Gestickte Moral
Spruchtücher zwischen Tradition, Rollenzuschreibung und Illusion
Mehr als 500 handbestickte Spruchtücher bilden eine einzigartige Teilsammlung des Frauenmuseum Hittisau. Sie stammen aus der Region und darüber hinaus – darunter auch Tücher, die Migrantinnen in kroatischer, italienischer, tschechischer oder ungarischer Sprache mitgebracht haben.
Nadel, Faden und Normen
Die Spruchtücher sind mit Ermahnungen und Lebensweisheiten versehen – etwa zu Fleiß, Frömmigkeit oder Sparsamkeit. Oft vermitteln sie doppelmoralische Botschaften: zwischen Ideal und Realität, Wunschbild und Lebenswirklichkeit.
In der Ausstellung „Gestickte Moral. Spruchtücher zwischen Tradition, Rollenzuschreibung und Illusion“ (2014–2015) wurden diese textile Alltagskunst und ihre kulturgeschichtliche Bedeutung erstmals umfassend gezeigt. Die Tücher erweisen sich als aufschlussreiche kultur- und frauenhistorische Dokumente und erzählen von Rollenfestschreibungen, Wertvorstellungen, Disziplinierungsstrategien und menschlichen Beziehungen als Wunschbild, Realität oder Bürde. Als Teil der Sammlung geben sie Einblick in die Alltagskultur von Frauen* über Generationen hinweg.