(Suche nach Tags: z.B. <Highlight>)

Wien I, Burgtheater, Keller, Grundriss und Schnitte

Informationen der Redaktion

Verso!

Der brasilianische Künstler Vik Muniz verfolgt eine eigene Spur, Werken von kunsthistorischer Bedeutung, aus besonderen Blickwinkeln näher zu kommen. Er beschäftigt sich mit Meisterwerken aus den verschiedensten Jahrhunderten, Stilen und Meistern und widmet sein Hauptaugenmerk den Rückseiten der jeweiligen auserkorenen Gemälde. Diese Rückseiten bildet er mit hohem Aufwand und fachmännischer Präzision nach und geht dabei aktuellen Fragen nach Realität und Illusion, Original und Kopie auf den (Hinter-)Grund. Die Ausstellung hinterlässt bewusst eher den Eindruck einer Aufbaustation und eines Lagers, in dem die Kunsthistoriker und Kunsthandwerker noch mittendrin im Erstellen ihrer „Meisterwerke“ sind.

Der Beobachter und Ausstellungsgast lässt sich auf diese spielerische Sichtweise ein und erhält im Gegenzug einiges an inspirierenden Gedanken. Sei es auch nur die originalgetreue Reproduktion, einer losen an die Wand gelehnten „Mona Lisa“, so hinterlässt dieses Werk selbst als Kopie einen Eindruck und lädt zu näherer Betrachtung und Beschäftigung ein. Leonardo da Vinci, einst 1452, Mitte April, geboren, begann um seinen 50. Geburtstag an dem Porträt der Mona Lisa zu arbeiten. Einige Jahre war er mit dem Porträt beschäftigt und konnte sich Zeit seines Lebens nach Vollendung des Werkes nicht von seinem Gemälde trennen und somit bildete die Mona Lisa auch einen Teil seines Nachlasses.

Nach seinem Tod verwaltete dies sein Schüler Salaj. Unter den vielen Theorien zur Entstehung und Bedeutung der Mona Lisa gibt es eine, die sich auf seinen Schüler Salai, der auch Leonardos Geliebter gewesen sein soll, bezieht. „Mon Salai“ sei als Anagramm zu deuten und ergebe in dieser Leseweise „Mona Lisa“. So vermerkte es auch sein erster Biograph, der bekannte Maler, Architekt und Biograph einiger wesentlicher italienischer Künstler, Giorgio Vasari (1511 – 1574). Er gilt nebenbei bemerkt als einer der ersten Kunsthistoriker der Geschichte.

In Folge kaufte es der französische König Franz I., ein Grund, dass das Gemälde im französischen Louvre (seit 1804) hängt. Ein kleines Intermezzo gönnte sich Napoleon, der, fasziniert von dem rätselhaften Lächeln der Mona Lisa, diese in seinem Schlafzimmer aufhängen ließ.

Auf der Rückseite des Rahmens im Louvre ist ein multifunktionaler Sensor versehen, der unter anderem bei den kleinsten Erschütterungen Warn - Nachrichten an die jeweiligen Verantwortlichen vor Ort versendet. Bei längerer Betrachtung erzählt selbst die kopierte Rückseite des berühmtesten Gemäldes der Welt von der über die Jahrhunderte gewachsenen spannenden Geschichte der Mona Lisa und ihrer Rahmen und physischen Elemente, die sie tragen und erhalten.

Und doch, es ist und bleibt eine Kopie und nicht das Original. Auch wenn eine Vielzahl an Techniken, sowie besonderes Augenmerk auf Farbverfahren, Materialwahl und handwerkliche Kunst, eingesetzt werden, um dem intensiv erforschten und erfühlten Original möglichst nahe zu kommen, wird es immer ein Versuch bleiben. Im übertragenen Sinne darf sich jeder Gast allerdings mit seiner Deutung eines Werkes auch in eine Art Nahebeziehung begeben und seine eigenen persönlichen Techniken anwenden, um mit dem jeweiligen Gemälde auf Tuchfühlung zu gehen. Dies erscheint ein augenzwinkernder Effekt dieser Ausstellung zu sein.

Erstmals werden diese Werke, erweitert um Gustav Klimts „Kuss“, sowie Egon Schieles „Umarmung“, im Oberen Belvedere gezeigt. Egon Schieles expressionistisches Gemälde „Die Umarmung“ entstand 1917, ein Jahr vor seinem Tode, Öl auf Leinwand und befindet sich in der Sammlung des Belvederes in Wien.