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Donnerstag, 29. August 2019


Samstag, 2. November 2019 um 10:21:04 von Kulturpool Redaktion

Erweiterte Anbindung aus dem MAK

Anlass
Anlass: Erweiterte Anbindung der MAK Sammlungen

Erweiterte Anbindung der MAK Sammlungen

Das MAK ist ein Museum für Kunst und Alltag. Ein Museum und Labor für angewandte Kunst an der Schnittstelle zu Design, Architektur und Gegenwartskunst. Es ist ein Ort der Begegnung, Interaktion und Interkreativität. (Eigendefinition laut Website)

Die neu aufbereitete und erweiterte Anbindung der Sammlungen des MAK veranlasst zu einem virtuellen Spaziergang durch diesen Ort der digitalen Begegnung. Die Vielfalt der sich darin befindlichen Objekte wird schnell ersichtlich aus den neun angebundenen Sammlungs-Kategorien. Aus fast 250.000 Objekten lässt sich einiges über die Sammlungsausrichtungen des MAK erfahren. Bei dem vorliegenden „Artenreichtum“ empfiehlt sich durchaus ein zielloses Wandern und Kennenlernen der digitalisierten Objekte unterschiedlichster Provenienz und Eigenschaften, die jeweils ihre eigene Geschichte erzählen.

Die Objektkategorien aus den erweiterten Anbindung im Überblick:

 Asien

 Bibliothek und Kunstblättersammlung

 Design

 Gegenwartskunst

 Glas und Keramik

 Metall und Wiener-Werkstätte-Archiv

 Möbel und Holzarbeiten

 Spezialarchiv - HELMUT LANG

 Textilien und Teppiche

Aus jeder Sammlung ein bis zwei willkürlich entdeckte Objekte, mit der Idee deren Geschichte ein wenig kennenzulernen, durch physisches oder virtuelles Nachschlagen vertiefendes Wissen zu finden oder einfach durch Betrachten die eigene Fantasie zu aktivieren:

1) Asiensammlung


"Go Spieler"
Zwei Männer beim Go-Spiel, Japan, Anonym
Aus der Asiensammlung


"Giebelfeld“
Giebelfeld aus 16 Fliesen
Aus der Asiensammlung

„Das aus 16 Fliesen zusammengesetzte Giebelfeld stammt aus dem Palast des Großwesirs Piale Pascha (um 1515 – 1578) oder aus der von ihm gestifteten Moschee. Beide wurden 1573 vollendet und waren überreich mit Fliesenfeldern dekoriert. Vor Spiralmotiven dominiert im so genannten "Tomatenrot" ein Glück verheißendes Knotenmotiv aus Wolkenbändern. Palast und Moschee wurden nach einem Erdbeben 1890 "renoviert" und Fliesenfelder über Händler weltweit verkauft: Mindestens neun idente Tympana befinden sich heute in europäischen und amerikanischen Museen.“


"Doumu“, Himmelsmutter und Göttin des Polarsternes
Anonym, Dehua, 1701-1722
Aus der Asiensammlung

Ikonographisch wird Doumu normalerweise mit acht Armen und vier Gesichtern dargestellt, deren jedes in eine Himmelsrichtung sieht. Sie spielen auf die Funktion der Göttin als allgegenwärtige und tatkräftige Helferin an. In den Händen hält sie Sonne und Mond, die Pfirsiche der Unsterblichkeit, ein Schwert und andere Symbole; manchmal wird sie auch mit einem Eberkopf dargestellt. Sie wird häufig zusammen mit Xiwangmu und einer Erdgöttin abgebildet, als Symbol der daoistischen Triade und der kosmischen Harmonie. (Definition laut Wikipedia)


"Gott des langen Lebens“
Shoulao / Shou lao (Gott des langen Lebens) mit Hirsch, Kranich und Schildkröte in zwei Teilen
Aus der Asiensammlung

Der Gott des langen Lebens findet sich auch in der heutigen Comic-Literatur wieder.


"Shou Lao“ (Aus dem Netz, Wikipedia)
Shou-Lao ist eine fiktive Figur, die in amerikanischen Comic-Büchern erscheint, die von Marvel Comics veröffentlicht werden.
Ein unsterblicher Drache, dessen Herz Menschen die Kraft der Eisernen Faust verleihen kann. Nach einer tödlichen Niederlage wird er wieder neu geboren.

 2) Bibliothek und Kunstblättersammlung


"Byzanz"
Kopie der Rückseite eines byzantinischen Bucheinbandes (10./11. Jahrhundert) mit Email cloisonné und Edelsteinbesatz sowie der Darstellung der Hl. Maria mit dem Erzengel Michael, Johannes dem Täufer, Johannes Chrisostomus, den drei kappadokischen Kirchenvätern Gregorius von Nazianz, Nikolaus, Basileios, zwei Aposteln, den Eltern des Täufers und der Hl. Maria aus der Biblioteca Nazionale Marciana zu Venezia (Lat III, 100) von Ignaz Schönbrunner
Aus der Bibliothek und Kunstblättersammlung

 3) Design


"Netzschlauch"
Kompostierbarer Netzschlauch für Frühkartoffeln, weiß
Aus der Design Sammlung


"Terracooler"
Augustin, Stephan (Entwurf) (München)
Mehr als ein Fünftel der Weltbevölkerung lebt ohne Anschluss an das Stromnetz, was bedeutet, dass keine Energieversorgung zum Betrieb elektrischer Geräte verfügbar ist. Das schließt auch Kühlschränke ein, sodass Lebensmittel und Pflanzen, die zur ausreichenden und gesunden Ernährung notwendig sind, schnell verderben und nicht mehr zur Verfügung stehen. Der TERRACOOLER ist ein universell einsetzbares ökologisches Kühlgerät. Die doppelwandige, glockenförmige Terrakotta dient der natürlichen Kühlung und Konservierung von Nahrungsmitteln. Die Innentemperatur kühlt gegenüber der Außentemperatur um etwa 25 bis 40 Prozent ab und macht die gekühlten Produkte bis zu zehnmal länger haltbar. Das Projekt wurde als „Donationware“ online veröffentlicht, das Design ist kostenlos und global verfügbar.
Aus der Design Sammlung

4) Gegenwartskunst

Wie bei einem Spaziergang ist abschweifen erlaubt und ein Blick in die Kunstseiten vertieft den Einblick. Den zwei Objekten aus der Sammlung Gegenwartskunst wurde jeweils ein relevanter Artikel aus einer Zeitung und einem Magazin beigefügt.


"Disziplinator"
Atelier Van Lieshout - Der Disziplinator: Geschlauchte Schaumstoffmenschen
Aus der Sammlung Gegenwartskunst

Joep van Lieshout wird immer grausamer. Fast harmlos macht sich rückblickend seine mittlerweile gescheiterte, wenige Monate tatsächlich funktionierende AVL-Ville in Rotterdam aus. Ebenso die Bombenbastel-Studios, mit denen er Politik und Exekutive auf den Plan rief. Alles ein Kaffeekränzchen gegen das, was er uns nun im MAK unterbreitet: "Disziplinator" heißt die eine Maschine, "Technokrat" die andere - und uns schwant jetzt schon Böses. In einem Käfig sollen, so der Plan, der in Wirklichkeit ja eh keiner ist, 72 Menschen Baumstämme mittels Feilen zu Sägespänen verarbeiten. Schlafen und essen müssen sie auch dort. Im MAK ist ein Prototyp für dieses System aus rohen Gerüsten und Holz gezimmert, auf möglichst wenig Raum sind Tische, Klos, Duschen und Betten untergebracht. Schlimmer noch der "Technokrat": Da sollen den Bedauernswerten auf einer Seite Fäkalien zwecks Biogasproduktion abgezapft, auf der anderen Nahrung zugeführt werden. Und das, während sie in harten "Betten"-Batterien liegen. Sinn und Zweck der Übung: Einen Kreislauf zu schaffen, der völlig autark funktioniert - der Mensch ist darin Rohstofflieferant und Konsument in einem. Interessant ist, dass es offensichtlich nicht reicht, diese dystopischen Systeme einfach zu skizzieren. Da machen sich riesige Container im MAK breit, Schläuche schlängeln sich durch die Hallen. Gleichzeitig gibt man ein wenig kokett vor, dass Ästhetik eigentlich unwichtig sei. Wäre es das, könnte sich Joep van Lieshout (der, braucht er doch einen Stab an Mitarbeitern für seine Projekte, längst nur noch unter der Dachmarke Atelier van Lieshout auftritt) mit Zeichnungen begnügen. Eine spröde, brutale Archaik versprüht das Design, das keines sein will, und irgendwo liegt dann auch noch ein Häuflein Schaumstoffmenschen herum. Die schockierenden Vorstellungen hinter AVLs Kreisläufen, deren Dysfunktionalität und Körperfeindlichkeit an die Junggesellenmaschinen der frühen Avantgarde denken lässt, mögen beeindrucken. Hatte Joep van Lieshout noch vor einigen Jahren die Hermetik und Rationalität affirmiert, so erscheinen diese Kategorien nun problematisch. Und damit Lieshouts frühere Arbeiten. Diese werden von der Grausamkeit der hier präsentierten gewaltig relativiert.
Nina Schedlmayer, 22.06.05, artmagazine.cc


"Die Kunst fängt beim Künstler an. Wo kein Künstler ist, kann auch keine Kunst sein. Es gibt nichts, was ohne Künstler Kunst wäre. Auch Photographie nicht. Nur durch den Künstler wird sie zur Kunst“
Frieberger, Padhi, Künstler (1964)
Aus der Sammlung Gegenwartskunst

Andrea Schurian schreibt einen Nachruf über Padhi Friedberger, 27. Jänner 2016, veröffentlicht im Standard:

"Kunst ist Angriff" war seine lebenslange Devise. Padhi Frieberger war der große Außenseiter der österreichischen Kunstszene: anarchisch, autonom, hochpolitisch. Radikal entzog er sich den Regeln des Kunstmarktes.

Fast möchte man glauben, das Wort "unangepasst" sei überhaupt erst eigens für ihn erfunden worden: Padhi Frieberger gehörte zwar zum innersten Kreis österreichischer Avantgarde. Doch er hielt eisern Sicherheitsabstand zur Kunstversteherbussigesellschaft, entzog sich radikal der Geschäftigkeit des Kunstmarktes, dessen Regeln und Gesetzen. Der Verführung des schnellen Erfolgs erlag er nicht. "In Wien gibt es eine Gruppe von Banausen, die akkurat Galerien betreiben, nur um die Moral zu zerstören, die die Moderne manifestiert hat. Die tun so, als ob. Das ist ein fortgeschrittener Zerstörungstrieb", sagte er beispielsweise in Fritz Kleibels Dokumentation Padhiland 1.
Seit den frühen 1950er-Jahren, als er an der Adria einen Kilometer lang Ufersteine blau, rot und weiß bemalte, um die "Reaktionen der Neurotiker" zu testen, wucherte und wuchs sein großes künstlerisches Werk. Autonom, anarchisch, hochpolitisch – und immer mit feinem Humor. Seine Kunst war ihrer Zeit stets um Jahrzehnte voraus. Frieberger, der 1954 mit Maria Lassnig zusammenlebte, verschickte Mail-Art, lange bevor man überhaupt einen Begriff dafür hatte.

Bahnbrechend auch seine inszenierten Fotografien, denen er Titel gab wie Trommelfeuer gegen Schaumschläger und Schastrommler. Er erklärte mit seinen Skulpturcollagen aus Found Objects, Alltagsgegenständen, Flaggen, Instrumenten, Tisch- und Sesselruinen, Farbpinseln Das Ende der Staffelmalerei, thematisierte Justizirrtum und Todesstrafe und ironisierte die österreichische Vergangenheitsseligkeit mit einem Scheißbraunen Lipizzaner.

Aus Bodenbrettern zimmerte Frieberger Selbstporträts; er schrieb kluge Aphorismen; er jazzte, aktionierte, malte, zeichnete. Er züchtete Tauben, besetzte die Arena und die Hainburger Au. Kunst und Leben verschmolzen zu einem einzigartigen, eigenartigen Universum, zu seinem Padhiland. Nicht was, sondern wie man es tue, definiere Kunst, sagte er einmal.

Abwehr gegen Establishment

"Er kann vermeintlich verfahrenen Situationen Flügel verleihen. Er kann mit einem Stück Holz zeigen, dass Grenzen unbedingt überschritten werden wollen. Die Situation ist sein Material, deren Lösung das Produkt", fand der Kunstkritiker Markus Mittringer die vielleicht trefflichste Beschreibung für Frieberger und sein Werk.

Vieles, das meiste, entstand aus Friebergers Abwehrhaltung gegen das Establishment. Und das wiederum rächte sich und ließ ihn links liegen. Die Liste der Ausstellungen ist folglich schütter. Erst 1981 fand die erste Präsentation in der Wiener Galerie Hummel statt.
Es gehört zu den Verdiensten des damaligen Mak-Direktors Peter Noever, dass er Frieberger 2007 erstmals in einem Museum präsentierte. Der Titel Ohne Künstler keine Kunst war wohl auch als Aufforderung gemeint: Frieberger, der seinen wenigen Vernissagen meist lieber ferngeblieben war, erschien tatsächlich zur Eröffnung. "Padhi Frieberger mag stur sein, verkrustet ist er nicht", schrieb Mittringer. 2011 ehrte ihn das Forum Frohner in der Kunsthalle Krems. Zehn Jahre vorher, 2001, hatte Frieberger den Preis der Stadt Wien für Kunst bekommen. Das war's dann aber auch schon mit der öffentlichen Wahrnehmung und Anerkennung.

Wer hat das letzte Wort? nannte Frieberger seine Aphorismussammlung, in der er sich über Spießer und Geldmacher mokiert. Der Erscheinungstermin dieser Sammlung ist unbekannt. Auch Geburtsort und -jahr des Widerstandsgeistes sind nebulös. Er sei, heißt es, 1931 in Wien geboren; andere Quellen sprechen von 1929 und Krems. Nun wollte er, in seinem allerletzten Wort, auch seinen Tod zumindest bis nach dem Begräbnis geheimhalten: nur keine tränengetränkten Grabreden von offizieller Kulturstelle!
Padhi Frieberger starb am 9. Jänner 85-jährig in Wien.

  • Andrea Schurian, 27. Jänner 2016, Der Standard

In der Sammlung Gegenwartskunst finden sich 63 Einträge zu Padhi Friedberger.

 5) Glas und Keramik

Über 12.000 Objekte/Digitalisate beinhaltet die Sammlung Glas und Keramik


"Streusand"
Zylindrischer Tinten- und Streusandbehälter mit vergoldeten Kanten, auf den vier Seitenflächen bunte Wiener Ansichten, darüber goldener umlaufender Streifen, in dem auf weißem ausgespartem Schild die jeweilige Bezeichnung steht.
Kaiserliche Porzellanmanufaktur Wien (Manufaktur), (Wien, 1814)
Aus der Glas und Keramiksammlung


"Kerzenleuchter"
Scherzendes Biedermeierpaar auf mit Blumengirlanden verziertem Rundsockel
Wiener Manufaktur Friedrich Goldscheider (Manufaktur), (Wien, 1913/1914)
Aus der Glas und Keramiksammlung

 6) Metall und Wiener-Werkstätte-Archiv

Über 30.000 auffindbare Objekte in dieser Sammlung ergeben einen nachhaltigen Eindruck über das reichhaltige Schaffen der Wiener Werkstätte und der KünstlerInnen und DesignerInnen dieser Zeit.


"Samowar"
Hoffmann, Josef (Entwurf), (Wien, 1909)
Wiener Werkstätte (Manufaktur)

Metall:

"Kompendium"
Astronomisches Kompendium, Christoph Trechsler d. Ä., Entwurf, (Dresden, 1611)
Der Metallrahmen mit diversen Instrumenten ist gleichsam als zweiter Einband auf ein leeres Notizbuch aufgeschraubt. Auf der Oberseite des Deckels ist eine Monduhr mit Aspektschema dargestellt, die Erklärung dazu ist auf der Unterseite eingraviert. Mit Hilfe der Skalen kann die Uhr auch bei Mondlicht abgelesen werden. Im aufklappbaren Deckel befindet sich eine Horizontal- und Vertikalsonnenuhr mit Kompass. Am Deckel der Rückseite sind innen eine kleine Windrose und ein Zahlenquadrat dargestellt. In dem Metallrahmen darunter verbirgt sich eine Brille aus grünem Glas, die als Sonnenschutz dient.
Aus der Metall und Wiener Werkstätte-Archiv Sammlung

 7) Möbel und Holzarbeiten


"Koranlesepult"
Anonym, Ausführung, (Bosnien, um 1890)
Aus der Möbel und Holzarbeiten Sammlung


"Bett aus einer Einrichtung für das Atelierhaus Ernst Stöhrs in St. Johann am Wocheinersee"
Hoffmann, Josef, Entwurf, (Wien, um 1898)
Anonym, Ausführung, (Wien, um 1898)
Aus der Möbel und Holzarbeiten Sammlung

 8) Spezialarchiv - HELMUT LANG

Über 1.500 Objekte aus dem Helmut Lang Spezialarchiv vermitteln die Design Vielfalt Helmut Langs

Damenkleid - naturweiß (deskriptiver Titel)
Lang, Helmut (Modemarke) (USA, 2003)
Lang, Helmut (Entwurf) (Italien, 2003)
Prada (Ausführung)
Aus dem Spezialarchiv - Helmut Lang


"Sonnenbrille"
metal frame sunglasses (Originaltitel)
Lang, Helmut (Modemarke) (USA)
Lang, Helmut (Entwurf) (Italien)
Prada (Ausführung)
Aus dem Spezialarchiv - Helmut Lang

 9) Textilien und Teppiche

Mit über 15.000 Objekten

"Tunika"
Tunikafragment mit Streifen, Schulterbereich und ein Ärmel;
Doppelstreifen mit stilisiertem Pflanzendekor; Saumborte mit geometrischen Motive (deskriptiver Titel)
Anonym, Ausführung, Ägypten
Aus der Textilien und Teppiche Sammlung

Wem das spätherbstliche oder frühwinterliche Wetter nicht nach draußen lockt, findet in den MAK-Sammlungen auf digitalen Wegen stets einen "Tag der offenen digitalen Tür" vor.