Das Künstlerhaus in neuer Dimension

The Künstlerhaus Experience

Im Rahmen des Projekts „The Künstlerhaus Experience“ eröffnet das Wiener Künstlerhaus neue Wege, seine Geschichte zu entdecken. Dank Augmented-Reality-Technologie (AR) können Besucherinnen und Besucher das traditionsreiche Künstlerhaus auf einzigartige Weise erleben und in vergangene Epochen eintauchen. Die Grundlage dieses innovativen Projekts bildet die umfangreiche Digitalisierung von fast 5.000 Objekten aus dem Bestand des Künstlerhaus-Archivs. Dazu gehören faszinierende Fotos von Gschnasfesten und Ausstellungen, historische Ausstellungsplakate, Kataloge und Korrespondenzen bedeutender bzw. historisch relevanter Künstler.

Digitalisiertes Erbe

Parallel zur dreidimensionalen Zeitreise vor Ort im Künstlerhaus, für die nur eine Auswahl der Digitalisate verwendet wird, kann der gesamte Bestand an historischen Objekten, der im Zuge dieses Projektes digitalisiert wurde, über das neu geschaffene Onlinearchiv des Künstlerhauses eingesehen werden.

Von Ausstellungen, Festen und Netzwerken der Kunst

Die Auswahl der Objekte steht für die drei wesentlichen Säulen der Geschichte des Künstlerhauses bzw. der Künstlerhaus Vereinigung: dem Ausstellungswesen, den Festen und den Mitgliedern selbst.

Die Objekte dokumentieren nicht nur die Geschichte des Künstlerhauses, sie bilden auch eine unerlässliche Quelle für die österreichische (Kunst-) Geschichtsforschung. Die Relevanz der Archivalien, die im Zuge dieses Projektes veröffentlicht werden, ergibt sich aus der historischen Rolle, welche die Künstlerhaus Vereinigung seit ihrer Gründung im Jahr 1861 innehatte. Über mehrere Jahrzehnte stellte sie quasi die Standesvertreterin sämtlicher Künstlerinnen und Künstler (in der Realität waren es im Grunde nur Künstler) Wiens dar. Diese Monopolstellung sollte sie bis Ende des 19. Jahrhunderts einnehmen. 

Die Ausstellungs-Fotografien, beginnend mit der Internationalen-Jubiläums-Kunst-Ausstellung im Jahr 1888, zeigen das Künstlerhaus als Ort der Kunst, aber auch der Politik und Propaganda.

In den Bereich der Ausstellungen fällt auch der Bestand der Plakate. Der Wandel vom Plakat als reines Informationsmedium hin zur eigenen Kunstform lässt sich anhand der über 200 digitalisierten Ausstellungs-Plakate – von 1887 bis 1946 – nachvollziehen.

Die Kataloge des Künstlerhauses komplettieren die Kategorie der Ausstellungen. Von 1868 bis 1910 sind die historischen Kataloge, welche eine wertvolle Quelle für die Kunstgeschichts- sowie die Provenienzforschung darstellen, frei zugänglich.

Was ist Gschnas?

„Gschnas“, das meinte eigentlich wertloses Zeug, Reste und Überbleibsel. Daraus wurden die künstlerischen und parodistischen Gschnaskuriositäten gefertigt, die dem Gschnasfest dann seinen Namen gaben.

Der Glanz der Gschnasfeste

Die Fotografien der Gschnasfeste bilden ein Highlight dieses Projekts. Gschnas – das war mehr als nur ein Fest – es war als popkulturelles Ereignis Kostümfest und Wunderkammer zugleich. Bevor die Staatsoper mit ihrem Opernball die Ballsaison dominierte, bildete das Künstlerhaus mit seinen Gschnasfesten für lange Zeit das Highlight im Wiener Fasching.

Die von den Mitgliedern selbst geschaffene Dekoration verwandelte das Künstlerhaus in ein begehbares Gesamtkunstwerk, das mit seinen aufwendig gestalteten Kulissen den Besucher:innen ein eskapistisches Erlebnis bot und gleichzeitig die Kunstfertigkeit seiner Schöpfer:innen demonstrieren sollte. Das Gschnas stand somit im Kontrast zur konventionellen, „langweiligen“ Präsentation von Kunst. Die nur für wenige Tage existierende Kulisse war vergänglich und aktuell zugleich: In der jedes Jahr neu geschaffenen humoristischen und persiflierenden Gschnaskunst spiegelten sich die jeweils aktuellen gesellschaftspolitischen Diskurse wider. Unter der Narrenkappe des Gschnas machte man sich über alles lustig, auch über sich selbst. Der Fotobestand dokumentiert dieses, in einen Ort der künstlerischen Freiheit verwandelte Künstlerhaus.

Im Dialog mit den Mitgliedern

Im dritten Bereich zeigt sich das Künstlerhaus als Verein, der mit seinen Mitgliedern, Künstlerinnen und Künstlern, im Austausch stand. Die Korrespondenz, in ihrer unterschiedlichen Form – vom Autograf, über das Konzept bis hin zu Lebenslauf und Anmeldungen für Ausstellungen im Künstlerhaus – ist biografische Quelle und Dokument, das die Rolle und das Selbstverständnis des Künstlerhauses illustriert, zugleich.

Erlebbare Geschichte

Im Projekt „The Künstlerhaus Experience“ fließen somit zwei Projekte ineinander. Zum einen die AR-App „Künstlerhaus Experience“, mit der die Geschichte des Künstlerhauses interaktiv erlebt werden kann, zum anderen das Online-Archiv, welches als Datenbasis für die App-Umsetzung dient und über das die digitalisierten Objekte zu Kulturpool verlinkt werden.

Das Ziel des gesamten Projekts ist es, das kulturelle Erbe des Künstlerhauses einem breiteren Publikum zugänglich zu machen und gleichzeitig die Vielfalt und Bedeutung der Künstler:innenvereinigung zu unterstreichen. Durch die Verknüpfung von Archivmaterial und moderner Technologie entsteht ein völlig neues, immersives Erlebnis, das Vergangenheit und Gegenwart auf spannende Weise zusammenführt.

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