Aufgetaucht: Die digitalen Pfahlbauten

Ein Schatz aus der Urgeschichte wird sichtbar

Vor über 7.000 Jahren entstanden an den Alpenrandseen erste Siedlungen. Heute sind diese UNESCO-Welterbestätten unter Wasser – unsichtbar und doch voller archäologischer Schätze, deren Objekte Geschichten vom Leben in der Urgeschichte erzählen.

Ein Welterbe, das unter Wasser liegt

An den Ufern von Attersee, Mondsee und anderen österreichischen Seen verbergen sich Geheimnisse aus einer fernen Vergangenheit. Seit 2011 gehören fünf österreichische Pfahlbausiedlungen zum transnationalen UNESCO-Welterbe „Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen“. Diese archäologischen Stätten sind einzigartig: Sie liegen im Boden von Seen und Mooren und sind durch das Wasser und Seesedimente hervorragend konserviert. Das bedeutet, dass Gegenstände aus Holz, Textilien und anderen organischen Materialien – Dinge, die sonst längst vergangen sind – bis heute erhalten geblieben sind.

Doch es gibt ein Problem: Weil diese Siedlungen unter Wasser oder tief im Boden liegen, können normale Besucher:innen sie nicht sehen. Das UNESCO-Welterbe bleibt für die Öffentlichkeit unsichtbar – daher der Name des Projekts: „Aufgetaucht“.

Was sind Pfahlbauten?

Pfahlbauten sind prähistorische Siedlungen, deren Häuser auf Holzpfählen in flachen Seen, Mooren oder Uferzonen errichtet wurden. Aufgrund der feuchten Böden sind die Funde außergewöhnlich gut erhalten und geben somit Einblick in den Alltag, Technik und Umwelt der Menschen von vor über 2000 bis 7000 Jahren.

Objekte erzählen ihre Geschichte

Das Projekt „Aufgetaucht – die digitalen Pfahlbauten“ hat diese verborgene Welt digital zum Leben erweckt. Über 500 Objekte aus elf verschiedenen österreichischen Sammlungen wurden durch das Kuratorium Pfahlbauten gemeinsam mit dem 3D-Studio Crazy Eye digitalisiert – darunter hochauflösende 3D-Scans und historische Dokumente.

Was findet sich in dieser virtuellen Sammlung? Alles Mögliche aus dem Alltag der Menschen der Jungsteinzeit und Bronzezeit:

  • Keramikgefäße in verschiedenen Formen und Größen – Kochtöpfe, Schalen und Behälter
  • Werkzeuge aus Stein und Metall – Beile, Messer und Speerspitzen
  • Schmuck und persönliche Gegenstände – Perlen, Anhänger und Ringe
  • Aber vor allem auch organische Funde, die sonst verloren wären und die vielleicht auch in Zukunft schwerer zu konservieren sind: Holzteile, Knochen, Samen und sogar Haselnuss-Schalen aus der Jungsteinzeit
  • Besonderheiten sind seltene Stücke wie getrocknete Wildäpfel und die Reste von Textilien – winzige Fenster in den Alltag unserer Vorfahren

Die Objekte stammen aus verschiedenen Epochen der Pfahlbauten in Österreich: vom Neolithikum (Jungsteinzeit) bis zur Bronzezeit – ein Zeitraum von etwa 2500 Jahren Menschheitsgeschichte.

Von privaten Sammlungen bis zu großen Museen

Das Besondere an dieser digitalen Sammlung: Sie bringt erstmals verstreute Objekte zusammen. Die Funde lagern in Museen wie dem NHM Wien, oder den Landesmuseen von Oberösterreich und Kärnten, in kleinen regionalen Heimathäusern, in Universitätssammlungen – und sogar in Privatsammlungen, die sonst der Öffentlichkeit verborgen bleiben würden. Durch die Digitalisierung werden all diese Schätze nun an einem virtuellen Ort zusammengeführt.

Die Bedeutung: Warum ist das so wichtig?

Diese Objekte sind mehr als nur alte Dinge. Sie sind Zeugnisse von Menschen, die hier vor tausenden von Jahren lebten, aßen, arbeiteten und ihre Familien großzogen. Die außergewöhnlich gute Erhaltung unter Wasser gibt uns einen unvergleichlichen Einblick in ihre Welt – viel detaillierter, als man es von den meisten anderen archäologischen Stätten kennt.

Die digitale Sammlung schafft Zugang für alle: Schulklassen können die Objekte im Klassenzimmer erforschen, Forscherinnen und Forscher können Vergleichsstudien anstellen, ohne zu reisen, und Privatpersonen können aus Neugier entdecken, wie Menschen in der Vorgeschichte lebten.

PfahlbauKompass: Ein Museum in der Tasche

Die Objekte sind in der kostenlosen Webapplikation PfahlbauKompass zugänglich. Hier können Nutzer:innen die 3D-Modelle von allen Seiten erkunden, Informationen zu den Objekten abrufen und sie auch nach Material, Epoche oder Fundort filtern. Es ist ein „Pile Dwelling Museum for your Pocket“ – ein Museum der Pfahlbauten für die Hosentasche.

Ein Projekt mit Auszeichnung

Die hohe Qualität dieser digitalen Sammlung wurde 2024 mit dem Digital Creative Award bei einer internationalen Konferenz für Kulturerbe und neue Technologien ausgezeichnet. Das ist eine Anerkennung dafür, dass hier nicht nur digitalisiert, sondern auch innovativ vermittelt wird.

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