Begründer der Psychoanalyse

Die Sammlung des Sigmund Freud Museums

Das Sigmund Freud Museum befindet sich in der Berggasse 19 in Wien – jenem historischen Ort, an dem Sigmund Freud von 1891 bis zu seiner Emigration im Jahr 1938 lebte und arbeitete. In diesen Räumen entwickelte er die Grundlagen der Psychoanalyse und begründete eine Denkschule, die Wissenschaft, Medizin, Kunst und Gesellschaft nachhaltig prägte.

Neben persönlichen Gegenständen, Dokumenten, Briefen, Fotografien und weiteren historischen Quellen aus dem Leben und Wirken Sigmund Freunds beherbergt das Museum auch eine umfangreiche Fotosammlung, die nahezu alle bekannten Aufnahmen von Sigmund Freud, seiner Familie und seinem engeren Umfeld vereint. Darüber hinaus bewahrt das Archiv zahlreiche Nachlässe weiterer bekannter Psychoanalytiker:innen und Patient:innen. Gemeinsam dokumentieren diese Materialien die Entwicklung der Psychoanalyse über mehrere Generationen hinweg.

Wer war Sigmund Freud?

Sigmund Freud (1856–1939) war ein österreichischer Arzt und der Begründer der Psychoanalyse. Seine Ideen zum Unbewussten, zum "psychischen Apparat" und zum Traum revolutionierten das Selbstverständnis des Menschen. Auch wenn einige seiner Konzepte nicht unumstritten sind, bildet sein Werk bis heute eine wichtige Grundlage für die Auseinandersetzung mit der menschlichen Psyche.

Die Begegnung mit dem Doppelgänger

Der Schriftsteller Arthur Schnitzler zählt zu den bekanntesten Figuren der Wiener Moderne, der mit Sigmund Freud viele Gemeinsamkeiten inhaltlicher und biografischer Art teilt. Doch erst nach Jahrzehnten kommt es zum ersten persönlichen Treffen: Eine „Doppelgängerscheu“, so Freud an Schnitzler am 15. Mai 1922, habe ihn bis dahin abgehalten, das persönliche Gespräch mit dem Anderen zu suchen.

Im oben gezeigten Brief lädt Freud am 8. Juni 1922 Schnitzler ein, „ein Abend- / essen mit uns zu teilen?  Wir sind: meine / Frau und die Ihnen bereits bekannte Tochter / außer meiner Person. Es wird kein anderer / mit dabei sein.

In seinem Tagebuch schreibt Schnitzler über diese Begegnung: „Er war sehr herzlich. Unterhaltung über Spitals- und Militärzeiten, gemeinsame Chefs etc. ... – Begleitet mich in später Stunde von der Berggasse bis zu meiner Wohnung. – Das Gespräch wird wärmer und persönlicher; – Über Altern und Sterben.“ Der Brief steht stellvertretend für die wertvolle Sammlung an originalen Schriftzeugnissen im Bestand des Sigmund Freud Museums aus der Hand Sigmund Freuds und seines engsten Kreises.

Fallgeschichte und Lebensgeschichte

Margarethe Trautenegg (1900—1999), geborene Csonka, wurde von ihren Eltern wegen ihrer homosexuellen Neigung zu Dr. Freud geschickt. Weil die Patientin nicht unter dem Leidensdruck eines inneren Konfliktes oder einer Erkrankung stand und auch sonst keine eigene Motivation zur Analyse entwickelte, brach Freud die Behandlung bald ab. Gleichwohl gab sie Anlass zu einer Schrift: "Über die Psychogenese eines Falles weiblicher Homosexualität" (1920).

Unter dem NS-Regime emigrierte Csonka-Trautenegg nach Kuba, wo sie ihr einstiges Hobby der Porträtmalerei wiederentdeckte, kehrte aber 1949 über Paris wieder nach Wien zurück. In den folgenden Jahrzehnten war sie auch als Sprachlehrerin und Gouvernante, tätig. Ihre späteren Jahre verbrachte sie häufig auf Reisen, bis sie, beinahe hundertjährig, 1999 in Wien verstarb.

Das Sigmund Freud Museum verwahrt einen Teilnachlass von Csonka-Trautenegg mit zahlreichen Fotografien, Fotoalben, Dokumenten und Briefen aus ihrem Leben. Des Weiteren findet sich Recherchematerial zur Biographie „Heimliches Begehren. Die Geschichte der Sidonie C.“ von Diana Voigt und Ines Rieder im Bestand.

Die Ermordung der Schwestern Freuds

Zum Zeitpunkt der Flucht Sigmund Freuds nach London im Juni 1938 lebten vier seiner fünf Schwestern noch in Wien. Sämtliche Versuche Adolfine Freud (1862—1942), Maria Freud (1861—1942), Rosa Graf (1860—1942) und Pauline Winternitz (1864—1942) ins Exil nachzuholen, scheiterten an der Unmöglichkeit, Ausreisebescheinigungen bzw. Einreisegenehmigungen für sie zu erlangen. Alle vier wurden in NS-Vernichtungslager deportiert und dort ermordet.

Der Bestand im Sigmund Freud Museum beinhaltet unterschiedlichste Dokumente aus finanziellen und rechtlichen Abläufen, sowie auch handschriftliche Briefe der Schwestern an verschiedene Personen, Rechtsanwälte:innen und Notar:innen in ihrem Bemühen, die Vermögensangelegenheiten gemäß den Vorschriften des Regimes zu regeln und die notwendigen Papiere für die Ausreise zu erhalten. Aus den Schriftzeugnissen geht weiters hervor, unter welch schwierigen Bedingungen die vier betagten Damen leben musste. Der Bestand diente als eine der Hauptquellen der temporären Ausstellung „Der Fall Freud. Dokumente des Unrechts“.

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