Materielle Spuren der Gewalt
Archäologische Funde in der Sammlung der KZ Gedenkstätte Mauthausen
Die KZ-Gedenkstätte Mauthausen verfügt über umfangreiche Sammlungen von Schriftgut, Fotografien, Oral History-Interviews, Büchern und Artefakten. Die Artefaktesammlung setzt sich in der Mehrzahl aus Funden zusammen, die im Zuge von archäologischen Maßnahmen seit Anfang der 2000er Jahre geborgen wurden. Für den Kulturpool wurden Gegenstände digitalisiert und inventarisiert, die bei der Grabung anlässlich des Baus des Besucher*innenzentrums in Mauthausen 2002/03, bei der Bergung von Objekten aus einem der Teiche im Steinbruch Wiener Graben 2012, bei der Grabung am ehemaligen SS-Sportplatz 2017 oder auch bei der Grabung am ehemaligen Zweiglager Gusen 2021 gefunden wurden. Der größte Teil der archäologischen Funde stammt aus einem archäologischen Survey am Gelände des ehemaligen KZ-Außenlagers Gunskirchen im Jahr 2019.
Objekte des Alltags im Konzentrationslager
Die hier präsentierten archäologischen Funde sind sehr heterogen in Größe, Material und Erhaltungszustand. Sie reichen von Gegenständen des Alltags der KZ-Häftlinge wie Geschirr, Bekleidung, Medikamentenbehältnissen oder Hygieneartikeln bis hin zu Gegenständen aus dem Gebrauch der Täter oder solchen für die Infrastruktur beziehungsweise aus dem Zusammenhang der Zwangsarbeit für die Rüstungsproduktion.
Von der Aluminiumdose bis zum Ziegel
Die größte Objektgruppe der digitalisierten Funde besteht aus Metall, hauptsächlich Eisen und Aluminium, wie etwa Geschirr, Salben und Cremen oder auch Militaria wie Helme. Eine weitere umfangreiche Objektgruppe besteht aus Textil und Leder, darunter Kleidung, Schuhe, Gürtel oder Handschuhe beziehungsweise Fragmente von diesen. Auch Objekte aus Kunststoff, wie Zahnbürsten, Dosen, Knöpfe, Kämme und Gasmasken sind enthalten. Des Weiteren sind Objekte der Materialgruppe Glas zuzuordnen, darunter Flaschen und einzelne Fragmente. Auch Keramik/Porzellan, wie Ziegel und Geschirr, gehört zum Fundgut.
Zeugnisse von Häftlingen, Tätern und Befreiern
Der meisten der hier erfassten Objekte können den KZ-Häftlingen zugeordnet werden. Oftmals sind dies Gegenstände des persönlichen Gebrauchs – Geschirr, Zahnbürsten, Kämme oder Bekleidung. Einige Objekte sind der Bewachung, der Lager-SS, zuzuordnen oder stammen von den baulichen Vorrichtungen zur Machtausübung über die Gefangenen. Nur wenige Objekte weisen auf die US-amerikanischen Befreier hin.
Unter den digitalisierten Objekten befinden sich etliche mit Stempelungen und Markierungen, bei denen es sich um Herstellermarken, aber auch um individuelle Markierungen wie Häftlingsnummern, Namen oder einfachen Verzierungen handelt. Diese Objekte stellen eine Besonderheit dar, da sie mit einer Person oder einer Firma, also einem konkreten Namen, verknüpft werden können.