Die Parzellenprotokolle des Franziszeischen Katasters (1817–1861)

Die historischen Landschaften Österreichs neu entdecken – im Citizen-Science-Projekt FRANZI

Das Citizen-Science-Projekt FRANZI hat über 20.000 Parzellenprotokolle des Franziszeischen Katasters (1817–1861) für ganz Österreich digitalisiert. Mit Hilfe von Freiwilligen wurden diese Protokolle erfasst, was die Schaffung einer modernen und durchsuchbaren Online-Datenbank ermöglicht, die wertvolle Einblicke in historische Besitzverhältnisse und Landschaften bietet. 

Was sind Parzellenprotokolle – und warum sind sie so wertvoll?

Die Parzellenprotokolle sind das schriftliche Herzstück des Franziszeischen Katasters (1817–1861), der ersten flächendeckenden Erfassung von Grundstücken im ehemaligen Kaisertum Österreich. Sie enthalten nicht nur Angaben zu jedem einzelnen Grundstück (Parzelle), sondern liefern ein erstaunlich detailreiches Bild von Besitz, Nutzung und Lebenswelt im 19. Jahrhundert. Jede Parzelle ist hier mit Angaben zu Eigentümer:innen, Haus- oder Hofnamen, Flächengröße, Art der Nutzung (Acker, Wiese, Wald, Gebäude etc.), Ort, Hausnummer und oft sogar Flurnamen dokumentiert – ein Schatz für Historiker:innen, Familienforscher:innen, Lokalchronist:innen und alle, die sich für die Geschichte ihres Ortes interessieren.

Vom Archiv zur digitalen Ressource

Jahrzehntelang schlummerten die Protokolle – als gebundene Amtsbücher – weitgehend unerschlossen in Archiven. Die zum Teil schwer lesbare Handschrift, die tabellarische Struktur und die schiere Menge der Parzellen – man geht von über 10 Millionen Parzellen für das heutige Österreich aus, machten eine Digitalisierung und Nutzung bisher aufwendig. Dank der Unterstützung durch das Programm “Kulturerbe digital” konnten nun alle Grund- und Bauparzellenprotokolle, sowie weitere wichtige Begleitdokumente, digitalisiert und online zur Verfügung gestellt werden. Sie sind über den Kulturpool sowie über Transkribus Sites online abrufbar. Es handelt sich um über 20.000 Dokumente.

Citizen Science: Geschichte gemeinsam erschließen

Die Digitalisierung der Parzellenprotokolle stellt jedoch nur den ersten Schritt dar. Denn das eigentliche Ziel des Projekts FRANZI ist die Erfassung aller Parzellen in einer Webanwendung, die die Informationen aus den Parzellenprotokollen direkt mit der Urmappe verbindet. Durch die engagierte Mitarbeit von über 50 Citizen Scientists konnte dieses Ziel im Rahmen eines Citizen-Science-Projekts für das Bundesland Tirol schon erreicht werden. Über mehrere Jahre hinweg haben Freiwillige Daten aus den Protokollen erfasst, kontrolliert und georeferenziert. Ihre Arbeit macht es möglich, dass heute alle ca. 750.000 Parzellen aus Tirol mit allen relevanten Informationen online durchsuchbar sind – ein Meilenstein der partizipativen Geschichtsforschung. In enger Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen werden derzeit weitere Bundesländer für die Erfassung durch Freiwillige im Rahmen des Citizen-Science-Projekts eingespielt.

FRANZI – Die Online-Datenbank zum Franziszeischen Kataster

Das Ergebnis ist „FRANZI“ – eine moderne Webanwendung, die den Schatz der Parzellenprotokolle frei zugänglich macht.

  • Interaktive Karte: Historische Urmappen bilden die Grundlage, auf der alle Parzellen punktgenau verortet sind.
  • Volltextsuche & Filter: Nutzer*innen können gezielt nach Namen, Ortslagen, Parzellennummern oder Nutzungsarten suchen und Ergebnisse nach individuellen Kriterien filtern.
  • Detailinfos auf einen Klick: Zu jeder Parzelle erscheinen Informationen wie Eigentümer*in, Nutzung, Flächenmaß und mehr.
  • Wissenschaft & Bürgerbeteiligung vereint: Die Plattform ist Ergebnis eines außergewöhnlichen Miteinanders von Forschung und Öffentlichkeit.

Warum sind Parzellenprotokolle auch für weitergehende wissenschaftliche Studien so interessant?

  • Sie eröffnen einzigartige Einblicke in Besitzverhältnisse, soziale und wirtschaftliche Strukturen sowie Landschafts- und Siedlungsgeschichte im 19. Jahrhundert.
  • Sie erlauben genealogische Recherchen, Analyse von Flurnamen, Studien zu landwirtschaftlicher Nutzung oder die Nachverfolgung alter Hausnamen.
  • Sie dokumentieren, wie Modernisierung, Industrialisierung und gesellschaftlicher Wandel konkret "vor Ort" sichtbar wurden.
  • Alle Daten zu FRANZI finden sich zudem im Repositorium ZENODO und können unter der Lizenz CC0 weiterverwendet werden.

Mitmachen beim Citizen-Science Projekt – mit FRANZI

Die Eingabe der Daten erfolgt über die Anwendung: Franziszeischer Kataster - Webplattform für Citizen Scientists. Interessierte können sich hier registrieren und ihre „Wunschgemeinde“ bearbeiten. Der laufende Fortschritt wird direkt auf der Webplattform dokumentiert.

Das Projekt FRANZI ist ein Gemeinschaftsprojekt der READCOOP SCE, der Universität Innsbruck, des Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen, des Tiroler Landesarchivs und des Tiroler Bildungsforums.

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