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Zigeunermadonna

Informationen der Redaktion

Gemälde

Auch in der Renaissance hatte ein Großteil der Bilder religiöse Motive. Das heißt aber nicht, dass sie nur für Kirchen und Klöster gemalt wurden. Inventarlisten bezeugen, dass in jener Zeit fast in allen Häusern bzw. Wohnungen im Veneto mindestens ein Gemälde hing; in reicheren Haushalten natürlich entsprechend mehr. Beliebte Motive waren Heiligendarstellungen, vor allem aber Madonnen. Als „Nostra Donna“ erfüllten sie auch magische Funktionen: Sie sollten das Heim beschützen und bewahren. Gegen Ende des 15.Jahrhunderts begannen italienische Maler wie Giovanni Bellini damit, Madonna aus dem traditionellen ikonischen Kontext zu „befreien“ und sie in „naturalistische“ Landschaften zu malen.

Die sogenannte „Zigeunermadonna“ des jungen Bellini-Schülers Tizian (ca. 1510) ist ein bekanntes Beispiel für diese künstlerische Emanzipation; und zugleich ein Beispiel dafür, wie sich die Renaissance-Maler am Geschmack ihrer bürgerlichen Kunden orientierten: Nicht nur passten die roten und grünen Töne, die Tizian für das Bild verwendete bestens zu den damals populären Einrichtungsfarben, auch die ungewöhnliche dunkle Haarfarbe seiner Madonna, der das Bild seinen Namen verdankt, kann ebenso als Konzession an potentielle Auftraggeber bzw. Käufer gelesen werden. Die meisten venezianisch Madonnen davor hatten blondes Haar. Damit erweckt Tizians Madonna eher den Eindruck einer „normalen“ Frau als einer himmlisch entrückten Königin.

Die Komposition entspricht zwar noch dem Prototyp Bellinis, aber bei Tizian strahlt die Madonna Wärme und stärkere Körperlichkeit aus. Röntgenuntersuchungen zeigten, dass das Kind ursprünglich den Betrachter direkt anblickte, wie dies bei Bellini üblich war, aber Tizian änderte die Kopfhaltung und Blickrichtung während des Malprozesses. Tizians impulsive Arbeitsweise stand im Gegensatz zu der seiner venezianischer und mittelitalienischen Zeitgenossen, die ihre Gemälde mit Vorstudien und Vorzeichnungen detailliert vorbereiteten und während des Malprozesses nur selten Änderungen vornahmen.

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