Räume der Macht
Die Online-Sammlung des DomQuartier Salzburg
Die Prunkräume der Salzburger Residenz, das Zentrum der politischen Machtdemonstration, wurden unter Fürsterzbischof Franz Anton von Harrach ab 1710 modernisiert und mit aufwendigen Dekorationen neu ausgestattet. Für die Deckengemälde schufen die Maler Martino Altomonte und Johann Michael Rottmayr ein aufwendiges Bildprogramm rund um das Leben und die Tugenden Alexanders des Großen. Auch in den Stuckdekorationen wird dieses Thema variiert und aufgenommen. Mit der Ausführung wurde der Wiener Hof-Stuckateur Alberto Camesina beauftragt, der dafür sogar ein höheres Honorar erhielt als die Maler der Deckenbilder.
Zwischen Weisheit, Frieden und Sieg
Im Rittersaal thronen hoch oben unter der Decke kunstvolle Stuckfiguren. Eine von ihnen steht symbolisch für „die weise Herrschaft“. Die Frau trägt einen Palmzweig, ein Buch und Waffen bei sich. Diese Attribute stehen für Frieden und Sieg, Weisheit sowie Krieg und Kampf.
Das kleine Deckenbild im Konferenzzimmer (siehe oben) malte Martino Altomonte im Jahr 1711. Es zeigt den jungen Alexander den Großen in Rüstung auf seinem Pferd, begleitet von Soldaten. Mit dem Feldherrenstab weist er auf die Stadt Alexandropolis, die er gerade gegründet hat.
Einblicke in die Welt der Fürsterzbischöfe
Fürsterzbischof Freiherr von Firmian war ein großer Freund der Astronomie und Zeitmessung. Um 1730–1740 ließ er diese Nachtuhr beim Uhrmacher Jakob Bentele anfertigen. Sie diente speziell für die Nacht: Hinter der Uhr wurde eine Kerze oder Öllampe aufgestellt. Ihr Licht warf die Schatten der Zeiger auf ein Ziffernblatt aus französischer Seide, sodass man im Dunkeln die Zeit ablesen konnte. Schön, aber brandgefährlich! Heute schmückt die Uhr die Antecamera, den Vor- und Warteraum vor dem Zentrum der Macht: dem Audienzzimmer.
Dieser Armlehnsessel im Audienzzimmer gehört zu einer luxuriösen Sitzgarnitur, die Fürsterzbischof Hieronymus Colloredo um 1780 in Paris erwarb. Der gefragte Möbeltischler Henri Jacob fertigte ihn im klassizistischen Stil aus vergoldetem Massivholz. Sitz- und Rückenfläche sowie die Armlehnen sind gepolstert. Der rosa-rote Wollstoff ist mit einem Dekor aus großen Blumen verziert. Pariser Möbel dieser Art waren an europäischen Höfen besonders begehrt.
Das ovale Porträt in der Retirade, dem Arbeits- und Rückzugsort, zeigt Fürsterzbischof Franz Anton von Harrach. Gemalt wurde es vom kaiserlichen Hofmaler Frans van Stampart im Jahr 1710 in Wien. Der Fürsterzbischof ist sitzend dargestellt, in typischer roter Kleidung und weißem Chorrock aus Spitze. Besonders auffällig: Er trägt als erster Salzburger Fürsterzbischof eine modische Perücke.
Im Prunkschlafzimmer ließ sich Fürsterzbischof Harrach eine Privatkapelle einrichten. Das um 1710 entstandene Altarbild von Johann Michael Rottmayr zeigt links die mystische Vermählung der heiligen Katharina mit dem Jesuskind. Maria hält ihren Sohn liebevoll im Arm; daneben sind Josef und der junge Johannes der Täufer zu sehen. Darüber erscheinen Gottvater und die Taube des Heiligen Geistes. Die leuchtenden Farben entfalten selbst in dem fensterlosen Raum eine eindrucksvolle Wirkung.
Höfische Tafeln und kaiserliche Audienzen
Der sogenannte Thronsaal diente unter den Fürsterzbischöfen als Gesellschafts- und Speisezimmer für die abendliche Hoftafel im kleinen Kreis. Ab 1816, als Salzburg ein Teil des Habsburgerreiches wurde, wurde der Raum als Audienzzimmer der österreichischen Kaiser verwendet, wenn sie sich in Salzburg aufhielten.
Eine Besonderheit ist die originale barocke Wandbespannung aus Seidenbrokat: dunkelroter Stoff aus Leinen und Seide, durchwirkt mit Silberfäden. Füllhörner, Blätter und Blüten schmücken die Stoffbahnen und wiederholen sich als kunstvolles Muster. Befestigt wurden die Bahnen auf Holzleisten, die an die Wand genagelt wurden. Heutzutage eine Rarität!
Aufbruch in eine neue Zeit
Der weiß glasierte, teilweise vergoldete Prunkofen entstand zwischen 1770 und 1780 für Fürsterzbischof Hieronymus Colloredo. Der rückseitig beheizbare Ofen wird oben von einer großen Urne gekrönt, aus der Flammen emporsteigen.
Die Wandgestaltung im sogenannten Weißen Saal ließ der letzte Fürsterzbischof Hieronymus Colloredo ab 1781 vom Stuckateur Peter Pflauder ausführen. Antike Themen rund um Alexander den Großen – wie hier die Durchschlagung des Gordischen Knotens - prägen den Raum. Struktur, Ordnung und Klarheit spiegeln den neuen Geist der Aufklärung wider und markieren eine Abwendung vom üppigen und verspielten Barock.