Auf den digitalen Spuren von Egon Schiele

Die Rechercheplattform Egon Schiele Datenbank der Autografen (ESDA) am Leopold Museum

Die Datenbank ESDA am Leopold Museum gibt Einblicke in das Leben und Werk von Egon Schiele (1890–1918), dem international bekanntesten Vertreter des österreichischen Expressionismus. Sie erfasst alle bekannten Autografen von, an und über Schiele und stellt diese online zur Verfügung. Eine Auswahl der Korrespondenzen ist auch im Kulturpool verfügbar.

Mit Schiele am Schreibtisch

Nach einer umfassenden Überarbeitung Ende 2024 bietet die weltweit umfassendste Forschungs- und Rechercheplattform zu Egon Schiele einen ansprechenden und direkten Zugang zu digitalisierten Quellen.

Basierend auf den Publikationen des Kunstkritikers Arthur Roessler (1877–1955) und des Kunsthändlers, Sammlers und Autors Christian M. Nebehay (1909–2003) erfasst die Datenbank alle bekannten Autografen von und an Egon Schiele (1890–1918) sowie Schriftstücke Dritter über ihn und Schiele betreffende Varia aus österreichischen und internationalen Sammlungen und macht diese Forschenden und Interessierten online zugänglich. 

Aktuell sind rund 3.170 Objekte in der ESDA aufrufbar (Stand: Mai 2026). Die Archivalien umfassen neben biografischen Dokumenten, Notiz- und Skizzenbüchern, Fotografien, sowie vom Künstler verfassten Gedichten und Manifesten hauptsächlich Korrespondenzen aus Schieles privatem und beruflichem Umfeld. Seit 2024 werden auch Schieles Gemälde in der Datenbank berücksichtigt, beschränkt auf jene Werke, die in den Schriftstücken genannt oder mutmaßlich erwähnt werden. Verknüpfungen zwischen den Archivalien sowie zu den darin erwähnten Gemälden, Ausstellungen und Publikationen sollen Nutzer*innen zur Recherche in der Datenbank anregen.

 

Private Einblicke

Die Korrespondenzen betreffen etwa die Organisation von Ausstellungen oder den Verkauf von Schieles Gemälden und Zeichnungen, thematisieren unter anderem seine Erlebnisse auf Reisen, Erfahrungen im Kriegsdienst in der k. u. k. Armee, oder zeugen von Schieles regem Austausch mit Künstlerkolleg*innen und Sammler*innen seiner Werke. Die Fülle der Archivalien erlaubt somit einen unmittelbaren und facettenreichen Einblick in das Leben und Schaffen des Künstlers.

Mancher Briefwechsel verrät sogar Näheres zur Entstehung seiner Gemälde. Beispielsweise schrieb Schiele am 21. Juni 1913 an einen seiner frühesten Förderer: „Lieber Herr [Carl] Reininghaus! Seit einigen Tagen bin ich in Krummau [sic!] weil ich hier einige Stadtansichten studieren will! […] Ich glaube daß wir uns in Wien treffen? im Atelier, um an dem großen Bild der 'Bekehrung‘ zu arbeiten?“

Häufig verfasste der Künstler auch knapp gehaltene Postkarten, bei Ausflügen oder im Alltag, um Treffen zu vereinbaren. Eine Karte von Schiele an seinen Studienkollegen und Schwager Anton Peschka vom 1. Mai 1915 vermittelt eindrücklich die Atmosphäre in seinem Atelier in der Hietzinger Hauptstraße: „Erinnerungen von der Palette! – die Luft im Atelier – Farbengeruch – Vergänglichkeit – wie die Leute am Bild – so die Kraft des Bleistiftes! Dein E. S.“ Schiele spielte damit einerseits auf das Motiv der Kunstpostkarte an, andererseits ist dies als Kommentar zu den ockerfarbenen Farbresten zu verstehen, die er wohl nur versehentlich auf der Schriftseite hinterließ.

Die Leopold Museum-Privatstiftung erwarb 2023 ein umfangreiches Konvolut von über 900 Schiele-Autografen und Fotografien aus einer Privatsammlung, die in der ESDA aufrufbar sind; eine Auswahl davon ist im Suchportal Kulturpool verfügbar.

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