Digitalisiere, wo du stehst

Geschichte der Arbeit sichtbar machen

Mit dem Projekt „DIGITALISIERE, WO DU STEHST“ stellt das Museum Arbeitswelt in Steyr erstmals seine Bilder, Dokumente und dreidimensionalen Objekte aus dem Bereich der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte einer breiten Öffentlichkeit online zur Verfügung.

Arbeitsgeschichte digital

Untergebracht in zwei ehemaligen Fabriksgebäuden aus dem 19. Jahrhundert, ist das Museum Arbeitswelt nicht nur das erste und einzige Arbeitsmuseum in Österreich, sondern hat sich seit der Eröffnung im Jahr 1987 zu einer international renommierten Kulturinstitution und einem über die Landesgrenzen hinaus nachgefragten Lernort etabliert.

Die im Rahmen des Projekts erstellte digitale Sammlung des Museum Arbeitswelt umfasst rund 12.000 digitalisierte Objekte (Fotos, Dokumente und 3D-Objekte) aus dem Depot und Archiv. Die Fotobestände zur Arbeits- und Wirtschaftsgeschichte reichen vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1980er-Jahre und zeigen die Fabrik- und Industriearbeit in unterschiedlichen Industriezweigen, wie der metallverarbeitenden Industrie (Eisen- und Stahlindustrie), Textilindustrie oder Tabakindustrie.

Bilder einer arbeitenden Gesellschaft

Die digitalisierten Bestände beinhalten Aufnahmen von Fabriksgebäuden der Österreichischen Waffenfabriksgesellschaft, die ab den 1860er-Jahren im Wehrgraben in Steyr angesiedelt war und zu den größten Waffenschmieden in der Habsburger-Monarchie zählte. Ebenso zeigen die Bilder den Neubau der Waffenfabrik auf der Ennsleite, wo sich ab den 1930er-Jahren die Steyr-Daimler-Puch AG befand und heute die Nachfolgebetriebe angesiedelt sind. Die Fotos dokumentieren die Geschichte der Industrialisierung in Österreich bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts. Seltene Aufnahmen machen die Geschichte der Arbeit sichtbar und zeugen vom hohen Organisationsgrad der frühen Arbeiter:innenbewegung.

Leben zwischen Krise und Solidarität

Die Fotobestände zur Zwischenkriegszeit bilden die politischen Machtverhältnisse der Ersten Republik und das Erstarken der Arbeiter:innenbewegung ab. Sie umfassen diverses Bildmaterial zur Arbeitslosigkeit in Steyr und Oberösterreich und zeigen die Not und das Elend während der Weltwirtschaftskrise in den 1930er-Jahren. Darüber hinaus zeigen sie die Lebens- und Wohnverhältnisse der arbeitenden Bevölkerung in Steyr und das vielfältige Vereinsleben der Arbeiter:innenschaft.

Wenn Geschichte Gewalt wird

Neben den Themen wie Arbeit und Industrialisierung umfasst die Fotosammlung des Museum Arbeitswelt auch Bilder von zeithistorischem Wert. So decken einzelne Bestände der Fotosammlung die politische Lagerbildung und Radikalisierung in der Ersten Republik ab und reichen bis in die Zeit des austrofaschistischen Ständestaates hinein. Ein in sich geschlossener Bestand zu den Februarkämpfen 1934 beinhaltet etwa Aufnahmen von Schutzbundangehörigen und Schutzbundtruppen sowie Heimwehrabordnungen in Steyr. Das Bildmaterial dokumentiert unter anderem die Zerstörungen aufgrund der kriegerischen Auseinandersetzungen in Steyr im Februar 1934, vor allem den Beschuss der Arbeiter:innenwohnungen im Stadtteil Ennsleite. 

Weitere Fotobestände zeigen die nationalsozialistische Rüstungsindustrie während der Zeit des Zweiten Weltkriegs und die damit verbundene Zwangsarbeit in Steyr und Umgebung. Sie zeigen die Arbeitsbedingungen und das Schicksal von Zwangsarbeiter:innen und KZ-Häftlingen und halten den NS-Terror und die nationalsozialistische Vernichtungspolitik fest.

Gesammelt, bewahrt, erzählt

Mehrere Bildbestände dokumentieren auch die Entstehungsgeschichte des Museum Arbeitswelt in Steyr mit der ersten Landesausstellung „Arbeit. Mensch. Maschine“ und anderen Ausstellungsaktivitäten ab 1987. Sie zeigen die museale Auseinandersetzung mit dem Thema Arbeit.

Die digitalisierten Dokumente aus dem Archiv dokumentieren die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Frauen und Männern ab Ende des 19. Jahrhunderts in Form von erhaltengebliebenen Dienstbotinnenbüchern, Arbeitszeugnissen und Arbeitsbüchern. Die Bestände enthalten Arbeits- und Dienstzeugnisse und geben Aufschluss über den Lohn und Verdienst sowie über die sozialen Verhältnisse von Arbeiter:innen.

Fabriksordnungen und Gebäudepläne illustrieren die Organisationsstrukturen und räumlichen Gegebenheiten von Fabriken sowie die Weiterentwicklung Steyrs als Industrie- und Wirtschaftsstandort. 

Sitzungsprotokolle von Gewerkschaftsversammlungen und Ego-Dokumente, wie Tagebücher oder Briefe von Arbeiter:innen und politischen Funktionären (nur Männer), zeigen die Entwicklung der Arbeiter:innenbewegung vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Einen wesentlichen Bestand bildet dabei die Sammlung Hack-Werke. Diese Sammlung der in den 1980er-Jahren geschlossenen Messerwarenfabrik beinhaltet Vorstandsprotokolle, Gewerkschaftsprotokolle, Gebäudepläne und -skizzen.

Objekte aus Arbeit, Alltag und Industrie

Die für das Projekt digitalisierten dreidimensionalen Museumsobjekte reichen von Anstecknadeln der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) und ihrer Vorfeldorganisationen aus der Zwischenkriegszeit über Objekte aus der NS-Zeit bis hin zu Alltags- und Haushaltsgegenständen, Arbeitsgeräten, Werkzeugen und kleineren Maschinenteilen bzw. Modellen.  

Die digitalisierten Museumsobjekte dokumentieren den Lebens- und Arbeitsalltag von 1900 bis 1990. Ein überwiegender Teil stammt aus den in Steyr ansässigen Fabriken und Industriebetrieben wie den Steyr-Werken (Steyr-Daimler-Puch AG) oder den Hack-Werken. Unter den digitalisierten Objekten befinden sich aber auch alltagshistorische Gegenstände wie Geschirr, Hygieneartikel, Kleidung oder Sportartikel. Diese haben aus diversen Privatnachlässen Eingang in die Sammlung gefunden.

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