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Albanisches Frauenkostüm (7 Teile)

Informationen der Redaktion

Tracht

Das albanische Frauenkostüm, eines der Prunkstücke des Österreichischen Museums für Volkskunde, stammt aus dem Nachlass der österreichischen Malerin Maria Karolina Bartsch. Sie verwendete das Kostüm in ihrer Zeit als „Königlich Albanische Ehren- Hof- und Palastdame“ und nahm es 1939, als sie nach dem Sturz von König Ahmet Zogu Albanien verließ, mit nach Wien.
Das Trachtenkostüm ist ein hervorragendes Beispiel für die Funktionalisierung von Folklore durch die Politik, mit dem Ziel, die "Volkstümlichkeit" eines Herrschers zu demonstrieren und damit die Legitimation der Herrschaft zu unterstreichen sowie ihre Akzeptanz zu vertiefen. So kleideten sich auch König Ahmet Zogu von Albanien, seine Schwestern und der restliche Hofstaat zu bestimmten Anlässen in traditionell albanisch anmutende Trachten, um ihre nationale Gesinnung zu präsentieren. Das Kostüm aus dem Nachlass von Marita Bartsch ist jenem Trachtentypus nachempfunden, der sehr wahrscheinlich in Tirana und anderen Städten Zentralalbaniens im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts - wiederum angelehnt an ländliche albanische Trachten - aus folkloristischen bzw. nationalistischen Motiven heraus kreiert wurde.

Der Schritt einer Wienerin, nach Albanien zu gehen, war Anfang des 20.Jahrhunderts übrigens nichts Ungewöhnliches. Während des Ersten Weltkriegs war Albanien zum großen Teil von österreichisch-ungarischen Truppen besetzt; zudem gab es aufgrund des seit 1839 bestehenden Kulturprotektorat Österreichs auch davor schon vielfältige Beziehungen zwischen Österreich und Albanien, das nicht zuletzt seine nationale Existenz dem massiven Einspruch Österreich-Ungarns gegen die territorialen Begehrlichkeiten seiner Nachbarn nach dem Ende der osmanischen Herrschaft verdankt. In diesen Jahren waren auch zahlreiche Wienerinnen als Ehefrauen von Absolventen des so genannten Albanerkonvikts in das 1913 entstandene neue Fürstentum ausgewandert, in dem sich Zogu 1925 zum König ausrufen ließ.

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