dh@GS

digital heritage@Graz-Seckau

Im Projekt „dh@GS – digital heritage@Graz-Seckau“, das mit Mitteln aus dem Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport (BMKÖS) gefördert wurde, wurden 10.000 Archivalien aus den Beständen des Diözesanarchivs Graz-Seckau (DAGS) digitalisiert und online gestellt. Dabei handelt es sich um Dokumente, die einen besonderen Wert für die Geschichtsforschung, die Kirchengeschichte und die Musikwissenschaft der Steiermark darstellen.

Digitalisierung mit Tradition

Das Diözesanarchiv Graz-Seckau kann auf eine langjährige Erfahrung in der Digitalisierung von Archivalien verweisen. Bereits in den Jahren 2010-2013 wurden die Matriken, das sind die Tauf-, Trauungs- und Sterbebücher, aller steirischen Pfarren digitalisiert. Diese sind im Portal matricula-online.eu den zahlreichen Familienforscherinnen und -forschern online zugänglich.

700 Jahre Geschichte digital

Das Projekt „dh@GS – digital heritage@Graz-Seckau“ legt den Fokus nun auf andere Besonderheiten aus dem Diözesanarchiv Graz-Seckau. Zielsetzung war die Schaffung eines digitalen Zugangs zu Dokumenten, die für viele Wissenschaftsbereiche von Bedeutung sind. Daneben spielte auch der konservatorische Aspekt eine Rolle: Durch die Digitalisierung der bedeutsamen und jahrhundertealten Archivalien können diese unikal überlieferten Objekte für die Nachwelt auch physisch besser gesichert werden. Dies gelingt, da sie nun nur mehr digital eingesehen werden und somit eine zukünftige, physische Benützung entfallen kann.

Unter den digitalisierten Beständen im dh@GS-Projekt nimmt das „Urkundenerbe“ des Diözesanarchivs Graz-Seckau eine besondere Stellung ein. Ziel war die Digitalisierung aller Urkunden, vom Hochmittelalter bis ins 19. Jahrhundert, die in den Depots des DAGS verwahrt werden. Insgesamt 2.921 Urkunden können im digitalen Archiv des DAGS nun online eingesehen werden. Nicht nur, dass die Urkunden aus einer beträchtlichen Zeitspanne von über 700 Jahren stammen, sondern auch die große Varianz an unterschiedlichen Urkundentypen ist bezeichnend für diesen Archivbestand. So lassen sich darin von Papstbullen, über Herrscherurkunden, wie Kaiser- und Königsdiplomen und (Erz-)Bischofsurkunden, bis hin zu Privaturkunden alle Arten von Urkunden des Mittelalters und der frühen Neuzeit finden. Zu den hochaufgelösten Bildern gibt es als Metadaten Urkundenregesten mit Ausstellungsdatum und Ausstellungsort der einzelnen Urkunden.

Klang der Vergangenheit

Neben den Urkunden kommt einem weiteren Bestand eine Sonderrolle bei der Digitalisierung im Zuge des dh@GS-Projektes zu. Das Diözesanarchiv Graz-Seckau beherbergt eine Sammlung von tausenden Musikalien, die in den steirischen Pfarren seit dem 17. Jahrhundert gesammelt und in der Mitte des 20. Jahrhunderts nach Graz überstellt wurden. Darunter befinden sich zahlreiche Schätze barocker und klassischer Musik. Insgesamt wurden im dh@GS-Projekt 3810 Musikalien digitalisiert, deren Metadaten erfasst und anschließend online gestellt.

Die berühmtesten Musikalien dieser Sammlung sind wohl die sogenannten „Grazer Sonaten“ von Antonio Vivaldi: Violinsonaten, deren weltweit einzige Überlieferung aus dem Pfarrarchiv Bad Aussee stammt und die sich nun im Diözesanarchiv Graz-Seckau befindet (z.B.: Antonio Vivaldi, Graz Sonate für Violine & b.c. in C-Dur, RV 4).

Was ist ein Urbar?

Ein Urbar (Urbarium) ist ein historisches Verzeichnis über Grundbesitz sowie Abgaben und Pflichten von Untertanen. Es diente der Verwaltung von Gütern und Einnahmen, wie ein frühes Grund- und Steuerbuch.

Reformation, Macht und Manuskripte

Einen weiteren Schwerpunkt stellte die Digitalisierung von Handschriften, Amtsbüchern und Akten aus dem Diözesanarchiv Graz-Seckau aus der Zeit vor 1633 dar. Dabei handelt es sich zum einen um Urbare, Zehentverzeichnisse und Weiheprotokolle aus dem Mittelalter, die Einblick in das damalige Leben und das Wirken des Bischofs und des Bistums geben.

Zum anderen wird die historisch äußerst interessante Zeit des ausgehenden 16. und beginnenden 17. Jahrhunderts beleuchtet: Die in der Steiermark ab den 1580er-Jahren aufkommende Katholische Reform und die dadurch in Gang gesetzte Politik der Gegenreformation der in Graz residierenden Habsburger, die sich dazu der Seckauer Bischöfe bedienten, führte zu einer Zunahme an schriftlicher Überlieferung in vorher nicht bekannter Fülle. Die Grenze 1633 ist mit dem Sterbejahr von Bischof Jakob Eberlein bewusst gewählt worden. Mit seinem Episkopat konnte die Rekatholisierung der Steiermark, die unter seinem Onkel und Vorgänger im Seckauer Bischofsamte, Martin Brenner, begann, abgeschlossen werden.

Highlights für diesen Teil der digitalisierten Archivalien sind unter anderem das älteste Bistumsurbar von 1295, die Visitationsprotokolle des 16. und frühen 17. Jahrhunderts oder die einzigartige Handschrift der Beschreibung von Exorzismus in Graz um 1600 von Paulus Knorr von Rosenroth.

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