Reinheit (Purity)
Salz: Bedachtnahme, Förderung der Gesundheit, Großzügigkeit (Wholesomeness)
Mehl: Grundnahrungsmittel (Staff of life)
Eier: Schaffen, Erfindung, Gestaltung (Creation)


The pancake woman, Kone der bager pandekager
Woman Baking Pancakes - De koekenbakster https://www.europeana.eu/portal/record/2020903/KKS11375.html.
Rijskmuseum, Niederlande, Europeana


Oswestry Wesley Guild's "Pancake Special"
Geoff Charles, National Library of Wales, CC BY-NC-SA
Europeana, Celebrations and Traditions https://www.europeana.eu/portal/en/exhibitions/celebrations-in-europe/feast-and-fast



The Morning Visit

Rembrandt van Rijn
Statens Museum for Kunst, Dänemark, Europeana https://www.europeana.eu/portal/de/record/90402/SK_A_2294.html

In vielen Religionen finden sich Rituale des Fastens. Das Christentum mit einer Fastenzeit von 40 Tagen ist vergleichsweise lange und übertrifft an Dauer die meisten anderen Religionen. Dies ist auch der Zahl 40 und ihrer für die katholische Kirche besonderer Symbolkraft geschuldet.

Die Fastenzeit dauert nach dem katholischen Kalender von dem Aschermittwoch bis zum Karsamstag, dem Tag vor Ostern.
Es stellt die 40 Tage, die Jesus betend und fastend in der Wüste verbrachte, dar.
Wenn man sich den Kalender hernimmt und die Tage einzeln zählt, kommt man auf 46 Tage. Die Sonntage zählen aber nicht zur Fastenzeit und werden somit nicht als Fastentage mitgerechnet, da sie von der Auferstehung Jesu erzählen und somit als ein Grund zur Freude gesehen werden, die dem Fastenden Erholung ermöglichen und Ausnahmen zulassen soll.

Biblische Zahlenspiele mit 40:

40 Tage blieb Moses auf dem Berg Sinai, bis er von Gott die Zehn Gebote erhielt (Ex 24, 18)
40 Tage und Nächste wandert der Prophet Elias zum Berg Horeb, wo Gott zu ihm sprach (1 Kön, 19.8)
40 Tage und 40 Nächte ergoss sich der Regen lang auf die Erde zur Sintflut an (Gen 7,12) und genauso lang wartete Noah, nachdem die Berge wieder sichtbar waren, bis er ein Fenster seiner Arche öffnete und einen Raben fliegen ließ.
40 Jahre wandern die Israeliten nach dem Auszug aus Ägypten durch die Wüste (Ex 16,35).
40 Tage nach dem Osterfest wird im katholischen Kalender Christi Himmelfahrt gefeiert.

Die Fastenzeit „Ramadan“ im Islam dauert über einen Monat und endet mit dem Aid al-Fitr Fest. Während der Fastenzeit verzichten die Gläubigen auf irdische Freuden und Genüsse. Vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang darf die Fastenzeit unterbrochen werden.

Im Buddhismus gilt das richtige Maßhalten als Maßstab zwischen Genusssucht und Askese.

https://www.europeana.eu/portal/en/exhibitions/celebrations-in-europe

http://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/

Mittwoch, 20. November 2019 um 10:26:36 von Kulturpool Redaktion

30 Jahre Fall des Eisernen Vorhangs

Anlass
Anlass: 30 Jahre Fall des Eisernen Vorhangs

Eindrücke, Erinnerungen, Verlinkungen zum Fall des Eisernen Vorhangs vor 30 Jahren

Vor genau 30 Jahren prägte ein Ereignis eine ganze Generation: Der Fall des Eisernen Vorhangs. Eine Ansammlung von Begriffserklärungen und Links möge inspirieren und diesen historischen Moment aus verschiedenen Betrachtungswinkeln wieder in Erinnerung bringen. Die Nutzung der digitalen Plattformen Europeana und Kulturpool als auch über weiterer Links mag ein Bild von der Bedeutung der Ereignisse im Jahr 1989 geben.

Die virtuelle Bibliothek Europeana ruft im Rahmen einer Blog – Parade, bei der sich jeder durch Einbringung eigener Erfahrungen, Erinnerungen oder auch durch Einbindung digitalisierter Bilder beteiligen kann, zu einer Sammlung persönlicher Erfahrungen zum Thema „Der Fall des Eisernen Vorhangs“ auf.

EUROPEANA – BLOG PARADE!

https://blog.europeana.eu/2019/08/remember1989-and-the-fall-of-the-iron-curtain-by-joining-our-blog-parade/

Zum Begriff einer “Generation”:

von lat. generátio „Nachkommenschaft“, dem Abstraktum von lat. generáre „erzeugen“. (Kluge)

Für die Soziologie hat Karl Mannheim 1928 im Rahmen seiner Wissenssoziologie einen prägenden und auch auf andere Wissenschaften ausstrahlenden „Generationen“-Begriff vorgelegt, der nicht die zuvor üblicherweise genannten 30 Jahre umfasst, sondern durch gemeinsame „Generationserlebnisse“ charakterisiert wird, also prägende Ereignisse in Kindheit und Jugend, die einen Einfluss auf ganze Geburtsjahrgänge haben.
Im soziokulturellen Verständnis ist eine Generation eine große Gruppe von Menschen, die als „Altersgruppe“ in ihrer Gesellschaft oder aufgrund der gemeinsamen Prägung durch eine spezifische historische oder kulturelle Konstellation eine zeitbezogene Ähnlichkeit aufweisen. (Wikipedia)


"Eiserner Vorhang"
Fotografie Herbert Kofler
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Der EISERNE VORHANG, die Grenzziehung

Der Eiserne Vorhang schuf eine lange und schwere Trennungslinie durch ganz Europa. Politisch, ideologisch, wirtschaftlich, sprachlich auf sehr vielen Ebenen wurden Regionen geteilt und durch Mauern auf vielen Ebenen getrennt.
Der Begriff „Eiserner Vorhang“ fand seinen Weg in die Begriffswelt des Kalten Krieges unter anderem geprägt durch eine Rede des damaligen britischen Premierministers Winston Churchill in Fulton, Missouri, im Jahr 1946:

“From Stettin in the Baltic to Trieste in the Adriatic an Iron Curtain has descended across the Continent. Behind that line lie all the capitals of the ancient states of Central and Eastern Europe. Warsaw, Berlin, Prague, Vienna, Budapest, Belgrade, Bucharest and Sofia; all these famous cities and the populations around them lie in what I must call the Soviet sphere, and all are subject, in one form or another, not only to Soviet influence but to a very high and in some cases increasing measure of control from Moscow.”

„Von Stettin an der Ostsee bis Triest an der Adria hat sich ein Eiserner Vorhang auf Europa herabgesenkt. Dahinter liegen all die Hauptstädte der alten Staaten Mittel- und Osteuropas. Warschau, Berlin, Prag, Wien, Budapest, Belgrad, Bukarest und Sofia. Diese berühmten Städte und die Bevölkerung ringsum liegen alle im sowjetischen Wirkungskreis, so muss ich es nennen, und unterliegen, auf die eine oder andere Weise, nicht bloß sowjetischem Einfluss, sondern zu einem sehr hohen und in einigen Fällen zunehmendem Maße der Lenkung durch Moskau.“


"Verlauf des Eisernen Vorhangs"
Europa-Karte, Kurier

Der "Eiserne Vorhang" etablierte sich in seiner Entstehungsgeschichte als Metapher für die Blockbildung im Sinne der politischen, wirtschaftlichen und militärischen Abschottung der staatssozialistischen Länder Mittel- und Osteuropas nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und wurde in diesem ideologischen Kontext auf westlicher Seite verwendet.

Der "Eiserne Vorhang" wird in diesem Zusammenhang als einer der „unverzichtbaren Begriffe im Vokabular des Kalten Krieges“ beschrieben. Untrennbar verbunden ist die Metapher mit der – in Zeiten des "Kalten Kriegs" im Westen geläufigen – Bezeichnung für die technischen Grenzbefestigungen, die die staatssozialistischen Länder (mit Ausnahme Jugoslawiens) vom Rest Europas trennten. Diese wurden seit Ende der 1940er-Jahre errichtet, existierten bis Ende der 1980er-Jahre und fanden insbesondere in die kartographische Darstellung Europas Eingang. Kartographische Visualisierungen der Systemgrenzen wurden vor allem in Schulbüchern und (Schul-)Atlanten gezeigt, dieses "Mapping Europe" war somit Bestandteil des Kanons der visuellen Repräsentationen.

Demokratiezentrum http://www.demokratiezentrum.org/index.php?id=1580


"Landkarte Europas"
Demokratiewebstatt der Parlamentsdirektion

https://www.demokratiewebstatt.at/thema/thema-die-oeffnung-des-eisernen-vorhangs/oesterreichs-rolle-im-geteilten-europa/die-grenze-zu-oesterreich/

Auf diese Art markierten die Landkarten Europas auf bildliche Weise die klar gezogene Differenz zwischen Systemgrenzen, also die Grenze zwischen den Bündnisblöcken in Europa. Nach dem Ende des Ost-West-Konflikts und dem "Fall des Eisernen Vorhangs" ging der Begriff als Bezeichnung für das Grenzsystem in den gesamteuropäischen Sprachgebrauch über.

Ursprüngliche Bedeutung "Eiserner Vorhang"

In seiner originären Bedeutung charakterisiert der eiserne Vorhang einen feuersicheren und rauchdichten Vorhang im Theater, der bei Feuergefahr die Bühne gegen den Zuschauerraum abschließt.


"Wien I, Burgtheater, Mauer unter dem Eisernen Vorhang, Grundrisse und Aufriß"
Grundriss Carl von Hasenauers (1833 - 1894 Wien)
Aus der Sammlung der Albertina, Wien

Eiserner Vorhang des Wiener Burgtheaters


"Wien 1, Akademietheater Eiserner Vorhang."
Entwurf von Zülow: Wiener Heldenplatz von der Hofburgloggia gegen das Rathaus, 1911
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Eiserner Vorhang des Wiener Akademietheaters

Weitere Verwendungen des Begriffes "Eiserner Vorhang"

Zwar prägte Churchill den "Eisernen Vorhang" als politische Metapher, diese wurde allerdings als Synonym für eine unüberwindbare politische Grenze bereits Anfang des 20. Jahrhunderts in mehreren literarischen Werken erwähnt, wobei vor allem die Schriftsteller Philipp Snowdon, Vasily Rozanov und Lev Nikulin den Begriff mit den Folgen der russischen Revolution und dem bolschewistischen Russland versus Europa kontextualisierten. Im Zusammenhang mit einer wachsenden sowjetischen Einflusszone in Europa wurde der Eiserne Vorhang mehrmals in der NS-Zeitung „Das Reich“ sowie in einem darin veröffentlichten Artikel Joseph Gobbels’ 1945 verwendet.
Texte: Petra Mayerhofer, Demokratiezentrum

Der "Eiserne Vorhang" als hochgerüstete Grenzsperre wurde ab Ende der 1940er-Jahre an den Grenzen Ungarns zu Österreich, der damaligen Tschechoslowakei zur damaligen BRD und zu Österreich, Bulgariens zu Griechenland und zur Türkei und an der damaligen innerdeutschen Grenze von der DDR errichtet. In Skandinavien war die Grenze zwischen der damaligen Sowjetunion und Norwegen beziehungsweise Finnland zwar geschlossen und streng bewacht, es gab aber keine Grenzanlagen wie in Mittel- und Südosteuropa.


"Grenzöffnung Österreich - Ungarn"
Linschinger, Franz
Der Rest vom Eisernen Vorhang bei Hegyeshalom, 1989
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Hierbei ist zu erwähnen, dass ab 1949 auch die Grenzen zwischen den einzelnen staatssozialistischen Ländern geschlossen, aber nicht befestigt wurden. Die technischen Abriegelungen entlang der Grenze wurden je nach Staat Ende der 1940er-Jahre, zu Beginn der 1950er-Jahre gebaut, zum Beispiel wurden in Ungarn 1948 die Grenze und die Grenzzone gesperrt, ab 1949 wurden Drahthindernisse errichtet und Minenfelder gelegt.


"Triebwagen der ÖBB"
Harry Weber
Triebwagen der ÖBB Baureihe 5041 (ex BBÖ VT 41/DRB C4ivT 880--889) fährt nach Schattendorf-Loipersbach durch die Grenzsicherungen.
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek


"Eiserner Vorhang, 1952"
Herbert Kofler
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek sowie der Europeana

Der Mauerbau

Die innerdeutsche Grenze wurde mit Stacheldrahtverhauen, Sichtblenden, Minenfeldern, Hundelaufanlagen und Selbstschussautomaten versehen, in Berlin trennte ab 1961 die Berliner Mauer den West- und den Ostteil der Stadt.


"Berlinermauer, Bethaniendamm "
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In der Nacht von 12. auf 13. August 1961 begannen Grenzpolizisten der DDR (Deutsche Demokratische Republik) Straßen und Geleise in die Westzonen Berlins abzuriegeln, Verkehrsverbindungen zu unterbrechen, an einigen Stellen Mauern zu errichten und quer durch die Stadt Stacheldraht zu ziehen. Es entstand eine drei Meter hohe Mauer quer durch und rund um West-Berlin.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war Deutschland in vier Besatzungszonen aufgeteilt, ebenso die Hauptstadt Berlin, die von den USA, Großbritannien, Frankreich und der Sowjetunion gemeinsam verwaltet wurde. Doch von Anfang an gab es Spannungen zwischen den alliierten Siegermächten – vor allem zwischen den USA und der Sowjetunion – die schließlich zum Kalten Krieg führten.
1949 entstanden im besetzten Deutschland zwei Staaten: Die drei West-Zonen gründeten die Bundesrepublik Deutschland (BRD) mit der Hauptstadt Bonn. Die sowjetisch besetzte Ost-Zone errichtete die Deutsche Demokratische Republik (DDR), die, obwohl sie die Demokratie in ihrem Namen trug, von der obersten Partei- und Staatsführung diktatorisch geführt wurde. Die DDR machte Ost-Berlin zu ihrer Hauptstadt. Der Westteil der Stadt stand weiterhin unter dem Schutz der westlichen Siegermächte USA, Frankreich und Großbritannien.
Zu Beginn der Teilung Deutschlands konnten die Menschen die Grenze zwischen der DDR im Osten und der BRD im Westen ungehindert überqueren. In Berlin kam es vor, dass manche Menschen im Ost-Teil der Stadt wohnten und im West-Teil arbeiteten oder umgekehrt.

Während die BRD einen steilen wirtschaftlichen Aufschwung erlebte und es den Menschen im Westen gut ging, kämpfte die DDR mit wirtschaftlichen Problemen. Viele beschlossen daher, die DDR zu verlassen und für immer im Westen zu bleiben. Das war für die DDR ein Problem, denn es fehlten mehr und mehr Arbeitskräfte. Die oberste Partei- und Staatsführung der DDR beschloss daher, die Menschen daran zu hindern, das Land zu verlassen. Sie errichtete entlang der Grenze Sperranlagen: Wachtürme wurden gebaut und Soldaten stationiert, Minen verlegt und Selbstschussanlagen aufgestellt. Wer die Grenze überqueren wollte, riskierte sein Leben.

Mit dem Bau der Berliner Mauer wurde das letzte „Schlupfloch“ zwischen dem Osten und dem Westen dicht gemacht. Durch die Berliner Mauer war der Osten Berlins total vom Westen abgeriegelt. Aus dem Osten führte kein Weg mehr in den Westen. Dennoch versuchten viele Menschen aus der DDR in den Westen zu fliehen. An der Berliner Mauer starben in den Jahren 1961 bis 1989 136 Menschen.

Texte: Demokratiewebstatt, Weiterführendes auf " https://www.demokratiewebstatt.at "

Grenzbefestigungen, Ungarn Aufstand, Andau

Bilder dieser Grenzbefestigungen zeigen ein Abriegelungssystem, welches bis 1989 technisch ausgebaut wurde. Bis in die 1980er-Jahre wurden die Hürden immer ausgefeilter, ein elektronisches Signalsystem, Stolperdrähte, Signalraketen, Detektoren, Suchhunde, Nachtsichtgeräte, Infrarotsignalapparate und Hubschrauber wurden eingesetzt, um Flüchtende aufzuhalten. Um das technische Abriegelungssystem des "Eisernen Vorhangs" gab es eine Grenzzone, die Personen nur mit Sondererlaubnis zugänglich war. Der "Eiserne Vorhang" teilte somit Städte, schlug Schneisen durch Landschaften und stellte aufgrund seiner Existenz eine „Hervorbringung einer Differenz im Raum“ dar. Der Ost-West-Konflikt wurde durch die Existenz des Grenzsystems im öffentlichen Raum offensichtlich vor Augen geführt.


"Am Eisernen Vorhang"
Niemandsland auf der ehemaligen Bundesstraße von Laa an der Thaya nach Hevlin. Tschechischer Grenzpolizist zwischen den Sperren.
United States Information Service (USIS)
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Art und Weise der Grenzbefestigung durchliefen allerdings je nach Staat und weltpolitischen Determinanten Phasen der Abrüstung wie der Aufrüstung. Die Grenzverläufe waren unterschiedlich stark mit Abriegelungsanlagen befestigt, was dazu führte, dass Fluchtwillige versuchten, in anderen sozialistischen Ländern den "Eisernen Vorhang" zu überwinden.

Gelockerter Eiserner Vorhang, Europeana, 9. Juni 1964
https://www.europeana.eu/portal/en/record/2022039/11088_de_bo133_62206.html?q=Eiserner+Vorhang#dcId=1574148355723&p=1
Link zu Europeana, im Dokument auf Seite 2 nachlesbar

Bis 1975 war die Reisefreiheit zwischen den Systemgrenzen extrem eingeschränkt, eine Ausreise in den Westen nicht möglich, eine Einreise in den Osten wurde nur gegen Vorlage von Devisen gestattet. Erst nach der KSZE-Schlussakte der Konferenz in Helsinki 1975 wurde eine Emigration aus dem Osten aus familiären und humanitären Gründen erlaubt, Ausreisewillige mussten einen diesbezüglichen Antrag stellen, wurden aber als undankbare Feinde des Staates angesehen. Fluchtversuche wurden angesichts der ständigen Modernisierung und Erweiterung der Grenzanlage immer schwieriger, beispielsweise wurden an der Grenze zwischen Österreich und Ungarn zwischen 1966 und 1988 13.500 Fluchtversuche registriert, lediglich 300 Ungarn und Ungarinnen gelang die Flucht. Fluchtversuchen wurde mit stetigem Ausbau und fortlaufender Modernisierung der Grenzanlagen begegnet. Beispielsweise wurde entlang der ungarisch-österreichischen Grenze aufgrund von Versuchen, einen Tunnel unter den elektronischen Zaun zu graben, ab 1975/76 dieser unterirdisch zubetoniert, eine Art „Ungarische Mauer“ entstand.


"Ungarn 1956"
Flüchtlinge aus Ungarn im Grenzort Andau.
Fotografie, Harry Weber
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Als Symbol einer geglückten Überwindung des "Eisernen Vorhangs" gelten die Bilder von der Massenflucht im Zuge des Ungarn-Aufstandes 1956. Am 4. November 1956 setzte eine Massenfluchtbewegung ein, insgesamt kamen rund 200.000 Flüchtlinge nach Österreich. Rund 70.000 Ungarn kamen durch den „Einser-Kanal“, einen schmalen Durchfluss zum Neusiedlersee, in der Nähe des österreichischen Ortes Andau nach Österreich. Über den Einser-Kanal erstreckte sich – noch auf ungarischem Hoheitsgebiet – auch die „Brücke von Andau“, ein Holzgerüst, das am 21. November 1956 von sowjetischer Seite gesprengt wurde, um den Flüchtlingsstrom zu stoppen.


"Ungarn 1956"
Notquartier für geflüchtete Ungarn in der Volksschule von Andau nach der Niederschlagung des Volksaufstandes.
United States Information Service (USIS), 1956
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Der Mythos „Brücke von Andau“ im Sinne eines Tores in die Freiheit korrespondierte mit dem traditionellen Selbstbild der beiden mitteleuropäischen Staaten Ungarn und Österreich im Sinne einer Verbindung zwischen Westen und Osten.

Texte: Petra Mayrhofer, Demokratiezentrum
Weiterführende Texte und Bilder auf "http://www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europa-im-wandel-1989-und-die-folgen.html"

Berliner Art Week AUSSTELLUNG im Gropius Bau - Durch Mauern gehen

Zum 30. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer untersucht die Gruppenausstellung Durch Mauern gehen auf Teilung und Spaltung basierende Machtstrukturen und richtet den Blick auf die damit verknüpften Erfahrungen und Auswirkungen auf individueller und kollektiver Ebene.

Diese künstlerische Auseinandersetzung findet derzeit im Gropius Bau in Berlin statt, die im September im Rahmen der Berliner Art Week eröffnet wurde und bis 19. Jänner zu sehen ist.

Die Ausstellung versammelt Arbeiten von 28 internationalen Künstlerinnen und Künstlern und umfasst eine Vielzahl von Medien wie Malerei, Skulptur, Fotografie, Film, Audioinstallation, ortsspezifische Intervention und Performance.

Mit Arbeiten von Marina Abramović und Ulay, José Bechara, Sibylle Bergemann, Tagreed Darghouth, Jose Dávila, Willie Doherty, Smadar Dreyfus, uvm.


"Durch Mauern gehen"
Foto: Dominik Nostitz
Ausstellung "Durch Mauern gehen" im Gropius Bau, Berlin


"Durch Mauern gehen"
Foto: Dominik Nostitz
Ausstellung "Durch Mauern gehen" im Gropius Bau, Berlin


"All along the Watchtower"
von Nadia Kaabi - Linke
Foto: Dominik Nostitz
Ausstellung "Durch Mauern gehen" im Gropius Bau, Berlin


"All along the Watchtower"
Ausstellungstext zu all along the Watchtower von Nadia Kaabi - Linke
Foto: Dominik Nostitz
Ausstellung "Durch Mauern gehen" im Gropius Bau, Berlin

https://www.berlinerfestspiele.de/de/berliner-festspiele/programm/bfs-gesamtprogramm/programmdetail_274530.html

Diverse Links und Berichte

Bericht im Chronikteil des Kuriers:
https://kurier.at/chronik/burgenland/juni-1989-wie-menschen-an-der-grenze-die-ereignisse-erlebten/400530916
Karte EUROPE Eiserner Vorhang _ Kurier

Mit dem RAD entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs

Bericht im Standard:

Iron Curtain Trail Karte, DerStandard
https://www.derstandard.at/story/2000005313905/elektrifiziertes-rad-statt-eiserner-vorhang
Website des beschriebenen Projekts:
https://www.eurovelo.at/ev13.html

Oder auch leicht skuril anmutende Erfahrungen in einem Grenzgefängnis..
In Tschechien gibt es das Museum des Eisernen Vorhangs
http://www.muzeumopony.cz/de/

Aus der Fotosammlung des Weltmuseums


"Bucharische Juden"
„Bucharische Juden“ aus der Serie „Ansichten und Volkstypen aus Transkaspien“
Alexander Karlowitsch Engel, Datierung vor 1891, (Frühestes Datum 1871, Spät. 1890)
Aus der Fotosammlung des Weltmuseum Wiens

Ende des 19. Jahrhunderts fallen nur wenigen europäischen Reisenden nach Russisch-Zentralasien die dort lebenden Juden auf. In vielem haben sie sich, geltender Bekleidungsvorschriften zum Trotz, den sie umgebenden Tadschiken und Usbeken angepasst. Zu Hause in den eigenen Wohnvierteln lebt man jüdisch, in der Öffentlichkeit nicht. Die Einrichtungsgegenstände für ihre Häuser kaufen die Juden bei den muslimischen Handwerkern auf den städtischen Basaren. Muslime lassen sich bei jüdischen Wunderheilern behandeln. Ihren Glauben leben die bucharischen Juden diskret. Der Name der Stadt Buchara, ihres geistigen Zentrums, wird zum Sammelbegriff für die Juden Zentralasiens.

Der Legende nach kehrt nach dem Ende der babylonischen Gefangenschaft im 8. vorchristlichen Jahrhundert ein Teil der Juden nicht ins Heilige Land zurück. Stattdessen ziehen sie über Persien nach Zentralasien, wo sie sich entlang der Seidenstraße niederlassen. Persisch wird ihre neue Muttersprache; das Hebräische bleibt auf das Rituelle beschränkt. Mehr als 2.000 Jahre leben sie nahezu abgeschnitten vom Rest der jüdischen Welt. Mit der Zeit schwindet auch das Wissen über die religiösen Regeln, bis 1793 der aus Marokko stammende Rabbiner Yosef ben Moshe Maimon in Buchara hängenbleibt und den dortigen Juden Nachhilfe leistet. Er lässt für sie Bücher kommen und lehrt sie die Riten der Sephardim, der Nachfahren der 1492 aus Spanien und Portugal vertriebenen Juden. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs zwingen prekäre ökonomische Verhältnisse, mangelnde Perspektiven und fehlende Heiratspartner die bucharischen Juden zum Exodus nach Israel, in die Neue Welt oder nach Europa. In den Städten Zentralasiens leeren sich die Synagogen und verfallen. Die größte europäische Gemeinde der bucharischen Juden lebt heute in Wien. Sie zählt an die 2.000 Mitglieder.

Von der Mauer zur Kette - Der Balitsche Weg - The Baltic Way: the day holding hands changed the world

Eine der spannendsten friedlichen Demonstrationen in der Geschichte der Menschheit war wohl der „Baltische Weg“.
Am 23. August 1989 bildeten zwei Millionen estische, lettische und litauische Hände die längste menschliche Kette der Geschichte. Die Baltische Kette oder der Baltische Weg (litauisch Baltijos kelias, lettisch Baltijas ceļš, estnisch Balti kett, Letzteres wörtlich Baltische Kette) war 650 Kilometer lang und verlief durch die Baltischen Staaten und Hauptstädte – Tallinn in Estland, Riga in Lettland und Vilnius in Litauen. Es war die größte friedliche Demonstration in der Geschichte der Sowjetunion, die den 1939, 50 Jahre zuvor entstandenen Molotov – Ribbentrop Pakt zwischen Hitler und Stalin, der zur Besetzung der Baltischen Staaten führte, anprangerte. Der Baltische Weg symbolisierte den Wunsch nach Freiheit, zeigte deutlich die Bereitschaft zu Solidarität unter den Baltischen Ländern und war ein sehr deutliches Signal nach dem Wunsch nach Freiheit und Unabhängigkeit.

Litauen erklärte als erstes Land seine Unabhängigkeit von der Sowjetunion.
Der 23. August ist der offizielle Tag „Black Ribbon Day“ oder der Europäische Tag an die Erinnerung der Opfer des Stalinismus und Nationalsozialismus.

Es ist der europäische Gedenktag an die Opfer von totalitären Diktaturen in Europa im 20. Jahrhundert.
Am 23. September 2008 haben 409 Mitglieder des Europäischen Parlaments eine Erklärung zur Unterstützung der Errichtung des Gedenktages unterzeichnet. Am 2. April 2009 wurde eine Entschließung zur Ausrufung des Tages mit 533 Stimmen (44 contra und 33 Enthaltungen) angenommen.
http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?reference=P6_TA(2008)0439&language=DE

Jeder vierte aus den Baltischen Ländern nahm am Baltischen Weg teil, oft gleich mehrere Generationen aus einer Familie.
Dokumente des Baltischen Weges wurden in das Weltdokumentenerbe der UNESCO 2009 aufgenommen.


Der Baltische Weg
Foto Frank Drauschke
Aus der Sammlung der Europeana

Im August 1989 trampte Frank Drauschke durch das Baltikum und erfuhr auch von der geplanten Menschenkette von Tallinn über Riga nach Vilnius. Da er zu diesem Zeitpunkt in Lettland war, fuhr er nach Riga und nahm am 23. August 1989 am Baltischen Weg im Zentrum von Riga teil. Seine Fotos zeigen die Menschenkette und die darauf folgende Demonstration am Freiheitsdenkmal in Riga. Später erfuhr er, dass seine erste freie Demonstration auch die größte friedliche Demonstration in der Geschichte gewesen war. Über 2 Millionen Menschen reichten sich am 23. August 1989 um 19 Uhr die Hand und bildeten eine Menschenkette auf einer Strecke von über 600 km durch alle drei baltischen Staaten, die damals noch Sowjetrepubliken waren. Das Signal für die Kette wurde über das Radio gegeben. Sie demonstrierten zum 50. Jahrestag des Hitler-Stalin Paktes für die Wiederherstellung der Unabhängigkeit von Estland, Lettland und Litauen.
Europeana 1989 - Berlin, 12-13.09.2014

https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/der-baltische-weg-1660320

Menschenkette als Demonstrationssymbolik:
Nach 30 Jahren wiederholt sich Geschichte in gewissen Teilaspekten, bzw. unter Heranziehung von Erfahrungen vorhergehender Demonstrationen wie heuer im Libanon.

https://orf.at/stories/3142302/