Geheimnisvolle Kunst
Das Porzellanmuseum im Augarten
Das Porzellanmuseum im Augarten stellt mit der Digitalisierung seiner Bestände einen Querschnitt durch die Welt eines wundersam feinen, durch wissenschaftliche Ambition entstandenen Materials vor. Wiener Porzellan wirkt seit 1718 als Spiegel der Gesellschaft seiner Zeit, kostbar und zerbrechlich zugleich kann es mehr als bei Hof zu repräsentieren, bis heute schreibt es Design- und Kulturgeschichte.
Highlights aus Porzellan
Die Auswahl der Digitalisate des Porzellanmuseums im Augarten gibt einen Überblick über die faszinierende Design- und Kulturgeschichte der Wiener Porzellanmanufaktur vom 18. bis zum 21. Jahrhundert. Das Porzellanmuseum im Augarten möchte die kulturelle und künstlerische Bedeutung des echten Porzellans als einst wundersames, durch alchemistische Experimente entdeckten Materials vorstellen. Die praktischen und repräsentativen Eigenschaften dieses im frühen 18. Jahrhundert erstmals in Europa entwickelten feinen Materials und seine künstlerischen Möglichkeiten inspirieren Kunst und Design, aber auch den Alltag und die Kaffeepause bis heute.
Das Kulturerbe Wiener Porzellan wird dabei auf vielfältige Art erlebbar. Künstlerische Entwürfe und historische Fotografien aus dem Archiv des Museums erzählen von den aufwendigen Herstellungsprozessen, der Konzentration im Malereiatelier, aber auch von Tafelkultur und der besonderen Atmosphäre rund um den Brennofen einer Porzellanmanufaktur. Der Bestand historischer Fotografien aus dem Augarten Archiv ist sehr umfangreich und kompensiert teilweise den Verlust schriftlicher Archivalien.
Die Auswahl erfolgte nach dem Konzept eines Überblicks der verschiedenen Kategorien, wie Mitarbeiter*innen, Manufaktur und Werbefotografie der 1920er und 1950er Jahre, teilweise aus bekannten Ateliers von Fotografinnen wie Illona Kiss (Atelier ILKA) und Lucca Chmel (1911-1999), die aufgrund ihres künstlerischen Ansatzes neben der Darstellung des Porzellans auch ein Stück Fotografiegeschichte vermitteln.
Hören, Sehen, Staunen
Die Digitalisate beinhalten zudem Fotos von Entwürfen auf Papier, die teils in Serien zusammengehören oder als Einzelblätter vorhanden sind. Dabei wurden einerseits unbekannte Entwürfe bekannter Persönlichkeiten, wie Josef Hoffmann und Ena Rottenberg digitalisiert, aber auch vielerlei Entwürfe, die von künstlerischen Mitarbeiter:innen der Manufaktur ohne überlieferte Namen geschaffen wurden. Für die dreidimensionalen Porzellanobjekte wurde ebenfalls ein repräsentativer Überblick der Museums- und Manufaktursammlung von seltenen historischen Beispielen und zeitgenössischem Design angestrebt, die zugleich ein hohes Maß an individuellem Hintergrund und Kulturgeschichte aufweisen.
3D-Modelle zeigen die überraschenden Seiten spannender Objekte, weit über die Vitrinenansicht im Museum hinaus. Mit Hörgeschichten zu besonderen Porzellanen und ihren Auftraggeber:innen und Sammler:innen, den Stimmen der Mitarbeiter:innen aus der Porzellanproduktion, aber auch den historischen Protagonist:innen des Standorts im ehemals kaiserlichen Augarten, dem ältesten barocken Park Wiens wird die Geschichte zum Leben erweckt. Eine Klanginstallation schafft ein außergewöhnliches Hörerlebnis, komponiert aus 100 Tonaufnahmen aus der Porzellanmanufaktur. Das Geräusch des Pinsels, wenn er über die glasierte Oberfläche streicht, erstaunt ebenso wie die Musik des Klirrens, wenn Porzellan zerbricht. Am Klang des Porzellans wird seit Jahrhunderten seine Qualität „erhört“. Kopfhörer ermöglichen den Besucher:innen des Museums, ein dreidimensionales Klangfeld wahrzunehmen und auf besondere Weise in die Porzellanwelt einzutauchen.
Glanz in 3D
Das glänzende Weiß des Porzellans faszinierte seit den ersten Importen aus China und war eine der Beweggründe, die Rezeptur des Materials in Europa zu erforschen. Für die Erstellung von 3D-Modellen stellte gerade diese begehrte Eigenschaft eine Herausforderung dar, die das Digitalisierungsteam mit Experimentierfreudigkeit meisterte. Zu den besonders reizvollen Objekten der 3D-Modelle gehört eine reich dekorierte Tasse mit Untertasse des Klassizismus mit ihrem originalen Aufbewahrungsetui, das durch Nutzer:innen geöffnet werden kann und den leuchtend farbigen Inhalt freigibt. Die Epoche des Biedermeier hatte eine Vorliebe für spielerisches Porzellan, darunter „Augentäuschungen“ wie eine Butterdose in Form eines Butterlaibs mit Messer als Deckelgriff. Auch für diese Art von Verspieltheit steht mit dem 3D-Modell ein ideales Medium zur Verfügung.