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Donnerstag, 29. November 2018


Donnerstag, 29. August 2019 um 13:16:10 von Kulturpool Redaktion

Kulturerbe Wachau

Anlass
Anlass: Weltkulturerbe

Die WACHAUdie fortbestehende Landschaft

Im Jahr 2000 wurde die Wachau in der Kategorie „Kulturlandschaft“ in die UNESCO Liste für Weltkulturerbe aufgenommen. Damit trägt diese Region ein spezielles Siegel, das sie inzwischen mit 1120 anderen Städten in 167 Ländern der Welt teilt (Stand: Herbst 2019). Das Land Österreich verpflichtet sich durch seine Aufnahme, diesem verbindlichen Status Rechnung zu tragen und im Sinne der Welterbe-Konvention die jeweiligen Stätten und Denkmäler zu bewahren und zu schützen. Als verantwortliche Instanz gegenüber der UNESCO tritt das Bundeskanzleramt auf und übernimmt Überwachung und Umsetzung der Konvention mit Unterstützung der UNESCO Kommission sowie für die Wachau auch von der Kulturabteilung des Landes Niederösterreich. Die besonderen Merkmale und die charakteristischen Erscheinungsbilder sollen durch nationale Schutzmaßnahmen und entsprechende Pflege, Verwaltung und Umsorgung für zukünftige Generationen erhalten werden. Seit 1992 ist Österreich ein Teil der Konvention, bis dato sind in Österreich 10 Stätten in die Welterbeliste aufgenommen worden.

https://www.unesco.at/kultur/welterbe/unesco-welterbe-in-oesterreich/

„Die Wachau wird im Sinn der Richtlinien als fortbestehende Landschaft gesehen, welche nach wie vor von einer Kultur geprägt wird und ihre traditionelle Lebensweise fortführt. Kultur und Landschaft beeinflussen einander nach wie vor und tragen das Ihre zur laufenden Entwicklung der Landschaft bei“ (www.weltkulturerbe-wachau.at)


"Wachau"
Gustav Jahn, (Österreich, 1879 - 1919)
K. K. Hof- und Staatsdruckerei Wien (Druck) (Österreich, 1804 - 1918)
Aus der Plakatsammlung der Albertina


"Das Schwedentor bei Spitz/Wachau, Rotes Tor"
Ulf Seidl/ Würthle & Sohn
Aus der Topographischen Sammlung der Niederösterreichischen Landesbibliothek

Um den Begriff „fortbestehende Landschaft“ etwas zu verdeutlichen, darf erzählt werden, dass sich die Bezeichnung Wachau (in der Schreibweise Vuachoua) bereits in einer Urkunde Kaiser Ottos I. aus dem Jahr 972 finden lässt. Zeugnisse menschlicher Besiedelung lassen sich weit über das frühe Mittelalter und die Römerzeit hinaus nachweisen, denn die zwei ältesten Fundstücke des Landes, die jeweils um die 30.000 Jahre alte Venus von Willendorf sowie die Venus von Galgenberg wurden beide bei Ausgrabungen in der Wachau entdeckt. Durch ihr mildes Klima übt die Wachau seit Jahrtausenden den besonderen Reiz eines günstigen Lebensraums auf ihre BewohnerInnen aus, der zu ihrer nachhaltigen und fortbestehenden Besiedelung beitrug.


"Spitz Rotes Tor mit Durchblick auf den Bildstock"
Spitz an der Donau
Österreichische Lichtbildstelle
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek/ Lichtbildstelle

Zu den Voraussetzungen einer „fortbestehenden Landschaft“ meint der mit Fragen des Welterbes sich befassende internationale Experte der ICOMOS Henry Cleere:

"Eine Landschaft, die zum Zeitpunkt ihrer Eintragung in die Welterbeliste in ihrem damaligen Zustand "eingefroren" ist, kann logischerweise gar keine "fortbestehende Landschaft" sein." Daraus folgt, dass eine Auszeichnung als Welterbe gelebt werden muss. Eine Eintragung in die Liste des Welterbes ist mit keinerlei Gesetzes- oder Verordnungscharakter verbunden, es werden keine neuen Kompetenzen eingeführt. Das bisherige Regelwerk auf bundes- und landesgesetzlicher Ebene bleibt vollinhaltlich aufrecht. (www.weltkulturerbe-wachau.at)

Die Wachau wurde bereits 1955 zum Landschaftsschutzgebiet erklärt! Dies sind neben natur- und umweltschutzbezogenen Überlegungen auch Maßnahmen, um einen wirtschaftlichen Aufschwung vorwiegend durch Tourismus zu erwirken. Es zählt das allgemeine Erscheinungsbild, eine Art Ensembleschutz mit geringeren Auflagen wie in der Kategorie Naturschutz, dafür meist großflächiger angelegt. Der Flächenumfang der Wachau bemisst sich mit ca. 20.000 Hektar, davon nimmt ca. 10% der Flächen der für die Region essenzielle Weinanbau in Anspruch.


"Weinbergoaß für ein Wachauer Winzerfest"
Brühlmeyer, Hermann, 1950
Österreichische Lichtbildstelle
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek/ Brühlmeyer


"Weißenkirchen in der Wachau"
Wiener Werkstätte
Aus der Topographischen Sammlung der Niederösterreichischen Landesbibliothek

Die Wachau - ein Durchbruchstal


"Burg Aggstein an der Donau"
Hans Lutonsky
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek/ Lutonsky

Die Wachau erstreckt sich über 36 Kilometer entlang des Donauverlaufes von dem Westen bei Melk bis in den Osten bei Stein und Mautern. Danach fließt die Donau durch das angrenzende Kremstal und Tullnerfeld. Ein weiteres besonderes Merkmal der Wachau ist der Schnitt des Donauflusses durch die Südspitze der Böhmischen Masse. In der Geologie nennt man eine Einkerbung, die ein querender Fluss durch einen Bergzug zieht, ein Durchbruchstal. Der Wachauer Abschnitt der Donau ist ein solches, denn die Ausläufer der Böhmischen Masse beim Dunkelsteinerwald sind durch den Fluss im Nordosten vom Waldviertel getrennt, das Teil dieses Gebirgszuges ist und somit eine Grenze zu einer weiteren niederösterreichischen Viertellandschaft darstellt: dem Mostviertel im Südwesten.

Neben der Kulturlandschaft Wachau sind auch die Benediktinerstifte Melk und Göttweig sowie die Altstadt Krems als Weltkulturerbe in die Liste aufgenommen worden.


"Jacob Mayer, Schweiz, in Wien tätig um 1827-1832"
Aquarell, über Bleistift
Aus der Graphischen Sammlung der Albertina Wien


"Dürnstein an der Donau / Wachau / Niederösterreich"
Lorenz Janscha (Künstler_in) (Radmannsdorf (Krain) 1749 - 1812 Wien)
Johann Ziegler (Stecher_in) (Meiningen um 1750 - um 1812 Wien)
Aus der Graphischen Sammlung der Albertina Wien


"Dürnstein an der Donau / Wachau / Niederösterreich"
Risch-Lau
Aus der Sammlung Risch-Lau der Vorarlberger Landesbibliothek

Eine ganze Palette an landschaftlichen und kulturellen Reizen hat sich in dieser Gegend zusammengefunden, die verstehen lassen, warum diese Landschaft über Jahrtausende ihre Anziehungskraft auf den Menschen nicht verloren hat. Die von den Römern bereits überlieferten Techniken des Weinanbaus haben sich über Jahrhunderte weiterentwickelt, begünstigt durch die milden klimatischen Gegebenheiten, dem besonderen Boden mit seinen charakteristischen Weinterrassen auf den mit Höhen von rund 200 Metern sehr niedrig und für eine nachhaltige Bewirtschaftung und Pflege günstig gelegenen Hängen. Auch diese Art von überlieferten Kultur- und Keltertechniken darf man zum Kulturerbe zählen, dem Immateriellen.

Ähnliches gilt neben der Traube auch für die Marille, Apfel und weitere Obstsorten, die in der Wachauer Gegend ihren speziellen Geschmack entfalten und in den verschiedensten Veredelungen und Bearbeitungen auf den Märkten nachgefragt werden. Der Obst- und Weinanbau ist seit Jahrhunderten hier eben auch ein Wirtschaftsfaktor. Auch das eine Art Auszeichnung und Garantie für eine „fortbestehende Landschaft“.


"außerhalb Hundsheim a. d. Donau, Wachau"
Stoitzner
Aus der Topographischen Sammlung der Niederösterreichischen Landesbibliothek

Die markanten schroffen Felsen, das gewundene Donautal, die seit der Römerzeit über das frühe Mittelalter entstandenen Wehrtürme, die mittelalterlichen Burgen und Festungen, die imposant gelegenen barocken Benediktiner-Stifte sowie die Felder und Obstgärten, die den Landschaftszug auszeichnen, ergeben ein beeindruckendes Ensemble.

Die Wachau - Seit 30.000 Jahren ein Anziehungspunkt

Seit der Steinzeit lebt der moderne Mensch in der Wachau. Die beiden ältesten Kunstwerke aus Österreich mit ihren Fundstellen in der Wachau bezeugen, dass diese Region bereits vor 30.000 Jahren im sogenannten Jungpaläolithikum (von griech. παλαιός (palaios) „alt“ und λίθος (lithos) „Stein“, der Zeitraum von vor etwa 40.000 Jahren bis zum Ende der letzten Eiszeit um etwa 9700 v. Chr.) einen nachhaltigen Lebensraum für menschliche Besiedlung geboten hat.

In der bisherigen Forschung stellt dies die Zeit der Einwanderungswelle des anatomisch modernen Menschen (homo sapiens) in das zuvor nur von Neandertalern bewohnte Europa dar. Die zwei figürlichen Frauendarstellungen, die Venus von Willendorf und die Venus vom Galgenberg stammen aus dieser Zeit. Es heißt, dass sich der moderne Mensch sehr rasch über ganz Europa verbreitet hat, diejenigen, die es in die Wachauer Gegend verschlagen hat, wollten anscheinend von dort - aus inzwischen verständlichen Gründen - nicht mehr weg- oder weiterziehen.

(Zu dem Thema der ersten Einwanderungswelle des homo sapiens nach Europa beschäftigen sich derzeit einige europäische Forschungsgruppen. Ihre These geht davon aus, dass der moderne Mensch bereits viel früher, schon vor 150.000 Jahren nach Europa gekommen sein soll)


"Venus von Willendorf" und "Venus von Willendorf, Rücken"
Kultfigur aus der Wachau (25.000 v. Chr. entstanden, 1908 von Archäologen ausgegraben)
Szombathy, Josef, 1908
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek/ Szombathy

In jedem Fall stellt die aus Kalkstein geformte Wachauer Venus einen phänomenalen Fund dar, wie auch in der Beschreibung des Naturhistorischen Museum Wiens, das die Venus von Willendorf aufbewahrt, zu lesen ist:

Das bedeutendste Sammlungsobjekt des gesamten Hauses und zugleich einer der berühmtesten archäologischen Funde der Welt ist die ca. 29.500 Jahre alte Venus von Willendorf. Sie wurde am 7. August 1908 bei Ausgrabungen unter der Leitung von Josef Szombathy, dem damaligen Kurator der Prähistorischen Sammlung des k. und k. Naturhistorischen Hofmuseums, und den mit der Durchführung der Ausgrabung betrauten Prähistorikern Hugo Obermaier und Josef Bayer im niederösterreichischen Willendorf in der Wachau gefunden. Die 11 cm hohe, mit Rötel gefärbte Frauenfigur wurde beim vorsichtigen Untersuchen eines Fundhorizontes vom Arbeiter Johann Veran entdeckt. (Naturhistorisches Museum)


"Willendorf i. d. Wachau"
Hugo Darnaut
Lösswand bei Willendorf
Naturhistorisches Museum Wien


"Willendorf i. d. Wachau"
Die Fundstelle der "Venus I" (vordere Figur) und "Venus II" (hintere Figur) vor Beginn der Grabung 1927
Aus der Topographischen Sammlung der Niederösterreichischen Landesbibliothek

Was die Figur eigentlich darstellen soll, ist in der Forschung umstritten. Ob Erotika, Fruchtbarkeitssymbol und Götterstatue, hier scheiden sich die Geister. Ganz klar jedenfalls als Frau dargestellt, darüber hinaus gibt es eine Vielzahl an Deutungen. Eine ganze Reihe weiterer relativ vollständiger Statuetten wurden in den 1920er und 1930er Jahren unter anderem in den Pyrenäen (Frankreich), Kostienki (Russland) und in Mähren (Tschechien) gefunden. Die Venus von Willendorf gehört jedoch zu den bekanntesten aller Venus-Figuren.

"Die Venus ist wissenschaftlich ein wertvoller Fund, weil wir das Gefühl haben, über sie in die Gedankenwelt der eiszeitlichen Menschen eindringen zu können - was uns natürlich nur in sehr bescheidenem Maße gelingt", so Antl-Weiser.

Wachau in der Sommerfrische

In Italien spricht man von „prendere il fresco“ (die Frische= eine Abkühlung nehmen), plant man einen Spaziergang. Der deutsche Begriff „Sommerfrische“ leitet sich angeblich aus dem Südtiroler Raum ab, wonach die BürgerInnen des sommerlich heißen Talkessels Bozen in den hitzigen Sommermonaten auf ihren Hausberg, dem Ritten, zogen, dort ihre Häuser bauten, die in der Kühle des Mittelgebirges den Sommer erträglich werden ließen.

„frisch(e), f. ebenda, das in diesem sinne schon aus dem 17.
jahrh. bezeugt ist: wo die statt Bozen ire refrigeria oder frischen halten.“

Aus dem Wörterbuch der Brüder Grimm

Als Zielpunkt für den seine Sommerfrische suchenden Gast ist die Wachau schon seit über 100 Jahren eine beliebte Destination.
Das milde Klima, der gute Wein, das frische Obst, die vielen Möglichkeiten der Erkundungen der Gegend mit seinen geschichtlich interessanten Orten, einigen spannenden Kunstinstallationen, der Vielzahl an Fortbewegungsvarianten wie Rad, Schifffahrt und Fähre oder Wanderwege laden ein, diese besondere Kulturlandschaft tageweise, übers Wochenende oder auch über einen längeren Zeitraum besser kennenzulernen.

Die vielen Weingüter und Gasthöfe versprechen auf vielfältige Weise die gewonnenen Eindrücke zu vertiefen und zu verinnerlichen. Eines der wichtigsten Kulturgüter der Wachau ist seit Jahrhunderten der Wein.

Die Römer kamen, säten und kelterten

Es waren die Römer, die das Wissen rund um das Handwerk des Weinbaus, wie das Veredeln und Kultivieren sowie das Können, Rebstöcke zu bearbeiten in die Gegend brachten.


"Der heilige Serverin heilt den Sohn eines Edelmannes vom Hof des Rugier-Königs Flaccitheus"
Feder- und Pinselzeichnung in Braun mit Weißhöhungen von Karl Ruß
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Die „Gedenkschrift“ (Commemoratorium) des Hl. Severin, die als Vita Severini eine wichtige Quelle des römischen-frühmittelalterlichen Alltags darstellt und Dank seines Schülers Eugippius im Jahr 511 n.Chr. vollendet wurde, bietet eine Vielzahl an Informationen über das Leben in dieser Gegend zur Zeit des Frühmittelalters. Er berichtet von Rebkulturen und dem Weinbau in der Wachau. Er erzählt von Wochenmärkten der Rugier am nördlichen Donauufer gegenüber „Favianis“, dem heutigen Mautern. Die Rugier waren ein ostgermanisches Volk, das in der Gegend siedelte. Die Römer wohnten in dieser Zeit in befestigten Siedlungen, die aus ehemaligen Kastellen weiter- und umgebaut wurden, um Schutz vor den einfallenden Germanengruppen zu finden. Vor deren Mauern beschreibt der Hl. Severin befanden sich Viehweiden, Felder, Obst- und Weingärten.

Später bauten die großen bayrischen Klöster in vielen Wachauer Ortschaften ihre Lesehöfe. Auch heute noch erinnern die Namen mancher Winzerhäuser an den geschichtlichen Ursprung: Die Erinnerung an das Wirken des Bistums Freising lebt im Freisingerhof fort, Kartäuser und Klosterhof beschreiben auch ihre ursprüngliche Zugehörigkeit sowie viele weitere Höfe ihren Ursprung noch im Namen festschrieben finden.


"Weinbauer in der Wachau"
Rudolf Spiegel, 1938
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Wichtige Ortschaften sind Spitz, Mautern, Rossatz, Dürnstein, Weißenkirchen, Loiben, Joching und Wösendorf, die auf eine Weinanbaufläche von 1.344 Hektar kommen. Die bekanntesten Rebsorten sind der Grüne Veltliner und der Riesling. Über 200 Betriebe sind dem Weinbau verschrieben und produzieren vor allem drei Marken, die sich je nach natürlichem Alkoholgehalt gliedern lassen in die „Steinfeder“ (nach „stipa pennata“, dem Federgras), ein duftiger Leichtwein bis 11, 5 %, weiters die klassische Kategorie der „Federspiel“ (11,5 bis 12,5% Alkohol) sowie der „Smaragd“ (ab 12,5% Alkohol), dem kraftvollen Reservewein. Diese Weine werden ausschließlich trocken und ohne Barriqueeinsatz ausgebaut.

Die Wachauer Nase - Immer der Nase nach:

Von Weißenkirchen nach St. Lorenz gibt es vor allem eine Verbindung: Eine über ein Drahtseil sich über die Donauströmung zum Ufer ziehende Fähre. Die Kraft des Stromes wird erfahrbar und in ein paar Minuten erreicht man die andere Uferseite. Ein Erlebnis für sich.


"Wachau"
Holzflossbau in der Wachau mit Blick stromaufwärts
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

An der Fährstation St. Lorenz angekommen, begrüßt den Gast eine übernatürlich große Nase, die aus der Erde herausragt. Diese Nase ist eine Kunstinstallation der Gruppe Gelatin und lässt eine Vielzahl an Deutungen und Inspirationen in die Sinne kommen.
Für Geschmacksbestimmungen wie der Blume des Weines braucht es eine gute Nase. Auch die unterschiedlichen Düfte der jeweiligen Jahreszeiten sollen bewusster erfasst werden können, in dem das übergroße Riechorgan allein durch seine Präsenz den Passanten anregt, sich auf in der direkten Umgebung verorteten Gerüche und Düfte zu konzentrieren. Dank der überdimensionalen Größe ist die Nase sogar begehbar und lässt sich auch von innen erforschen. Wenn die Donau mal wieder durch Regen oder andere Einflüsse etwas über die Ufer wächst, lässt sich ein Nasenrinnen des Kunstobjektes nicht vermeiden.

Die Form der Nase ist angeblich dem Sohn des Rossatzer Bürgermeisters nachempfunden mit Einflüssen der Nasenformen einer Hamburger Touristin. Eine Hybridnase als Erfolg eines Nasen-Castings mit mehr als 70 Nasen in Begutachtung.


"Nase in St Lorenz"
_https://www.kremskultur.at/de/912-2/_


"Wachauer Nase, Gelatin"
Alice Stori, Blogposting


"Wachauer Nase, Gelatin"
Alice Stori, Blogposting

Es gilt also einiges zu erleben in der Kulturlandschaft Wachau und im Anschluss versteht man das Gütesiegel „Weltkulturerbe“ auf vielen Ebenen anerkennend zu schätzen und zu würdigen. Allein auf einem Sofa durch die Landschaft zu ziehen, könnte eine weitere besondere Form der Wahrnehmung darstellen, um all die Eindrücke aus der Perspektive eines genießend-beobachtenden Auges aufzunehmen.
Hierzu müsste man den Künstler Josef Trattner anfragen, der bekannt ist für seine heimischen und internationalen Sofafahrten, ob er bereit wäre, eines seiner Sofas an der Donau entlang zu führen, was er in regelmäßigen Abständen auch tut.

https://www.kunsthalle.at/de/ausstellungen/13-josef-trattner-donau-sofa-projekt

Seit 2004 bereist Josef Trattner mit seinem rosa gefärbten Schaumstoffsofa europäische Länder wie Rumänien, Bulgarien, Polen und die Türkei. Das Sofa fungiert als Plattform, als Begegnungsort, auf dem der Künstler mit unterschiedlichen geladenen Gästen aus der Kulturszene Gespräche über Leben, Gemeinschaft und Kultur führt. Das Sofa wird zur sozialen Plastik in der Stadt und der Landschaft. Man könnte Trattner als einen nomadischen „SoFisten“ bezeichnen.

Mit dem Begriff des „Sophisten“ wurden im 5. Jahrhundert v. Chr. Wanderlehrer bezeichnet, die ihre Schüler auf humanistischer Weise Rhetorik, Politik, Philosophie und Ethik lehrten. So hat Josef Trattner 2016 seine Sofa-Fahrt am Donauweg vom Schwarzwald bis zum Schwarzen Meer flussabwärts absolviert. Eine Sofa-Flussanlegestelle ist auch Krems gewesen.

Im Rahmen der im Sommer 2019 ausgerichteten Ausstellung Land Art in der Kunsthalle Krems (14.07.–03.11.2019) wird das Donau-Sofa-Projekt mit Film- und Fotodokumentationen präsentiert, begleitet mit Sofa-Veranstaltungen in der Kremser Donau-Region. (Text. Kunsthalle Krems)


"Josef Trattner, Sofafahrten"
Kunsthalle Krems

Freitag, 28. Juni 2019 um 23:39:04 von Kulturpool Redaktion

Der Mensch und die Olive

Anlass
Der Mensch und die Olive

Kurze Geschichte über die Beziehung des Menschen zur Olive

Olivenbäume, eine Studie
Graphische Sammlung der Albertina, Wien

Eine kurze Jungsommerkulturgeschichte zur Olive. Für alle, die sich in dieser Phase des Jahres mit der Olive und dem Geschmack ihrer Kulturgeschichte befassen mögen.

Die Halbinsel Attika wurde einst zum Zankapfel zweier Götter. Pallas Athena, die allbekannte Göttin der Weisheit stritt mit Poseidon, dem Gott des Meeres um die Gunst der BewohnerInnen Attikas, der zu dieser Zeit mächtigsten, einflussreichsten und größten Stadt der hellenistischen Welt.

Der Streit spitzte sich zu, sodass der Göttervater Zeus mit einem Vorschlag einschreiten musste: Wer von den beiden den BewohnerInnen der Stadt das nutzvollere Geschenk erbringen kann, soll der Sieger der Auseinandersetzung sein.

Poseidon zögerte nicht lange und setzte seinen Dreizack ein, stieß ihn tief in den Felsen der Akropolis und bewirkte, dass aus einem so entstehenden Brunnen eine riesige Fontäne hervorstieß. Der Nutzen für die Menschen blieb allerdings beschränkt, da das Brunnenwasser salzig war!

Athena stieß daraufhin eine Lanze in den Boden, auf dem in Folge ein Olivenbaum wuchs. Der Olivenbaum, die kleine immergrüne Pflanze, die in heißen Sommertagen mit sehr wenig Niederschlag überleben kann, daher auch ihr Nimbus der Unsterblichkeit, spendet den Menschen Nahrung, Kraft, Gesundheit und Schönheit! Der Nutzen war nicht von der Hand zu weisen.

Mit dieser Aktion hat Athene den göttlichen Wettstreit eindeutig für sich entscheiden können und die StadtbewohnerInnen zollten diesem Resultat ihren Tribut und nannten die Stadt von nun an Athene. An diesem historisch-mythischen Ort soll immer noch der Olivenbaum stehen und alle weiteren Olivenbäume sich von dem Athenischen herleiten lassen. So die Sage. Das Heiligtum auf der Akropolis ist jedenfalls Athene geweiht. Poseidon muss im Südosten am Kap Sunion mit einem ihm geweihten Tempel vorliebnehmen.


Olivenpflanzungen auf Terrassen in Pirano
Europeana Travel; Österreichische Nationalbibliothek

In diesen Tagen ist es eine andere Stadt, die durch einen Olivenbaum einen Streit eher auslöst als löst! Basel. (Anm. der Redaktion: Es ist der Redaktion nicht bekannt, ob der deutsche Maler Baselitz einen göttlichen Wettstreit gewann und die Schweizer Kulturstadt daher seinen Namen angenommen hat..)


Enzo Enea, Martin Rütsch
“Use/Abuse Bondages”
Unlimited, Art Basel, 2019
„Olivenbaum Unlimited Art Basel” Enzo Eneas

Der Schweizer Landschaftsarchitekt Enzo Enea hat mit seinem Projekt „use/abuse“ in der Eingangshalle zur Unlimited an der heurigen Art Basel acht uralte Olivenbäume aufgestellt, die für mehr Achtsamkeit und Nachhaltigkeit stehen sollen. Naturgemäß entfachte diese Installation einiges an kontroversieller Auseinandersetzung, mit der Frage, ob derartiges Verhalten und Umgang mit der Natur erlaubt sein darf und wirklich für mehr Achtsamkeit und Nachhaltigkeit einsteht oder ob nicht doch etwa das Gegenteil durch derartige Aktionen erreicht wird? Als eine Missachtung der Natur und der Bedürfnisse dieser alten Pflanzen sieht es jedenfalls eine Vielzahl der BesucherInnen.

Der Landschaftsarchitekt selbst meint jedenfalls, dass er niemals einer Pflanze ein Leid zufügen wolle, sondern diese bewusst als Zeichen der Übermacht des Betons in den Städten und als Aufruf zu mehr Grün in den Großstädten zu verstehen sei. Für die Bäume sei es lediglich erträglicher Stress.
Ein Olivenbaum steht jedenfalls im Zentrum der Diskussion um Grenzen der Kunst und des Umgangs mit Pflanzen.

MYTHOLOGIE und SYMBOLISCHE BEDEUTUNG

Tatsächlich spielt der Olivenbaum im ganzen Mittelmeerraum seit mehreren Jahrtausenden eine große Rolle.
Neben dem Getreide und dem Wein stellt die Olive eine weitere elementare Pflanze der Antike dar, die bis jetzt gepflanzt, entwickelt, geerntet und gehandelt wird. Wie das Getreide und wahrscheinlich auch der Wein ist die Olive von Beginn der menschlichen Zivilisation an auch als Begleiter und stummer Zeitzeuge zu betrachten, die den Werdegang der Sesshaftigkeit als prominentes Mitglied unter den Pflanzen begleitete und dem Menschen stets von Nutzen war, wie aus der oben erwähnten Sage schon zu lernen war. Die Forschung geht davon aus, dass über den Nahen Osten die Pflanze in den Mittelmeerraum gelangte.


2. Viertel 5. Jh. v. Chr.
"Olivenhändler"
Kunsthistorisches Museum Wien, Antikensammlung

Wenn die Botanik davon ausgeht, dass bestimmte Olivenbäume über 1000 Jahre alt werden, kann man sich der Vorstellung hingeben, dass wir uns nur drei Baumgenerationen zurückgedacht, mitten in der Antike befinden. In der Zeit der Phönizier, Griechen und Römer. Die Handelsrouten der Phönizier bestimmten sicher auch mit, an welche Orte Pflanzen und Waren verstärkt gelangten.

Um die 1000 vor Chr. war sicher eine Blütezeit der Kultivierung der Olive. Händlervölker wie die Phönizier trugen auch dazu bei, dass im Mittelmeerraum die Olive eine rasche Verbreitung und Anerkennung fand. Die Phönizier als phasenweise vorherrschende Handelsmacht im Mittelmeerraum waren wichtige Förderer bestimmter Waren sowie von Pflanzen und Früchten. Sie segelten fast alle Inseln des Mittelmeeres an, die Küsten des heutigen Italiens und Griechenlands sowie die der Iberischen Halbinsel.


Olivenpflanzungen auf Terrassen in Pirano
Europeana Travel, Österreichische Nationalbibliothek

Auch die Römer pflanzten den Olivenbaum in fast allen ihrer Provinzen an und kultivierten diese Entwicklung nicht nur durch gezielte Saat, sondern auch mittels Verbreitung ihrer Früchte bzw. verarbeitenden Formen wie das Olivenöl. Als Nahrungsmittel oder als Öl für kosmetische Nutzung bzw. als heilende Funktion war die Olive mit den vielen guten Eigenschaften eben auch deshalb so beliebt, weil so vielseitig einsetzbar.

Viele antike Zeugnisse wie Vasen oder Amphoren tragen Abbildungen von Oliven an sich und bezeugen die Funktion, Präsenz und Prominenz der Olive. Mit der Ausbreitung des Römischen Reiches wuchs parallel dazu auch die Verbreitung des Olivenbaumes mit.

KULTIVIERUNG

Die Erwähnung der Olive findet sich in fast allen Kulturen rund um das Mittelmeer. Die ersten Aufzeichnungen, die über Oliven berichten oder eingemeißelt auf Tontafeln zu entdecken sind, werden der mykenischen Kultur zugerechnet, dem Reich des sagenhaften König Minos (ca. 2.500 v.Chr.). Sie deuten auf die Etablierung der Olive in dieser Zeit sowohl als beliebte Frucht als auch als bereits ein wesentlich treibender Wirtschaftsfaktor hin.

Im alten Ägypten finden sich auf Hieroglyphen Abbildungen von Olivenbäumen oder Zweigen. Man geht davon aus, dass der Baum ursprünglich aus Syrien und Palästina in den Mittelmeerraum gelangte und sich seit dann an der Seite der jeweiligen Völker ausbreitete.


442 - 438 v. Chr.
Fragment vom Nordfries des Parthenon, Alte Männer
Kunsthistorisches Museum Wien, Antikensammlung

Mit der Kultivierung der einzelnen mitteleuropäischen Völker fand auch die Olive ihren unaufhaltsamen Vormarsch in die Küchen Europas. Phönizisch, assyrisch, jüdisch, ägyptisch, griechisch überall begegnet man der Olive in Abbildungen, als Teil der Küche oder als Bestandteil religiöser Zeremonien im Hinblick auf die Heilkraft ihres Öles. Das aus der christlichen Liturgie bekannte „Kyrie Eleyson“ erzählt auch von der Heilkraft des Öls, welches als Wortbestandteil in „Eleison“ bereits die Nähe in der Wortentstehungsgeschichte aufzeigt.


Maria Anna Angelika Catharina Kauffmann (Chur 1741 - 1807 Rom)
Die Verwandlung des apulischen Hirten, der über den Reigen der Nymphen spottete, in einen Olivenbaum
Graphische Sammlung der Albertina, Wien

Über die Jahrhunderte blieb die Olive ein zentraler Bestandteil in Erzählungen und Mythen. In Stillleben, auf Vasen, Amphoren und Hieroglyphen, überall konnte sie sich verewigen und sich, vielseitig eingesetzt, als Bestandteil diverser Rituale in verschiedenen Religionen etablieren.

Reich an Erzählungen und „Legenden“ ist die Olive, die ihren Platz und Erwähnung schon in den vorschriftlichen Erzählungen in vielen Göttermythen findet, als Zweig, Blätter, als Öl oder als Olivenfrucht, bzw. immer wieder auch als Baum.
Olympische Spiele haben den Olivenzweig als Symbol erkoren, den sich der Gewinner eines Wettkampfes auf sein Haupt heben lassen darf.

Die Taube, die einen Olivenzweig im Schnabel hält.

Die Taube hat in der Genesis eine wichtige Aufgabe, spielt sie doch eine Vermittlerin zwischen dem erzürnten Gott und der Menschheit.

Die Sintflut-Erzählung in der Bibel erzählt von einer Art Kriegserklärung Gottes an die Menschheit:

Gen 6,5
Der Herr sah, dass auf der Erde die Schlechtigkeit des Menschen zunahm und dass alles Sinnen und Trachten seines Herzens immer nur böse war.

Gen 6,6
Da reute es den Herrn, auf der Erde den Menschen gemacht zu haben, und es tat seinem Herzen weh.

Gen 6,7
Der Herr sagte: Ich will den Menschen, den ich erschaffen habe, vom Erdboden vertilgen, mit ihm auch das Vieh, die Kriechtiere und die Vögel des Himmels, denn es reut mich, sie gemacht zu haben.

Gen 6,8
Nur Noach fand Gnade in den Augen des Herrn.

Gen 6,13
Da sprach Gott zu Noach: Ich sehe, das Ende aller Wesen aus Fleisch ist da; denn durch sie ist die Erde voller Gewalttat. Nun will ich sie zugleich mit der Erde verderben.
Die Rückkehr der Taube mit dem Olivenzweig im Schnabel wird als Zeichen des Friedensschlusses zwischen Gott und der Menschheit verstanden. So entwickelte sich der Olivenzweig im Schnabel einer Taube als ein weltweites Symbol für Frieden.

Gen 8,11
Gegen Abend kam die Taube zu ihm zurück, und siehe da: In ihrem Schnabel hatte sie einen frischen Olivenzweig. Jetzt wusste Noach, dass nur noch wenig Wasser auf der Erde stand.

Ob als Zweig, Frucht, Baum oder als Öl, die Olive kommt in unzähligen weiteren Stellen in der Bibel vor. Das Olivenöl war die Grundlage des Balsams für die Salbung und für das Licht, das die Dunkelheit der Tempel und Häuser durchleuchtete. Auch die Rede Jesus vom Ölberg, sprich Olivenberg, sind Zeugnis der wesentlichen Rolle, die die Olive in der Mythologie als auch in den Religionen wahrnahm.

In den christlichen Riten spiegelt die Kraft und Energie der Olive auch die Anerkennung der Macht Gottes über die Menschen wider.
Die Lampen in den Kirchen der Christen, auch in der jüdischen Liturgie wurden mit Olivenöl befüllt, da dieses die Anwesenheit Gottes bezeugte.


Olivenbaum
REALonline, Institut für Realienkunde - Universität Salzburg

Der Olivenbaum als „Geschenk der Götter“ zeichnet sich durch die unterschiedlichen Epochen und historischen Episoden als immer wiederkehrender Hort von kraftvoller Symbolik aus.

Im alten Testament und den frühbiblischen Aufzeichnungen, von den griechischen Erzählungen und Göttergeschichten.
Im neuen Testament heißt es das Kreuz Jesu sei aus Olivenholz mit einem Gemisch aus Zedernholz.
Das Römische Reich kam auch nicht ohne Oliven aus und im Mittelalter waren es vor allem die mitteleuropäischen Klöster, die auf die Olive vertrauten und bauten.

In Kulturen, die aus klimatischen und geographischen Gründen nicht über Olivenbäume verfügten, galt das symbolische Bild, dass eine Olive, bzw. ein Olivenzweig immer etwas Positives mit sich bringt. Bis nach China reicht der symbolische Arm und hat dort eine Bedeutung, dass die Olive gut gegen Gifte sei. In Japan symbolisiert die Olive unter anderem auch "Sieg".

KUNSTGESCHICHTE:


Pseudo-Panathenäische Preisamphora mit Athena
Das Gefäß war - mit Öl von den heiligen Olivenbäumen gefüllt - der Siegespreis bei den panathenäischen Spielen in Athen.
Kunsthistorisches Museum Wien, Antikensammlung

Um das Öl auch zu transportieren, zu schöpfen und zu horten, schufen die Menschen über die Jahrhunderte immer wieder neue Formen und Materialien, die mit, jeweils für ihre Zeiten typischen Ornamenten und Verzierungen, geschmückt wurden. Antike Ton- und Keramikvasen für Olivenöl oder für aromatische Düfte genossen einen hohen Stellenwert, sowohl in der griechischen als auch in der römischen Gesellschaft.
Dabei blieben die symbolischen Funktionen über die Jahrhunderte in Liturgien und ähnlichen Ritualen erhalten.

ERNTE:


Hugo Charlemont
Olivenernte bei Ragusa
Europeana Travel, Österreichische Nationalbibliothek

Eine mühselige Prozedur durchwandert ein Ernteverfahren. Die Oliven werden entweder händisch gepflückt oder die Erntenden schlagen mit einer Stange auf die Äste ein und sammeln die herabfallenden Oliven mittels am Boden aufliegender Netze.
Innerhalb von ein bis zwei Tagen müssen die Oliven zur Mühle gebracht werden, die dort gereinigt und in Folge zwischen Mahlsteine aus entweder Marmor, Stein oder Granit gesetzt werden, um zu Brei gemahlen zu werden.
Heutzutage ersetzen hydraulische Pressen die Arbeit der Olivenbauern. Ohne Hitzezufuhr und chemischen Beigaben wird das gepresste Öl in eine Zentrifuge gebracht, die aus der Emulsion aus Öl und hervorkommendem Wasser, die jeweiligen Bestandteile trennt. Ungefiltertes, leicht trübes und kaltgepresstes Olivenöl entsteht.
Danach wird es gefiltert.

Das gewonnen Öl sollte in dunklen Flaschen aufbewahrt werden, da es sehr lichtempfindlich ist. Goldgelb ist die optimale Farbe. Hingegen deuten grüne Öle darauf hin, dass beim Pressen wahrscheinlich Blätter beigemengt wurden oder dass die Früchte noch unreif waren zur Zeit der Ernte. Der Geschmack ist dann meist ein bitterer.
Im Mittelmeerraum gibt es ca. 150 verschiedene Olivenbaumsorten. Es kann ein paar Jahrzehnte dauern bis ein Olivenbaum seine ersten Früchte hervorbringt, meist sind es so zwanzig Jahre.

Die Bäume werden bis zu 16 Meter hoch und können 1000 Jahre alt werden. Es ist denkbar, dass Karl der Große einst an einem jungen Olivenbaum vorbeiritt, der heute immer noch lebt und seit damals vom Mittelalter über die Neuzeit und Renaissance, Barock bis Biedermeier und das gesamte 20. Jahrhundert als stummer Zeitzeuge die Menschheit vorbeigehen sieht.

Die Frucht enthält etwa 15 – 35% Öl und ist reich an ungesättigten Fettsäuren, Vitaminen, Spurenelementen und Mineralstoffen. Das wirkt sich positiv auf unseren Organismus aus in dem es den Cholesterinspiegel im Blut senkt, was einer Reduktion des Herzinfarktrisikos gleichkommt und gleichzeitig auch eine Funktion als Entkalker der Arterien wahrnimmt. Auch kosmetisch ist die Olive häufig in Verwendung, da sie eine glättende und schützende Wirkung für empfindliche Haut entfaltet. Nicht zuletzt soll auch das Gedächtnisvermögen gestärkt werden!

Eine römische Weisheit lautete:
Zur Bereitung eines Salates gehören vier Personen:

Ein Verschwender für das Öl,
ein Geizkragen für den Essig,
ein Weiser für das Salz und
ein Narr, der den Salat mischt.

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Dienstag, 28. Mai 2019 um 11:30:11 von Kulturpool Redaktion

Frühjahrsmüdigkeit und der Schlaf in der Kunst

Anlass
Frühjahrsmüdigkeit und der Schlaf in der Kunst

Effekte einer Jahreszeit


Nikolai Petrowitsch Bogdanov Luz, W. A. (private Sammlung)
Im Garten schlafendes junges Mädchen, von strickender alter Frau bewacht
Bildarchiv, Foto Marburg, Europeana


Unbekannter Künstler/in
Frühling im Stadtpark, zwei Männer in dicken Mänteln sitzen in der Sonne und schlafen
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Ernst Jandl, Sprechgedichte: "Him Hanflang war das Wort"

früh im frühling
im frühling somm
somm in sommer
im sommer herb
herb in herbst
im herbst wint
wint in winter
im winter früh

Unter den Jahreszeiten ist es der Frühling, dem Attribute wie Energie, Aufwachen, Neuanfang zugesprochen werden. Alles blüht und entfaltet sich, das Auge kann beinahe mitverfolgen, mit wieviel Kraft die Pflanzen aufgehen, mit welchen intensiven Farbquellen diese ausgestattet werden und mit wie viel Energie diese sich selbst als auch ihr Umfeld versorgen.

So steht der Frühling metaphorisch auch für eine Phase des Aufwachens und des Neubeginns.
Analog dazu könnte man meinen, dass neben den Pflanzen auch die anderen Lebewesen gleiches verspüren und versprühen müssten. Der Mensch, der nach der kargen Winterzeit neue Kräfte braucht, um das wieder kultivierbare Land zu beackern, weil dieser den Bedarf an Lebensmittel für seine Umgebung herstellen will, befindet sich in einem Dilemma. Steckt doch dessen Organismus mitten in inneren Prozessen, die ihn beizeiten eher lähmen als stärken und die eine latente, fast chronische Müdigkeit mit sich bringen. Viele tausende Jahre Zivilisation und der Mensch hat sich noch immer nicht vollends auf den Wandel der Jahreszeit einstellen können. Warum ist das so?

Weil die Tage wieder länger werden, bringt der Frühling mehr Licht und meist auch mehr Wärme mit sich. Das bewirkt unter anderem auch, dass unser Schlaf-Wach-Rhythmus sich der neuen Jahreszeit anpassen muss während der Hormonhaushalt eine Art Frühjahrskur mit zwei seiner wichtigsten Botenstoffen vollzieht: Melatonin und Serotonin.

Was nach einer Oper von Donizetti klingen mag oder nach einer eleganten Nachspeise inklusive passendem Digestif sind zwei wirkungsvolle und essentielle Hormone, die sich während der jährlichen Übergangsphase in uns stark bemerkbar machen. Wie zwei Wächter im dauernden Betreuungswechsel, rochieren sie laufend - nicht ohne Wirkung auf den Menschen.

Melatonin, ist das Schlafhormon, welches den Tag-Nacht-Rhythmus, den sogenannten zirkadianen Rhythmus des Menschen mitbestimmt. Es entsteht in der menschlichen Zirbeldrüse, die nachts arbeitet, um Serotonin, welches im Laufe des Tages im Gehirn produziert wurde zu Melatonin zu wandeln. Bei Anbeginn der Dunkelheit bewirkt das Melatonin einen Einbruch des Energiehaushaltes, es entsteht ein Gefühl der Müdigkeit und der Mensch wird schläfrig. Der Melatonin-Spiegel steigt während der Nacht deutlich an, erreicht zwischen zwei und drei Uhr morgens seinen Höhepunkt und sinkt bei Dämmerung wieder ab, da durch das aufkommende Tageslicht die Ausschüttung des Schlafhormons gehemmt wird. Je älter man wird, desto weniger wird vom Körper Melatonin produziert. Die Folgen sind beispielsweise schlaflosere Nächte.


Peter Paul Rubens (1577 Siegen - 1640 Antwerpen)
"Einsiedler und schlafende Angelica"
Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie


Anonym nach Francesco Primaticcio (1504 Bologna - 1570 Paris)
"Juno bei dem Schlafe, um die Abreise des Odysseus hinzuhalten"
Graphische Sammlung der Albertina, Wien

Die Vorfreude auf den Schlaf

Nun kann der Mensch sich bewusst auf diesen Prozess der Umstellung einlassen und durch Adaption bestimmter Gewohnheitsmuster diese Jahreszeit so leben, dass ihn die Müdigkeit nicht unvorbereitet überfällt, sondern eher abholt im Sinne einer erwarteten Vorfreude auf Schlaf und Ruhe.


Joe J. Heydecker
Ruhepause am Marienplatz
Österreichische Nationalbibliothek


Josef Danhauser (1805 Wien - 1845 Wien)
Bei Tisch Schlafender
Graphische Sammlung der Albertina, Wien

Der Tag kann durch einen Mittagsschlaf unterbrochen werden, da längeres Tageslicht auch einen erweiterten Spielraum bedingt und die für einen Werktag aufzuwendende Energie gut eingeteilt sein will.


Joe J. Heydecker
Mittags-Schläfchen - Schlafender Popcorn-Verkäufer im Park Ibirapuera
Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek, Europeana Travel

Aus dieser Perspektive gibt es viele Arten des Schlafes, viele Varianten eines Aufgehens in einen anderen Bewusstseinszustand. Nach dem kulinarischen Appetit kommt der Appetit auf Schlaf. Aber Müdigkeit allein verheißt noch kein sicheres Einschlafen-Können.
Je nachdem ringen der Körper und sein Bewusstsein mit der Furcht bzw. Sorge nicht einschlafen zu können oder er stellt sich mit Freude auf die Zyklen ein, die nach dem Einschlafen das Bewusstsein durchwandern.


Schlafmatte, gerollt
Weltmuseum Wien, Afrika südlich der Sahara

Bei unterschwellig und langsam sich einstellender Müdigkeit entsteht die Vorfreude mit dem Moment an dem der Tag als abgeschlossen gilt, an dem alle Türen und Pforten geschlossen werden und auch die ständig mitlaufenden Agenden wie ein Buch zugeklappt werden. Der Kopf lässt sich auf weiche Daunen und Federn fallen, die Augen schließen sich und ein neuer Gemütszustand wird erreicht. Entspannung und freudige Erwartung auf das einschlafen und den nicht minder schönen Moment, sich bewusst in dieser Zwischenzone zu befinden, der kurz vor dem wirklichen Einschlafen ein berührender und einfacher Genuss sein kann.


Carl Pischinger (1823 Niederhollabrunn-Streitdorf - 1886 Liezen)
Schlafender
Graphische Sammlung der Albertina, Wien


Eugen Felle
Von froher Sitzung zog ich heim um Mitternacht beim Monden schein, die Häuser schwankten sehr, o Graus, jetzt schlaf ich meinen Affen aus!
Postkarte aus der Sammlung der Vorarlberger Landesbibliothek


Anonym, Albrecht Dürer zugeschrieben (1471 Nürnberg - 1528 Nürnberg) _
Christus im Schiffe schlafend
Graphische Sammlung der Albertina, Wien

Das Entgleiten in den Schlaf, das Erreichen des Träumens - Zyklen und Phasen

In der Malerei vermittelt der Anblick eines schlafenden Menschen meist den Eindruck von Ruhe und Entspanntheit. Ein verträumt ruhendes Gesicht führt einen schnell in die wesentlichen Szenen eines Gemäldes und nimmt den Betrachtenden mit in die Themenwelten, die der Traumzustand suggerieren mag.


Franz Alt (1821 Wien - 1914 Wien)
Schlafendes Kleinkind
Graphische Sammlung, Albertina Wien


Rembrandt Harmensz van Rijn (1606 Leiden - 1669 Amsterdam)
Alte schlafende Frau
Graphische Sammlung, Albertina Wien

Faszinierend, dass jeder Mensch zwei bewusstseinsändernde Momente pro Tag erlebt, durch das Einschlafen und das Aufwachen. Der ganze Ablauf lässt sich in mehrere Phasen und Zyklen einteilen.

Pro Nacht durchlaufen wir vier bis sechs Zyklen zu je ungefähr 60 bis 90 Minuten. Jeder dieser Zyklen ist von dem Ablauf von mindestens vier Schlafphasen geprägt. Alle diese Phasen haben ihre Funktion und Wirkung auf den Menschen.

In der Einschlafphase befinden wir uns in einem Zustand der Entspannung, die Hirnströme verlangsamen sich zusehends, die Muskeln lockern sich und der Puls schlägt gleichmäßig. In der Einschlafphase kann es leicht passieren, dass man durch aufkommende störende Geräusche wieder wach wird.

In der Leichtschlafphase erleben wir Muskelzuckungen sowie die Entspannung der Muskeln, wir schränken die Sinneswahrnehmungen ein und schalten das Bewusstsein ab. Die leichte Schlafphase ist die häufigste unter den Phasen, bzw. diejenige, die die meiste Zeit während des Schlafes in Anspruch nimmt. Man sagt, dass in dieser Phase viel von dem untertags Erlebten verarbeitet wird, gelerntes Wissen gefestigt wird und für die Gesundheit gestärkt wird. Gegen Ende der Nacht nimmt diese Phase die meiste Zeit in Anspruch.

Non-REM-Tiefschlafphase lässt die Muskulatur völlig entspannen und die größte Regeneration des Körpers (Schlafwandeln, Sprechen..) unter den Phasen setzt ein, unsere Wachstumshormone kümmern sich um die Erneuerung der Zellen, das Ersetzen abgestorbener Hautzellen durch neue, das Immunsystem ist aktiv und bekämpft Angreifer, das Gehirn arbeitet daran was wir an Aufgenommenem und Gelerntem über Tag behalten wollen und sortiert Unrelevantes aus. Der Stoffwechsel wird angeregt.
Wir können also sagen, dass wir in der Tiefschlafphase einerseits am entspanntesten sind, andererseits der Körper auch am aktivsten hinsichtlich der Funktionsweise des Schlafes ist.

In den ersten drei bis vier Stunden sind die Tiefschlafphasen am längsten, was mit ein Grund ist warum wir mindestens vier bis fünf Stunden Schlaf brauchen, um sich wirkungsvoll zu regenerieren.

REM-Schlafphase bedeutet viel Augenbewegung (daher REM = Rapid-Eye-Movement), lebhafte Träume sowie höheren Blutdruck und verstärkte Atmung.
Diese Phase wird auch die Traumphase genannt, da Menschen, die aus dieser Phase geweckt werden, sich häufig an ihre Träume erinnern können. In dieser Phase steigt der Herzschlag wieder, wir atmen wieder unregelmäßiger, aber Muskel sind noch entspannt, daher bleiben wir ruhig und schlagen im Traum nicht um uns, was wir bildlich und szenisch allerdings durchleben mögen.


Tamamura Kōzaburō
Schlafende Geisha
Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Europeana

Der mythologische Abbildung in der Bildenden Kunst

In der bildenden Kunst wird der Schlaf häufig als Hypnos, der mythologische Gott des Schlafes dargestellt.


2. Jh. n. Chr., nach griech. Original des 4. Jhs. v. Chr.
Kunsthistorisches Museum Wien, Antikensammlung

Oft trägt er ein Füllhorn mit sich und verströmt den Schlaf bringenden Saft, oder führt ein Bündel Mohnkapseln mit sich. Häufig wird er selbst als schlafend gemalt, eventuell mit Kränzen von Schlafmohn-Blüten umgeben. Auch mit Flügeln oder Vogelschwingen, sowie mit Schmetterlingsflügel teils an den Schläfen findet man Abbildungen über die Jahrhunderte. Durchgehend in der Geschichte der Malerei findet man jedenfalls das Füllhorn, als ein immer wieder verwendetes Symbol seiner Darstellung. Falls Mohn- oder andere Zweige auf Gemälden auftauchen, scheinen diese meist vorher in den Fluss Lethe getaucht worden zu sein. Häufig finden sich Abbildungen auf Sarkophagen in sehr variierenden Darstellungen.

Hypnos ist Sohn der Nacht Nyx und der Finsternis (Dunkelheit) Erebos. Aus dieser Verbindung gehen auch der Tag Hemera und die Luft Aither hervor. Sein Bruder ist der Tod Thanatos. Hypnos wohnt in der Unterwelt (Hades) in einer laut- und lichtlosen Höhle an der Quelle des Flusses der Vergesslichkeit „Lethe“. Der Ort, an dem sich Tag und Nacht begegnen. Am Eingang seiner Höhle wachsen Kräuter mit einschläfernder Wirkung. Morpheus, Phantasos und Phobetor heißen seine Kinder, welche Götter des Traumes sind. Morpheus bedeutet „die Gestalt“, Phantasos „die Einbildung“ und Phobetor „der Schrecken“.

Hypnos besitzt die unter Göttern einzigartige Fähigkeit nicht nur die Menschen, sondern auch Götter in Tiefschlaf fallen zu lassen. Selbst den Göttervater Zeus versetzt er mehrmals in eine Art Tiefschlaf.


Anonym, Wiener Meister zugeschrieben
Gott erscheint einem schlafenden König
Graphische Sammlung der Albertina, Wien

In den Schilderungen Ovids kommt Hypnos als ein freundlicher und sanftmütiger Gott vor, der die Menschen unterstützen will. Als Gegenleistung nimmt er die Menschen durch die Anrechnung der Hälfte ihrer Lebenszeit in Form von Schlaf quasi in Besitz.


Giulio Carpioni (1613 Venedig - 1679 Vicenza)
Iris als Botschafterin im Reich des Hypnos
Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie

In der griechischen Mythologie steht für den Traum neben seinen mythologischen Geschwistern in erster Linie Morpheus.

Morpheus kann sich in ein beliebiges menschliches Lebewesen verwandeln („morph“ bedeutet im alten Griechisch wandeln, gestalten, siehe auch Morphologie) und dem Menschen im Traum erscheinen. Meist tritt er in der Gestalt eines geflügelten Dämons in Erscheinung und trägt Schlafmohnkapseln mit sich. Zwiegespalten zwischen positiver Assoziation und Abbildungen mit denen Morpheus mit bösen Eigenschaften und Absichten konnotiert wird, spiegeln viele Kunstwerke die Grenzen von gesundem und erholsamem Traum und Albträumen wider. Mehrere Kulturkreise verehren Morpheus als ihren Gott des „einschlafenden Sterbens“.

Die Redewendung „In Morpheus Armen“ will meist den Schlaf bezeichnen und stellt wohl in diesem Zusammenhang ein Missverständnis dar, da eher das Einschlafen mit diesem Zitat bezeichnet werden soll, als der Traum. Ob die zwei Götter in dieser Hinsicht in einen Zuständigkeits- oder in einen frühen Vater - Sohnkonflikt gerieten, ist nicht überliefert.


Jean Lepautre, herausgegeben von P. Mariette
Déiphobe wird von den Griechen im Schlaf ermordet
MAK – Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst, Ornamentstichsammlung

Sonntag, 20. Januar 2019 um 17:07:32 von Kulturpool Redaktion

Maximilian I. - 500. Todestag

Anlass
500. Todestag Maximilian I.

Triumphzug Maximilian I

Triumphzug Kaiser Maximilians I.: Der Triumphwagen des Kaisers mit seiner Familie
Aus der Graphischen Sammlung der Albertina Wien

Gedenkjahr Kaiser Maximilian I.
Ausstellungen, Symposien, Sonderschauen 2019

Eine Vielzahl an Ausstellungen, Symposien, Sonderschauen, Büchern und Katalogen widmen sich heuer dem Leben und Werk Maximilian I. anlässlich seines 500. Todestages.

Von der Nationalbibliothek bis zu Ausstellungen im Metropolitan Museum New York oder in Tokio zeigen heimische wie auch internationale Museen Objekte, Werke, Sonderkompositionen, Digitalisierierungsprojekte und erzählen Geschichten und Besonderheiten des Habsburger Kaisers, der in einem sehr intensiven Zeitalter zwischen zwei Epochen herrschte.

Vor allem seine Lieblingsstadt Innsbruck und das durch seine Politik in den Herrschaftsbereich der Habsburger gelangte Land Tirol werden eine Vielzahl an Gedenkveranstaltungen vorzeigen.

Kaiser Maximilian I. Ein großer Habsburger. (VORSCHAU)
15. März 2019 – 3. November 2019 Österreichische Nationalbibliothek
2019 widmet die Österreichische Nationalbibliothek dem bedeutenden Monarchen eine Sonderausstellung im Prunksaal anlässlich seines 500. Todestages.

Kaiser Maximilian I. wird gern als „letzter Ritter“ bezeichnet, denn in seine Regentschaft fällt die Zeitenwende vom Mittelalter zur Renaissance. Als er 1519 starb, war Amerika entdeckt, der Buchdruck mit beweglichen Lettern erfunden und neue humanistische Ideen hatten sich in seinem Reich verbreitet. Die große Sonderausstellung der Österreichischen Nationalbibliothek präsentiert den Herrscher und seine Zeit anhand zahlreicher, eindrucksvoller Handschriften und Frühdrucke.

Maximilians Erziehung war noch ganz von mittelalterlichen Traditionen geprägt und er begeisterte sich besonders für Jagd und Turniere. Doch als Kaiser entwickelte er ein neues Herrscherideal und öffnete sich dem „Zeitgeist“. Durch diese Aufbruchsstimmung zog sein Hof bald zahlreiche Künstler und Denker an. Im Umkreis Maximilians beschäftigten sich Gelehrte mit so unterschiedlichen Themen wie der Übersetzung von Hieroglyphen oder der Erstellung von Land- und Himmelskarten, die bis heute als wertvolle Zeugnisse dieses Aufschwungs erhalten sind.

Einen wesentlichen Anteil an diesen kulturellen Entwicklungen hatten auch Maximilians familiäre Bindungen nach Burgund und Italien: Kunst, Musik und das strenge Hofzeremoniell dort beeindruckten ihn nachhaltig. Durch seine Ehen kamen außergewöhnliche Bücherschätze an seine Bibliothek wie etwa das Stundenbuch der Maria von Burgund. Ebenfalls im Prunksaal zu sehen ist der berühmte „Weißkunig“, ein reich illustriertes Werk mit autobiografischen Zügen.

Rubensbild Maximilian I
Bildnis von Kaiser Maximilian I. im Profil nach rechts
Peter Paul Rubens (Zugeschrieben an) (Siegen 1577 - 1640 Antwerpen)
Aus der Graphischen Sammlung der Albertina Wien

Internationale Tagung zum 500. Todestag Maximilians I.
18.03.2019

Maximilian I. (1459–1519). Person, Brüche und Umbrüche einer Brückenzeit
Die mit den international führenden ExpertInnen für Kaiser Maximilian besetzte Tagung wird ein weites Panorama dieser Herrscherpersönlichkeit am Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit schaffen. Maximilian wird nicht nur als politische Gestalt in den Blick genommen, sondern auch als Monarch im Zentrum eines kulturell und künstlerisch ungemein produktiven Hofes und als Akteur einer Zeit tiefgreifender politischer, kultureller und weltanschaulicher Umbrüche. Die Vorträge am Eröffnungsnachmittag finden im Riesensaal der Innsbrucker Hofburg statt und behandeln die Person Maximilian sowie das Europa, in dem er wirkte. Die Vorträge am Dienstag und Mittwoch, die im Kaiser-Leopold-Saal der Universität stattfinden, überblicken eine Vielfalt von Themen, vom höfischen Leben über seine Verwaltungseliten bis hin zu seiner medialen Selbstdarstellung.

Maximilian Habsburg Jagellonen
Familie des Kaisers Maximilian I. (1459-1519)
Aus der Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museum Wiens

Auch die Stadt Wels widmet dem Habsburger eine Ausstellung:
21. März bis 27. Oktober

Die Stadt Wels, in deren Burg der Kaiser starb, zeigt dort von 21. März bis 27. Oktober die Sonderausstellung “Kaiser Maximilian I. – Kaiser – Reformer – Mensch. Zum 500. Todesjahr des letzten Ritters”. Sie beleuchtet sein machtpolitisches Streben, seine Reformen und Neuerungen im Reich sowie die Verklärung seiner Person nach seinem Tod. Die Schau legt besonderes Augenmerk auf die Beziehung des Kaisers zu Wels und zu den Polheimern, einem Adelsgeschlecht, dessen Angehörige in enger Verbindung zum Regenten und zur Stadt standen. Inszenierungen zu den Themen Jagd und Fischerei sowie Feste und Turniere ermöglichen einen Eindruck vom Leben am Hof des Kaisers. Als Glücksfall für die Ausstellung erweist sich, dass der Kaiser die neuen Formen der Druckkunst zur publikumswirksamen Darstellung seiner persönlichen aber auch seiner politischen Ziele nutzte. Originale Holzschnitte, Gemälde und literarische Werke werden als Faksimile präsentiert oder als grafische Auf- beziehungsweise Umarbeitung.

In Kooperation mit dem Oberösterreichischen Münzsammlerverein Wels entstanden zwei Gedenkmünzen, die anlässlich des 500. Todestages zu erwerben sind. Außerdem wird es 2019 eine Sonderbriefmarke samt Sonderpoststempel geben. Die Tourismusregion Wels plant zudem zahlreiche weitere Veranstaltungen und Aktivitäten. Beispielsweise begeben sich eigene Sonderstadtführungen auf die Spuren des Kaisers im alten Wels.

Maximilian Familie
Kaiser Maximilian I. im Kreise seiner Familie
Aus der Sammlung REALonline, Institut für Realienkunde - Universität Salzburg

Kaiser Maximilian I. im Mathias Schmid Museum Ischgl
Die Ausstellung läuft vom 6. Oktober 2018 bis Ende 2019

Das Mathias Schmid Museum in Ischgl feiert 2019 das 20-Jahr-Jubiläum. Den Auftakt dazu bildet am 6. Oktober 2018 die Eröffnung der Ausstellung über Kaiser Maximilian. Auch am Paznaun ging der Schwabenkrieg im Jahr 1499 nicht spurlos vorbei. Zudem ist auch das Jagdgebiet um Ischgl im Jagdbuch von Kaiser Maximilian I. (um 1500) vortrefflich beschrieben. Nachdem Ischgl im Jahr 1505 von Maximilian I. das Mautrecht im Fimbatal erhalten hatte, entwickelte sich die Gemeinde zu einem wohlhabenden Handelszentrum. Vom bekannten Paznauner Künstler Mathias Schmid (1835-1923) stammt das Gemälde „Kaiser Maximilian I. im Kloster Valduna" (1870). Dieses Gemälde ist Teil eines vierteiligen Gemäldezyklus „Aus der Vorarlberger Sagenwelt", dass der Mäzen Josef Andreas Ritter von Tschavoll bei Mathias Schmid für seine Villa in Feldkirch in Auftrag gab. Das originale Skizzenbuch mit den vorbreitenden Bleistiftzeichnungen zum Gemälde „Kaiser Maximilian I. in Valduna" (1870) ist im Mathias Schmid Museum zu sehen.

Röm. Dt Kaiser
Maximilian I., romisch-deutscher Kaiser (22.03.1459-12.01.1519); s.d. (sine dato)
Sammlung von Objekten des Archivs der Universität Wien,Universitätsbibliothek Wien - Phaidra

“The Last Knight”
Ab 3. Oktober 2019
Metropolitan Museum of Art, New York

Acht Jahre jünger als Christoph Kolumbus zeigt das Metropolitan Museum of Art ab 3. Oktober in der Schau
“The Last Knight” vor allem Prunkstücke aus der Hofjagd- und Rüstkammer.

Grabmal
Rest eines Feldküriss
Aus der Sammlung der Hofjagd- und Rüstkammer des Kunsthistorischen Museum Wiens

Wiener Neustadt, seine Geburtsstadt hat mit Gedenkmessen begonnen und setzt auch auf musikalische Darbietungen. Musik, war bekanntermaßen eine Leidenschaft Maximilian I.

Geboren und begraben wurde Maximilian in Wiener Neustadt. Seine letzte Ruhestätte fand er in der St.-Georgs-Kathedrale, wo am Freitag (11. Jänner) der vom Innsbrucker Künstlerduo Martin und Werner Feiersinger neu gestaltete Altar geweiht wird. Der neue Altar soll von allen Bereichen der Kathedrale aus besser sichtbar sein, der monumentale Grabaufbau, den Maria Theresia ihrem Vorfahren errichten ließ, wurde von den Überbauten der 1990er-Jahre befreit und ist nun besser zugänglich. Am 500. Todestag am 12. Jänner wird ein Requiem aufgeführt. Im Zuge der Landesausstellung “Welt in Bewegung!” widmet sich die Theresianische Militärakademie ab 30. März dem Leben und Wirken des Kaisers. Ab dem 11. Mai läuft im Theater im Neukloster das Musical “Maximilian – ein wahrer Ritter” von Florian Scherz. Abgerundet werden die Veranstaltungen mit einem “Kaiserfest” am Gelände der Militärakademie. Auch Spezielles für Kinder wird geboten, die Palette reicht von Vorlesenachmittagen bis zu einem Musiktheater.

Grabmal
Grabmal des Kaisers Maximilian in der Hofkirche von Innsbruck
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek