Pionierleistungen vermitteln – Neue Perspektiven öffnen
Angewandtes Kulturerbe digital
Das Projekt „Angewandtes Kulturerbe digital“ vereint drei Digitalisierungsinitiativen, die von verschiedenen Abteilungen der Universität für angewandte Kunst Wien umgesetzt wurden. Es macht einzigartige digitale Sammlungen zu Margarete Schütte-Lihotzky, Peter Weibel und dem Biennale-Pavillon in Venedig öffentlich zugänglich und eröffnet neue Perspektiven auf das kulturelle Erbe im Kontext der Universität.
Räume erfassen zwischen Wien und Rom
Im Teilprojekt Biennale Pavillon Venice wurden zwei Scans des österreichischen Biennale Pavillons in Venedig erstellt. Der erste Scan besteht aus der räumlichen und fotografischen Erfassung der Ausstellung „Agency for Better Living“, die im Rahmen der Architekturbiennale 2025 „Intelligens. Natural. Artificial. Collective“ gezeigt wird, die insgesamt von Carlo Ratti und seinem Team – und speziell für den österreichischen Pavillon von Sabine Pollak, Michael Obrist und Lorenzo Romito kuratiert wurde.
Die Ausstellung zeigt einen dialektischen Vergleich zwischen der Genealogie, Geschichte und zeitgenössischen Erforschung von Möglichkeiten, die zu einer kollektiven Verbesserung der egalitären Wohnverhältnisse führen. Die Ausstellung teilt den Pavillon in zwei Teile. Ein Teil befasst sich eingehend mit den Anfängen der Sozialfürsorge und den Initiativen des „roten“ Wien für bezahlbare und staatlich regulierte Wohnprojekte. Der andere Teil zeigt Fallbeispiele aus Rom, die oft von Formen des Aktivismus und Protests begleitet waren. Der Innenhof wird zu einer Übergangszone zwischen den beiden miteinander verbundenen, aber auch getrennten Ausstellungen.
Der Scan besteht aus 169 gleichmäßig über alle Räume verteilten Scanpunkten, was zu einem vollständig erlebbaren virtuellen Rundgang führt. Die zusätzlichen Scandaten, die die Scans begleiten, werden Wissenschaftler:innen auf Anfrage als Punktwolkendaten in Kombination mit hemisphärischen hochauflösenden Bildern zur Verfügung gestellt.
Der zweite Scan zeigt den Pavillon in einem Übergangszustand zwischen der vergangenen Architektur-Biennale und der kommenden Kunst-Biennale im Jahr 2026. Dieser Zustand entspricht dem ursprünglichen Zustand des Pavillons ohne zuvor eingefügte Trennwände, Installationen oder Umbauten. Der zuvor getrennte Raum der Architektur-Biennale wird wieder vereint. Dieser Scan soll für zukünftige Ambitionen und kuratorische Planungsarbeiten dienen, da neben der Möglichkeit der virtuellen Tour auch Daten extrahiert werden, die einen hochauflösenden Lidar-Scan des Pavillons in seinem aktuellen Zustand darstellen.
Digitale Spuren eines künstlerischen Universums
Das Teilprojekt Weibel Online vereint unterschiedliche Bestände, die im Zusammenhang mit Peter Weibel (1944–2023) stehen. Ziel ist der Beginn einer vernetzten Darstellung und wissenschaftlichen Aufarbeitung seines künstlerischen und theoretischen Wirkens sowie seines nachhaltigen Einflusses auf Kolleg:innen, Künstler:innen, Mitarbeiter:innen und Studierende, insbesondere im Kontext seiner Tätigkeit an der Universität für angewandte Kunst Wien. In diesem Sinne führt Weibel Online Bestände aus dem Vorlass, der Teil der universitätseigenen Kunstsammlung und dem Archiv ist, und dem Weibel Institut für digitale Kulturen zusammen.
Ergänzt werden diese durch weitere Digitalisate im Kontext von Peter Weibel, die in Kooperation mit dem Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) Karlsruhe eingebracht werden. Die zusammengeführten Materialien umfassen unter anderem Digitalisate von Kunstwerken und Ausstellungen, etwa der Ausstellung Thinking Through Weibel. Beginnings, Diversions, Everywheres, die 2025/2026 an der Angewandten stattfand und Weibels Arbeiten anderen künstlerischen Positionen gegenüberstellte. Darüber hinaus werden Digitalisate integriert, die die Aktivitäten rund um das Weibel Institut für digitale Kulturen dokumentieren, inhaltliche Zusammenhänge und Forschungsschwerpunkte sichtbar machen sowie ehemalige Webpräsenzen archivieren. Hinzu kommen weitere Objekte aus den Beständen des ZKM, die ein breites Spektrum von Textmaterialien bis hin zu weiteren dokumentarischen und medialen Formaten abdecken.
Soziale Architektur und politischer Widerstand
Margarete Schütte-Lihotzky (1897–2000) ist Pionierin als Architektin. Sie erwarb durch internationale Aufträge und ihre rege Reisetätigkeit eine Expertise in der sozialen Architektur. Bekannt sind ihre Planungen von Siedlerhütten, Kleinstwohnungen, Kindergartenbauten samt Funktionsmöbel und besonders die sogenannte „Frankfurter Küche“, dem Prototyp der modernen Einbauküche. Den Grundstein für ihren beruflichen Werdegang bildete ihre Ausbildung an der Kunstgewerbeschule, mit einem Schwerpunkt auf Architektur bei Oskar Strnad und Heinrich Tessenow. Hervorzuheben ist zudem ihr lebenslanges politisches Engagement für Frauenrechte und ihr Widerstand gegen das Nazi-Regime.
Margarete Schütte-Lihotzky war es ein großes Anliegen, ihre Gedanken, ihr Handeln und ihre Projekte im Rahmen der Wissenschaft und Forschung nachvollziehbar zu machen. Daher hat sie ihren umfangreichen beruflichen Nachlass ihrer Ausbildungsstätte, der heutigen Universität für angewandte Kunst Wien hinterlassen, wo dieser von Kunstsammlung und Archiv betreut wird.
Weiterführende Links
dieangewandte.at
base.uni-ak.ac.at
kunstsammlungundarchiv.zetcom.net