800 Jahre Tiroler Kirchen- und Landesgeschichte

Von Kaisern bis zur Nordischen Ski-WM

Das Diözesanarchiv Innsbruck und die Pfarrarchive dokumentieren die Geschichte der katholischen Kirche in großen Teilen des Bundeslands Tirol. Während in den Pfarrarchiven die Überlieferung bis weit ins Mittelalter zurückreicht, beginnen die Bestände im Diözesanarchiv im 20. Jahrhundert.

Einblicke in die Regionalgeschichte

Archivalien in den Pfarrarchiven sind ein Fenster in die Vergangenheit von Gemeinden und teilweise ganzen Tälern. Die Urkunden, Rechnungs- und Bruderschaftsbücher dokumentieren neben religiösen, ganz weltliche Dinge. Erbschaften, Verkäufe, Forst- und Almstreitigkeiten stehen neben Altarweihen und Messstiftungen. Sie geben Einblicke in den Alltag, überliefern zahlreiche Namen und zeigen (über)regionale Vernetzungen auf.

Besondere Stücke sind mit Buchmalerei künstlerisch gestaltete Ablassbriefe aus dem 14. Jahrhundert in Absam, Tarrenz und Wenns im Pitztal.

Im Pfarrarchiv Silz gibt eine Urkunde Einblicke in die europäische Geschichte. Erzbischof Johannes in Brügge beurkundet die Abschrift einer Urkunde Karls V. vom 2. September 1532 aus Regensburg, mit welcher der Kaiser für treue Dienste bei seiner Schwester Maria zwei lebenslange Renten gewährt. Seine Schwester war Königin von Ungarn und Böhmen sowie Statthalterin der Niederlande.

Überregionale Bedeutung haben auch die Raitbücher aus Schwaz. Sie geben Einblicke in die dritte Bauphase der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt ab 1490. Sie ist eine der wenigen vierschiffigen Kirchen in Europa. Die Rechnungsbücher geben nicht nur Einblicke in die Baugeschichte, sondern auch in die Lebensverhältnisse in der Bergbaustadt von europäischer Bedeutung.

Neben Urkunden etwa von Nikolaus von Cusanus und Kaiser Maximilian gibt es Einblicke ins Alltagsleben einfacher Menschen. So reserviert ein Walter Laimgruber aus Jenbach im März 1586  „…die halbe Alpe Gräsperg samt halben Kessel und Käszeug“.

Von Erinnerungskultur bis zum Hubschrauber Stützpunkt

Bischof Reinhold Stecher (1921-2013) prägte nicht nur in seiner Amtszeit Tirol (1981-1997). Über 4.200 Predigten und Vorträge aus seinem Nachlass sind nun erstmals öffentlich zugänglich. Stecher begeisterter Bergsteiger, Künstler und Seelsorger war im In- und Ausland als Vortragender gefragt. Als Bischof war er bei weltlichen und kirchlichen Ereignissen in Tirol zu Gast. Als pointierter und kritischer Kommentator kirchlicher wie politischer Zustände, schreckte er nicht vor unbequemen Fragen zurück.

Beispielhaft sollen einige Dokumente aus dem Bestand vorgestellt werden:

Die Ansprache zur Eröffnung der neuen Synagoge in Innsbruck im März 1993 legt Zeugnis ab für Stechers Einsatz gegen Vergessen und Antisemitismus. Sie gibt aber auch Einblick in eigene Erfahrungen während der NS-Zeit.

Ein Stück Sportgeschichte und Zeugnis für seine Weltoffenheit ist die mehrsprachige Begrüßung anlässlich eines Gottesdienstes bei der Nordischen Ski-WM in Seefeld 1985.

Stechers Ansprachen bei Eröffnungen, Einweihungen und Feierlichkeiten sind Zeugnisse der Regionalgeschichte. Große und kleine Ereignisse wie die Segnung eines neuen Rettungshubschraubers, Markterhebungen und Landesfeiern sind hier dokumentiert.

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