Ewigkeit in Stein?

Römersteine in Wind und Wetter

Im Zuge des Projekts „Ewigkeit in Stein? Römersteine in Wind und Wetter“ des Vereins Ubi Erat Lupa wurden die nicht in Museen verwahrten römerzeitlichen Steindenkmäler in der Steiermark dreidimensional dokumentiert.

Fragmente der Römerzeit

Reliefs, Inschriften und Architekturteile aus Marmor sind ein bedeutender Teil unseres aus der Römerzeit (in Österreich ca. 1.–4. Jh. n. Chr.) überlieferten kulturellen Erbes. Die Steine waren zumeist Teile größerer Bauten, die im Laufe der Zeit verfallen sind oder abgerissen wurden.

Viele der Steine in Österreich bestehen aus lokalen ostalpinen Marmoren, andere sind aus Kalksandstein oder anderen Gesteinen gefertigt. Die meisten sind Teile von marmornen Grabbauten (z. B. Relief mit Dienern mit Hunden) oder andere Grabmarkierungen wie Grabstelen (z. B. Porträtstele des Sextus Sacretius Priscus), Grabaltäre (z. B. Grabaltar des Caius Attius Iustus), Grabporträts (z. B. Grabrelief des Claudius Restutus) oder einfache Grabsteine (z. B. Grabinschrift des Quintus Sepueius Adiectus). Seltener sind Weihaltäre (z. B. Altar für Sol) aus Heiligtümern und kaum vorhanden sind Steine aus einer profanen Verwendung, etwa Meilensteine (z. B. Meilenstein des Kaisers Caracalla).

Stein hält nicht ewig

Nur ein Teil der Römersteine befindet sich in Museen. Als Dekoration oder einfaches Baumaterial sind viele in Kirchen und Schlössern, aber auch auf Bauernhöfen oder in Privathäusern aufgestellt oder eingemauert. Dabei sind sie oft einem langsamen, aber stetigen und vor allem unumkehrbaren Verfall, insbesondere durch Bewuchs und Witterungseinflüsse, ausgesetzt.

Das Projekt „Ewigkeit in Stein? Römersteine in Wind und Wetter“ des Vereins Ubi Erat Lupa, der die gleichnamige internationale Datenbank zu antiken Steindenkmälern betreibt, hat sich mit der 3D-Dokumentation aller nicht museal verwahrter Römersteine in der Steiermark befasst.

Römische Vergangenheit in drei Dimensionen

Von den knapp 400 Steinen wurden mittels Structure-from-Motion, einem bildbasierten dreidimensionalen Aufnahmeverfahren, hochwertige 3D-Modelle angefertigt, um den aktuellen Zustand der Objekte bestmöglich zu dokumentieren. Die Modelle stehen weitgehend unter der Lizenz CC-BY-NC 4.0 zur Verfügung und sind über die Datenbank abrufbar. Die im Zuge des Projekts ebenfalls vorgenommene Zustandsanalyse dient als Grundlage für eine konservatorische Behandlung der am stärksten gefährdeten Steine.

Die 3D-Dokumentation bietet gegenüber der bestehenden Fotodokumentation den Vorteil, dass die Steine orthogonal und skaliert bei gleichem Lichteinfall betrachtet werden können, um Ähnlichkeiten und Anpassungen noch besser erkennen und verifizieren zu können. Die Daten erleichtern durch ihre exakte Bemaßung auch die Rekonstruktion von Grabbauten und zeigen, sofern bei der Dokumentation sichtbar, auch die oft vernachlässigten Neben- und Rückseiten der Steine. Das Projekt eröffnet somit neue Perspektiven in der Erforschung und Bewahrung unseres durchaus gewichtigen antiken Kulturerbes.

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